Thermometer (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jens Büttner)

SWR-Wetterexperte Bernd Madlener

Wetter-Bilanz für die Rhein-Neckar-Region: Zu heiß und zu trocken

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Das Jahr 2022 war deutlich zu warm: Nie zuvor gab es in Deutschland so viele Sonnenstunden mit rekordverdächtigen Temperaturen. Auch in der Rhein-Neckar-Region war das zu spüren.

SWR Aktuell hat mit dem Wetter-Experten Bernd Madlener darüber gesprochen, wo das Wetter besonders extrem war und von welchen Faktoren es beeinflusst wird.

SWR Aktuell: Wo war es denn bei uns in der Region zum Beispiel am heißesten?

Bernd Madlener: Ganz klar in den Ballungszentren, wie das eigentlich immer so ist: 38,4 Grad gab es am 4. August an der Wetterstation in Mannheim, und das Jahr hat uns auch insgesamt 93 Sommertage mit mehr als 25 Grad gebracht. Das ist eine unglaubliche Zahl - genauso wie die 38 Hitzetage mit über 30 Grad. Und dann gab es noch vier Tropennächte, wo es nicht unter 20 Grad abgekühlt hat.

SWR Aktuell: Und wo in der Region hat am meisten die Sonne geschienen, weiß man das?

Madlener: Nein, es gibt leider zu wenige Wetterstationen, die Sonnenschein überhaupt melden. Von einer Station zur nächsten haben wir auch teilweise eine regionale Differenz von hundert Kilometern. Nur von Mannheim habe ich jetzt die Zahl von knapp über 2.200 Stunden vorliegen.

SWR Aktuell: Gab es hier in der Region auch irgendwelche "kühlen Ecken"?

Madlener: Kühl ist es natürlich grundsätzlich immer in den höheren Lagen. Das dreht sich nur dann um, wenn wir eine sogenannte Inversionswetterlage haben. Da ist die Warmluft nämlich oben und die kalte Luft sammelt sich in Tälern. Das kann sich natürlich wunderbar in den Odenwald-Tälern bemerkbar machen. Wenn der Wind schwach weht, sammelt sich die kalte Luft in den Tälern und da hat man es nicht tropisch, sondern da sind es teilweise fünf oder sogar knapp zehn Grad weniger als in der Mannheimer Innenstadt.

SWR Aktuell: Was für Besonderheiten gibt es denn bei uns in der Region, die das Wetter ganz generell beeinflussen? Ich denke an den Rheingraben oder an die Höhen des Odenwaldes…

Madlener: Die Beschaffenheit der Landschaft wirkt sich natürlich auf die Wetter- und Klimabedingungen aus. Das sind bei uns auf der einen Seite im Westen der Pfälzerwald, im Osten der Odenwald, dann natürlich die Flussläufe von Rhein und Neckar und andere kleine Bäche und Flüsse. Jeder einzelne Hügel hat einen Einfluss auf die Luftströmung. Das, was von Westen kommt, wird erstmal durch den Pfälzerwald abgefangen. Deswegen sind wir eine der trockensten Regionen überhaupt in Deutschland mit einer Jahresniederschlagsmenge von gerade mal 600 Litern pro Quadratmeter – im Schwarzwald sind es teilweise über 2.000 Liter. In Sachen Niederschlag gab es übrigens 2022 keinen neuen Rekord zu verzeichnen: Das Jahr war insgesamt etwas zu trocken, aber von Ort zu Ort sehr, sehr unterschiedlich - teilweise gab es im Sommer auch stramme Schauer und Gewitter.

SWR Aktuell: Werden sich diese Wetterextreme in Zukunft häufen?

Madlener: Es sind die kleinräumigen Dinge, die natürlich erstmal hervorstechen, wie die Unwettergefahr mit großem Hagel, mit Sturmböen im Sommerhalbjahr. Im Winterhalbjahr sind es eher die Regengebiete, die gleichmäßig über uns hinwegziehen, sich gerne auch mal am Odenwald stauen und dort besonders viel Regen abladen. Natürlich auch die Ballungszentren. Wenn da in Zukunft noch mehr Flächen versiegelt werden, hat das auch einen Einfluss auf die kommende Klimaentwicklung. 40 Grad waren früher die absolute Ausnahme, die gab es nur im Mittelmeerraum. Und die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas im Sommer bei uns immer wieder gemessen wird, steigt von Jahr zu Jahr.

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