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Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungs- und Kulturbranche hart getroffen. In Mannheim haben sich deshalb verschiedene Kultur-Einrichtungen zusammengetan und am Mittwoch im Rosengarten gemeinsam ihre Situation dargelegt.

"Alarmstufe Rot" heißt der Aufruf der zehn großen und kleinen Konzert- und Kulturveranstalter, die am Mittwoch im Mannheimer Rosengarten auf ihre Situation aufmerksam gemacht haben. Alle haben mit herben Verlusten zu kämpfen, fürchten um ihren Fortbestand und die Zukunft der kulturellen Landschaft ganz generell.

PK Rosengarten  (Foto: SWR)
Die Mannheimer Kulturveranstalter schildern im Rosengarten ihre aktuelle Situation

Der Rosengarten selbst hat im ersten Halbjahr 2020 mehr als acht Millionen Euro Umsatz eingebüßt. Denn durch Corona sind knapp 70 Veranstaltungen weggebrochen, sagt der Geschäftsführer der Mannheim Congress Gmbh, Sebastian Fiedler.

Mitarbeiter monatelang arbeitslos

Im Keller des Rosengartens versucht Trompeter Thomas Siffling seinen Jazzclub Ella & Louis über Wasser zu halten. Während des Lockdowns gab es zwar Online-Konzerte, aber zehn von 14 freien Mitarbeitern hatten drei Monate lang keine Einkünfte, so Siffling. So kann sich der Club nicht rechnen.

"Wenn die Politik nicht schnellstmöglich kapiert, um was es hier geht, dann wird dieser vielseitige Kulturbetrieb, auf den wir sehr stolz sind in Deutschland, so nicht überleben. Dann wird es nur noch subventionierte Häuser geben."

Thomas Siffling, Trompeter und Clubbetreiber

Nur Bruchteil an Sitzplätzen erlaubt

Im Mannheimer Capitol wurden ganze 162 Veranstaltungen abgesagt, 86 weitere verschoben. Geschäftsführer Thorsten Riehle beziffert die Verluste auf 1,5 Millionen Euro.

Frank Schäffer, Stefan Kahne, Sascha Krebs, Kathi Presser, Sascha Kleinophorst, Christof Brill (Foto: Capitol)
Konzert im leeren Capitol unter dem Motto "Rockt zuhause!" Capitol

Unterstützung des Publikums gefragt

Auch das Musikkabarrett Schatzkistl weiß nicht so richtig, wie es weitergehen soll: In Zeiten von Corona sind dort maximal 38 Sitzplätze erlaubt. Das reicht gerade, um die Gage der Künstler zu bezahlen. Peter Baltruschat, Leiter des Kulturnetzes Rhein-Neckar, appeliert deswegen besonders an das Publikum, die Mannheimer Kultur-Einrichtungen in den kommenden Herbst- und Wintermonaten zu unterstützen.

Planungen für Maimarkt 2021 laufen - ohne Gewähr

Auch den ganz Großen geht es nicht gut: Jan Goschmann ist Geschäftsführer der Mannheimer Hallenbetriebs-GmbH. Diese vermarktet im Auftrag der Stadt Messen, Konzerte, Partys Sportevents und auch den Mannheimer Maimarkt. Er steht für 350.000 Besucher und rund 3.000 Ganzjahres-Arbeitsplätze. Dieses Jahr wurde bekanntlich alles abgesagt.

Goschmann fordert deshalb klare Vorgaben - vor allem für einen längeren Zeitraum. Mindestens für drei Monate, sagt er. Denn die Vorbereitungen für den Maimarkt dauern ein ganzes Jahr. So laufen jetzt bereits die Vorbereitungen für den kommenden Maimarkt - allerdings ins Blaue hinein, da noch völlig unklar sei, wie es weitergehe.

Maimarkt Mannheim ist abgesagt (Foto: SWR, Foto: Josef Eck)
Die Absage des diesjährigen Maimarkts kam mitten im Aufbau Foto: Josef Eck

95 Prozent weniger Umsatz in der SAP Arena

Auch Jens Reitmann, Geschäftsführer der SAP Arena, hat drastische Verluste zu beklagen: Der Umsatz sei im vergangenen halben Jahr um 95 Prozent zurückgegangen. Mit 500 Zuschauern in einer Halle für 13.000 Besucher ließen sich keine schwarzen Zahlen schreiben.

"Wir stehen wirklich mit dem Rücken zur Wand. Die SAP-Arena lebt von Großveranstaltungen und wir haben letztlich ein Berufsverbot erhalten durch die Landesverordnungen."

Deswegen dringt Reitmann auf eine zeitnahe Lösung auf kommunaler Ebene. Er hofft, baldmöglichst das erarbeitete Gesundheitskonzept mit der Stadt besprechen zu können, um so schnell wie möglich wieder zu öffnen.

Schlagernacht von SWR4 in Mannheim in der SAP-Arena  (Foto: SWR)
Hat eigentlich Platz für 13.000 Besucher - gerade sind aber nur 500 zugelassen: die Mannheimer SAP Arena
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