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Sie attackierten türkisch-und portugiesischstämmige Familien und grölten Nazi-Parolen: Wegen des Angriffs in einer Eisdiele in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) sind drei Brüder zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Opfer verfolgt die Tat noch immer.

Das Amtsgericht Wiesloch hat die drei Brüder im Alter von 29, 32 und 37 Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole am Freitag zu Bewährungsstrafen zwischen zehn Monaten und zwei Jahren verurteilt.

Gericht sieht rechtsradikale Gesinnung der Brüder

Der mit 37 Jahren älteste Bruder und auch Haupttäter wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und muss eine Geldstrafe von 2.000 Euro zahlen. Der zweite Angeklagte erhielt anderthalb Jahre auf Bewährung plus Geldstrafe und der dritte Täter eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten sowie eine Geldstrafe. Das Gericht sah bei den drei Männern eine rechte, ausländerfeindliche Gesinnung.

Die Angeklagten hätten die Familien ohne Rücksicht auf die Kinder und ohne Mitgefühl aus heiterem Himmel in der Wieslocher Eisdiele angegriffen. So etwas habe er in 30 Jahren als Richter noch nicht erlebt, sagte der Vorsitzende.

 Männer sollen Hitler-Gruß gezeigt und rassistische Parolen gerufen haben

Die Männer hatten vor fast zwei Jahren im September 2018 in der Wieslocher Innenstadt rassistische Parolen skandiert. Laut Anklage sollen sie etwa den Hitler-Gruß gezeigt und "Heil Hitler" gegrölt haben. Sie beleidigten laut Gericht mehrere türkisch- und portugiesischstämmige Familien im Außenbereich der Eisdiele und griffen sie mit Stühlen an. Die Männer hatten sich demnach zu einem Junggesellenabschied getroffen und waren laut Gericht angetrunken. Zeugen hatten den Angriff damals gefilmt.

Zeugen haben den Angriff gefilmt (Foto: SWR)

Opfer leiden unter Schlafstörungen oder fühlen sich abgelehnt

Einer der Nebenklagevertreter schilderte dem Gericht, dass die Familien noch immer unter der Tat vor zwei Jahren leiden. Eine der angegriffenen Frauen könne bis heute nicht arbeiten, weil sie traumatisiert sei, andere litten unter Schlafstörungen.

Auch der Vorsitzende Richter wies die Angeklagten bei der Urteilsbegründung noch einmal auf die schwerwiegenden Folgen ihrer fremdenfeindlichen Tat hin: Ein kleines Mädchen mit ausländischen Wurzeln, dessen Familie in der Eisdeile von den Männern angegriffen und angepöpelt wurde, fühle sich seitdem in ihrem Heimatland Deutschland nicht mehr willkommen.

Anwalt will Schmerzengeld für die Opfer

Einer der Nebenklageanwälte will noch ein zivilrechtliches Verfahren durchfechten, damit die Täter den Opfern Schmerzengsgeld zahlen müssen.

Prozess gegen drei weitere Beschuldigte steht noch aus

Die Angeklagten hatten die Taten zum Prozessauftakt weitestgehend gestanden. Allerdings hatten sie eine ausländerfeindliche Gesinnung bestritten. Der Prozess wurde ins Heidelberger Landgericht verlegt, damit die coronabedingten Hygienemaßnahmen besser umgesetzt werden können. Aus diesem Grund wurde zunächst auch nur gegen die drei Brüder verhandelt - insgesamt gibt es aber sechs Beschuldigte aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Kreis Karlsruhe. Der Prozess gegen die anderen Beschuldigten hat noch nicht begonnen.

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