Erstes Interview nach OB Wahl Heidelberg

Würzner: "Ich stehe für ein Miteinander, nicht Gegeneinander"

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Eckart Würzner (parteilos) bleibt OB in Heidelberg. Im SWR-Interview macht er deutlich: Ihm geht es in erster Linie darum, die Menschen durch den Krisenwinter zu bringen.

Der Wahlsonntag in Heidelberg war der Höhepunkt eines langen Wahlkampfes. Beim zweiten Wahlgang hat sich Eckart Würzner schließlich klar gegen Theresia Bauer (Grüne) durchgesetzt.

Im ersten Interview nach der Wahl hat SWR-Moderator Patrick Figaj mit Eckart Würzner über seine nächsten Schritte gesprochen:

SWR Aktuell: Herr Würzner, am Sonntag haben Sie nach Ihrem Erfolg sicherlich gefeiert und das auch erst einmal genossen?

Eckart Würzner: Ich habe mich riesig gefreut. Es war eine großartige Bestätigung. Von daher war jetzt dann abends auch noch ein bisschen Feiern angesagt. Mit vielen Freunden, Bekannten und denjenigen, die mich unterstützt haben. Montag, Dienstag habe ich dann mal mit meiner lieben Frau in Ruhe morgens gefrühstückt.

SWR Aktuell: Eines, was Sie immer wieder angesprochen haben, ist die weltweite Vernetzung, die man als Heidelberger Oberbürgermeister hat. Beispielsweise beim "Heidelberger Symposium Migration" in dieser Woche. Auch da sind Sie dabei. Eines Ihrer Kernthemen?

Würzner: Absolut. Wir haben auch von kommunaler Seite die Möglichkeit, in solchen Krisensituationen unterstützend zu wirken. Das spielt eine zentrale Rolle. Die Situation der Geflüchteten könnte eine wichtige Rolle übernehmen. Ich bin im engen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine. Wir haben jetzt gerade hier vor Ort unsere Möglichkeiten genutzt, möglichst vielen Geflüchteten eine entsprechende Unterkunft zu bieten und eine entsprechende Ankommenskultur zu ermöglichen. Also es gibt viele Felder, wo wir aktiv sind - und das sollten wir auch nutzen.

SWR Aktuell: Dann gibt es aber auch noch die andere Seite. Mindestens 20.000 Menschen - so viele Wähler hatte Theresia Bauer ja ungefähr immerhin auch - sagen unter anderem: Es geht auch um die soziale Kluft in der Stadt. Würden Sie das so sehen? Und falls ja, wie gehen Sie da ran?

Würzner: Also ich glaube, das ist ja genau mein Schwerpunkt gewesen. Dass hier in Heidelberg durch ein enormes Engagement in gleiche Bildungschancen, durch Schulsozialarbeit in allen Schulen, wo wir fast vier Millionen Euro pro Jahr investieren, dass das jetzt wieder ein Landesthema geworden ist.

Allein von der Größenordnung können Sie es mal vergleichen, Deutsch-Sprachkurse an allen Schulen. Dass auch Kinder aus sozial schwächeren Haushalten nahezu den gleichen Bildungsabschluss schaffen, was sonst kaum in einer anderen deutschen Stadt möglich ist. Also von daher bin ich schon sehr zuversichtlich. Das sieht man auch an den Zahlen, dass wir in Heidelberg in dem Bereich schon enormes auf den Weg gebracht haben. Das wird auch mein zukünftiger Schwerpunkt bleiben.

SWR Aktuell: Stichwort Geld. Was ein prestigeträchtiges Projekt sein könnte, wäre der Neckarufer-Tunnel. Haben Sie die Kladde dafür jetzt eigentlich ein bisschen zur Seite gelegt? Das ist ja ein Projekt, was sehr teuer werden könnte…

Würzner: Also ich glaube, wir haben immer in unseren Stadtgebieten den Auftrag, sie so lebenswert wie möglich zu machen. Für die Innenstadt gibt es ein zentrales Projekt: Das ist die Bundesstraße, die Stadt beziehungsweise Innenstadt vom Neckar trennt. Das anders zu gestalten. Was auch Geld kostet, was wir auch nur auf den Weg bringen, wenn wir die Bundes- und Landesmittel dafür kriegen. Da bin ich ja immer sehr zuversichtlich, sodass sich das finanziell dann auch im Rahmen hält.

"Das ist natürlich nicht ein Projekt, das ich jetzt im Frühjahr nächsten Jahres gleich auf den Weg bringen werde."

Es gilt jetzt erstmal, die Energiekrise und die damit verbundene enorme Kostensteigerung, die Gefährdung von vielen mittelständischen Betrieben in Heidelberg in den Griff zu kriegen. Das muss natürlich jetzt erst mal im Vordergrund stehen. Das ist ja völlig klar.

SWR Aktuell: Die Menschen haben Ihnen auch erneut das Vertrauen ausgesprochen. Jetzt gibt es viele Analysen, warum die Grünen es nicht schaffen, in der Kommune zu punkten. Wie in Heidelberg. Ist es vielleicht einfacher, jetzt mal ein bisschen zugespitzt gesagt, für einen eher konservativen Politiker ein "grünes" Jäckchen anzuziehen?

Würzner: Ich weiß gar nicht, von welchem "Jäckchen" Sie reden. Ich glaube, dass wir hier in Heidelberg schon 50 Prozent der Fernwärme auf grüne Fernwärme umgestellt haben. Eigene Kraftwerke gebaut haben, unter meiner Ägide auch als Oberbürgermeister. Da hat die Landesregierung mit ihren Liegenschaften noch eine hundertprozentige fossile Energieversorgung.

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Also wenn wir über konkrete Politik reden, dann müssen Sie feststellen, dass das Reden das Eine ist und das Handeln das Andere. Ich glaube, ich stehe für einen sehr konsequenten Klimaschutz schon von Anfang an, auch über meine Aktivität als Umweltdezernent.

"Ich glaube, das ist eher das Problem. Dass es der pragmatische Umweltschutz ist, nicht der ideologische. Das ist das, was die Menschen verstehen und wo sie auch mitgehen."

Uns ist es gelungen, über 140 Unternehmen mitzunehmen in einem konkreten Klimaschutzpakt, was die Unternehmen verstehen, was die Beschäftigten verstehen, wo sie mitgehen, wo sie sagen „Ja! Wenn wir hier als Partner gesehen werden" und nicht nur als jemand, dem man erklärt, dass es notwendig ist, sich für Klimaschutz zu engagieren, dann kann man die auch super mobilisieren.

SWR Aktuell: Eines wird in Zukunft ähnlich bleiben: Die Konstellationen im Gemeinderat. Sie haben sich ja durch Ihre Wiederwahl nicht verändert. Wie blicken Sie da in die Zukunft? Knirscht es weiter? Oder wird es einen anderen Eckart Würzner geben, wo man ein bisschen mehr aufeinander zugeht, um vielleicht auch manche Projekte dann doch noch auf den Weg bringen zu können?

Würzner: Also, alleine die Fragestellung ist immer ein bisschen irritierend. Wenn ich 100 Tagesordnungspunkte habe, von denen ich 90 einstimmig durchbringe… wo knirscht es da?

SWR Aktuell: Es gibt ja doch das ein oder andere Großprojekt, das in den vergangenen Jahren nicht funktioniert hat…

Würzner: Da sind wir in den 16 Jahren bei den Projekten, wo man beispielsweise bei der Stadthalle ein anderes architektonisches Modell gesehen hat als der gesamte Gemeinderat, der das ja fast einstimmig beschlossen hat. Eine Bevölkerung, die der Meinung war: "Wir brauchen den Betriebshof an dieser Stelle nicht, weil wir dort eine entsprechende Grünfläche für wichtig erachten". Wo aber nicht ausreichend Stimmen zustande kamen, der Gemeinderat dennoch den Weg gegangen ist und gesagt hat: "Wir erhalten diese Grünfläche."

Also, wer ein bisschen genauer hinguckt, der stellt fest, dass ich da sehr eng mit dem Gemeinderat und mit allen Parteiengruppierungen zusammenarbeite. Es wird auch die große Aufgabe der Zukunft sein, weil ich für ein Miteinander stehe, nicht für ein Gegeneinander.

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