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Der Rüde gilt als sesshaft und der Odenwald nun als Wolfspräventionsgebiet. Unklar ist, ob weitere Wölfe hinzukommen, sagt Tobias Kuhlmann, Wildtierbeauftragter im Neckar-Odenwald-Kreis.

SWR Aktuell: Der Neckar-Odenwald-Kreis und Teile des Rhein-Neckar-Kreises sind jetzt offiziell Wolfspräventionsgebiet. Frage an den Wildtierbeauftragten für den Neckar-Odenwald-Kreis Tobias Kuhlmann: Ist das eine gute Nachricht. Und wenn ja, warum?

Tobias Kuhlmann: Ja, absolut. Denn ab sofort besteht zum Beispiel für Nutztierhalter die Möglichkeit, sich Herdenschutzmaßnahmen fördern zu lassen. Wichtig ist es nun, dass diese Möglichkeiten auch genutzt werden und zum Beispiel Schafe, Ziegen oder Gehegewild im Odenwald zeitnah geschützt werden. Man kann beispielsweise einen Grundschutz durch Zäune herstellen, sich einen Hund zulegen, der zum Herdenschutz da ist oder Ausbesserungen bei den Zaunanlagen vornehmen. Das sind alles Maßnahmen, die man darüber fördern lassen könnte.

Der Odenwald ist jetzt Wolfspräventionsgebiet, denn ein Rüde gilt dort als sesshaft (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Thissen)
picture alliance/dpa | Bernd Thissen

SWR Aktuell: Hat sich denn dieser nun heimische Wolf überhaupt schon mal ein Schaf oder irgendein anderes Tier geholt oder ist er brav?

Tobias Kuhlmann: Es gab bislang erst einen Übergriff vom Wolf hier bei uns im Odenwald auf Schafe. Das zeigt uns letztendlich auch, dass er sich bei uns wohl überwiegend von Wildtieren ernährt. Ziel der ganzen Sache ist es aber auch, dass der Wolf eben gar nicht lernen soll, dass unzureichend geschützte Nutztiere leichte Beute sind.

SWR Aktuell: Was passiert denn, wenn er sich dann doch mal ein Schaf reißt? Also gibt es dann auch eine kleine Entschädigung für den Landwirt, weil das für ihn einen Schaden bedeutet?

Tobias Kuhlmann: Genau diese Entschädigung gibt oder gab es auch in der Vergangenheit schon. Wenn ein Wolf ein Schaf oder eine Ziege oder ähnliches reißt, muss das erst von uns bestätigt werden, dass da ein Wolf tätig war und dann wird es praktisch ersetzt.

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SWR Aktuell: Was glauben Sie denn: Wird es künftig noch mehr Wölfe im Neckar-Odenwald-Kreis geben oder bleibt er alleine?

Tobias Kuhlmann: Also, das ist schon gut möglich. Denn generell muss man sagen, die Wolfspopulation in Deutschland steigt enorm an. Es leben jetzt schon deutlich über tausend Wölfe in Deutschland und die Tendenz ist ganz klar steigend.

SWR Aktuell: Finden Sie das spannend oder finden Sie das gefährlich?

Tobias Kuhlmann: Also für meinen Beruf ist es absolut spannend. Gefährlich ist vielleicht der falsche Ausdruck - auch Angst ist die falsche Formulierung. Vielmehr sollte jeder Respekt vor dem Tier haben.

SWR Aktuell: Das gilt auch für die Wanderer oder für die Spaziergänger. Was mache ich, wenn der Wolf mir plötzlich über den Weg läuft?

Tobias Kuhlmann: Also dazu muss man sagen: Es ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass man den Wolf hier bei uns im Odenwald sieht oder ihm begegnet. Er hat sich bislang absolut natürlich verhalten und ganz klar versucht, den Kontakt mit den Menschen zu vermeiden.

SWR Aktuell: Und was mache ich, wenn ich ihn doch mal treffe?

Tobias Kuhlmann: Der Wolf hat eine natürliche Scheu und macht sich im Endeffekt aus dem Staub. Die falsche Variante wäre wahrscheinlich vor ihm wegzurennen. Generell ist es wirklich so, dass der Wolf gar nicht den Kontakt zum Menschen sucht und daher die Flucht ergreift.

SWR Aktuell: Haben Sie ihn denn schon mal gesehen oder auch nur die Bilder, die die Wildtierkameras von ihm gemacht haben?

Tobias Kuhlmann: Also, ich habe ihn persönlich auch noch nicht gesehen. Was im Moment vielleicht teilweise existiert, ist der Wolfstourismus. Die Leute gehen jetzt in den Wald und wollen unbedingt den Wolf sehen. Da kann man vielleicht lieber Lottospielen, da ist die Wahrscheinlichkeit größer.

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