Katzen gegen Vögel (Foto: SWR)

Freigang wird per GPS-Tracker überwacht

Zurück in die Freiheit: Erste Katzen dürfen in Walldorf wieder raus

STAND

Die ersten Katzenbesitzer sind von der Ausgangssperre für Katzen zum Schutz seltener Vögel in Walldorf befreit worden. Die Tiere sollen bei Freigang einen GPS-Tracker tragen.

Regine Tredwell aus Walldorf ist eine von zwei Katzenbesitzern, die von der bundesweit einzigartigen Ausgangssperre für Katzen zum Schutz der seltenen Haubenlerche in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) befreit worden ist. Ein dritter Antrag wird noch vom zuständigen Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises geprüft.

Haubenlerche (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Andreas Trepte/Archiv Vogelschutzwarte | Andreas Trepte)
Die Haubenlerche ist vom Aussterben bedroht. picture alliance/dpa/Andreas Trepte/Archiv Vogelschutzwarte | Andreas Trepte

Katzen dürfen dank Ausnahmegenehmigung raus

Regine Tredwell darf ihre zwei 13-jährigen Katzen mit einer Ausnahmegenehmigung ins Freie lassen. Der Grund: Ihre Tiere sind schon sehr alt und halten sich draußen immer im gleichen Gebiet auf. Das ist nördlich vom Brutgebiet der Haubenlerche und deshalb weit genug entfernt. Bestätigen konnte das auch ein Biologe, der die Katzen von Regine Tredwell noch nie im betroffenen Bereich der Haubenlerche gesehen haben soll.

Freigang wird mittels GPS-Tracker überwacht

Trotz der Befreiung müssen die beiden Katzen laut Allgemeinverfügung bestimmte Auflagen einhalten: Jeder Freigang muss mit Hilfe eines GPS-Trackers überwacht werden. Die Daten müssen wöchentlich an die Naturschutzbehörde übermittelt werden. Wenn sich eine Katze im Gefahrenbereich aufhalten sollte, bekommt Regine Tredwell einen Alarm auf ihr Smartphone und muss die Katzen sofort einfangen und umgehend den Behörden mitteilen. Trotz Ausnahmegenehmigung ist die Katzenbesitzerin aber nicht zufrieden.

"Meine Katzen leiden. Mit und ohne Tracker."

Katze liegt nebem Halsband-ähnlichem GPS-Tracker auf dem Boden. (Foto: privat)
Der GPS-Tracker wird an der Katze wie ein Halsband angelegt. privat

GPS-Tracker so groß ein Smartphone

Die Anschaffung pro GPS-Tracker hat Regine Tredwell 60 Euro gekostet, jeden Monat muss sie zusätzlich fünf Euro zahlen. Und das ist eins der günstigsten Modelle. Ihre Katzen kommen mit dem halsbandähnlichen Gerät aber nicht klar. Das Problem: Der GPS-Tracker ist so groß wie ein Smartphone und stört. Die Katzen könnten sich deshalb nicht mehr richtig putzen und würden mit dem zusätzlichen Gewicht am Hals nicht zurecht kommen.

Regine Tredwell fordert höhere Zäune um das Brutgebiet

Nicht nur Katzen gehören zu den Fressfeinden der Haubenlerche. Auch für Elstern oder Füchse seien die Vogelbabys leichte Beute. Dass Katzen deshalb ein Ausgangsverbot bekommen haben, finden viele Katzenbesitzer in Walldorf unlogisch. Regine Tredwell fordert deshalb höhere Zäune. Auch ihr ist der Artenschutz der Haubenlerche wichtig. So sei der Schutz vor allen Tierarten besser gegeben.

Ein Schutz- und ein Elektrozaun umgrenzen das Brutgebiet der Haubenlerche (Foto: SWR, 9999999)
Durch einen Schutz- und einen Elektrozaun soll das Brutgebiet der Haubenlerche geschützt werden. 9999999

Hohe Zäune bringen laut Biologe nichts

Doch so einfach ist es nicht, sagt zum Beispiel der Diplom-Biologe Hans-Joachim Fischer, der in Walldorf die Schutzmaßnahmen für die Haubenlerche überwacht. Die Schutzzäune seien hoch genug, in der Brutzeit seien die Vögel geschützt. Aber wenn die Jungvögel mobil würden, verließen sie den eingezäunten Bereich. Sie könnten dann noch nicht gut genug fliegen und seien zu unerfahren, um einer Katze auszuweichen. Man könne die Vögel auch nicht umsiedeln. Man habe mehrere Ausweichgebiete für sie angelegt. Aber Haubenlerchen seien Vögel, die ihrem Revier treu bleiben.

Walldorf sucht Gespräche mit Naturschutzbehörde

Die Situation sei kompliziert. Die Stadt Walldorf führt im Moment Gespräche mit dem Kreis, dem Land, der Unteren Naturschutzbehörde und den Biologen, ob die Maßnahmen zum Schutz der Haubenlerche wirklich so streng sein müssen, so der der Walldorfer Bürgermeister Matthias Renschler.

Bundesweites Aufsehen

Seit Mitte Mai dürfen Katzen nicht mehr durch das Brutgebiet der seltenen Haubenlerchen im Süden der Stadt Walldorf streifen - es sei denn, sie werden an die kurze Leine genommen. Und zwar im Zeitraum von April bis August. Die Maßnahme hatte bereits in den vergangenen Wochen bundesweit Aufsehen erregt.

Walldorf

Streit um Verfügung des Rhein-Neckar-Kreises "Leid und Stress" für Katzen: Kritik an Freilauf-Verbot in Walldorf reißt nicht ab

Das Katzen-Freilauf-Verbot in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) sorgt weiter für Wirbel. Die Kritik an der Verfügung wächst. Der lokale Tierschutzverein will sogar klagen.  mehr...

Mehr zur Ausgangssperre für Katzen

Rhein-Neckar-Kreis

Herkunft der Informationen unklar Ausgangsverbot für Katzen in Walldorf - FDP schaltet Datenschutzbeauftragten ein

In Walldorf gilt ein einzigartiges Ausgangsverbot für Katzen zum Schutz der Haubenlerche. Die FDP befürchtet nach dem ersten Zwangsgeld Verstöße gegen den Datenschutz.  mehr...

Walldorf

Strafe von 500 Euro Erstes Zwangsgeld nach Ausgangssperre für Katzen in Walldorf

Zum ersten Mal ist wegen des bestehenden Ausgangsverbots für Katzen in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) ein Zwangsgeld verhängt worden.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR