Naturschützer schlagen Alarm

Ist Zement die Ursache für Amphibien-Sterben in Heidelberg?

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Heidelberger Naturschützer vermuten, dass Zementarbeiten am Schloss-Wolfsbrunnenweg die Ursache für das Amphibiensterben im vergangenen Frühjahr sein könnten. Die Stadt will nun ein Gutachten nachschieben.

Am Heidelberger Schloss-Wolfsbrunnenweg soll in direkter Nachbarschaft zu denkmalgeschützten Gebäuden ein Terrassenanbau mit großzügigem Loft entstehen - mit Blick direkt auf den Heidelberger Schlossgarten. Doch das Bauareal liegt mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Geschützte Amphibien sind qualvoll verendet

Toter Feuersalamander in Heidelberg (Foto: SWR)
Einer der toten Feuersalamander, den die Naturschützer am Schlossberg gefunden haben.

Im Sommer wurden die Bauarbeiten gestoppt. Angeblich wegen statischer Probleme und Abweichungen von der Baugenehmigung. Naturschützer vermuten jedoch auch, weil durch Zementarbeiten zahlreiche Amphibien wie der streng geschützte Feuersalamander qualvoll verendet sind.

Erhöhter pH-Wert als Ursache möglich

Naturschutzverbände, der städtische Naturschutzbeauftragte und ein Grünen-Gemeinderat hatten am Sonntag deshalb zu einer Begehung vor Ort eingeladen. Ihr Verdacht: Offenbar hatte sich Zement mit dem Wasser in den Teichen und Brunnen gemischt und den pH-Wert auf ein für die Tiere tödliches Level gebracht.

Die Stadt Heidelberg hatte im Vorfeld darauf verzichtet, ein artenschutzrechtliches Gutachten zu erstellen, will das aber jetzt nachholen.

"Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass da im Vorfeld der Baugenehmigung auch wirklich geschlampt worden ist. Es ist ja auch kein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt worden, obwohl es natürlich in den Amphibien-Wanderrouten liegt."

Die Teiche und Brunnen im Heidelberger Schlossgarten sind berühmt. Auch als Lebensraum für seltene Tiere wie den Feuersalamander. Das Wasser beziehen die Becken aus natürlichen Quellen direkt oberhalb vom Schloss-Wolfsbrunnenweg. Der bei den Bauarbeiten verwendete Zement könnte tatsächlich mit dem Wasser für die Teiche und Brunnen in Berührung gekommen sein, so der Naturschutzbeauftragte der Stadt, Karl Friedrich Raqué.

"Es fiel auf im Frühjahr, dass da eine Wassertrübung stattgefunden hat. Und dann hat man die ersten toten Feuersalamanderlarven bemerkt. Und dann ist man mal auf die Idee gekommen, den pH-Wert zu messen."

Der pH-Wert des Wassers betrug 9,7 statt sonst wie üblich fünf. In die Haut der Feuersalamander brannten sich so regelrechte Löcher, durch die dann Bakterien und Fadenwürmer eindringen konnten.

Schlossgarten-Biotop ist für die Amphibien unersetzlich

Die Luxus-Wohnungen, die im Schloss-Wolfsbrunnenweg entstehen sollen, werden terrassenförmig in den Berg gegraben. Vorher war hier ein riesiger Garten, den die Salamander problemlos durchqueren konnten. Das ginge zukünftig nicht mehr, kritisiert der Naturschutzbeauftragte. 

Damit die Feuersalamander, die es doch irgendwie bis zu den Brunnen und Teichen schaffen, im kommenden Frühjahr nicht auf dem Trockenen sitzen, sollen die Becken mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Die Naturschützer hoffen, dass die Tiere damit genau so gut klarkommen wie mit Quellwasser. 

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