Gemischte Zwischenbilanz von Verkehrsberuhigungs-Maßnahme

Unmut in Mannheim: Ein Monat Sperrung der Fressgasse in Innenstadt

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Der Verkehr in der Mannheimer Innenstadt sorgt schon lange für Zündstoff. Seit dem 11. März will die Stadt den Verkehr teilweise aus der City verbannen. Das sorgt für neuen Zwist.

Die Stadt hat die "Fressgasse", die die Innenstadt einmal von West nach Ost quert, seit dem 11. März für den motorisierten Verkehr auf einem längeren Teilstück gesperrt. Das soll den Anwohnern dort mehr Ruhe und bessere Luft bringen. Außerdem will die Stadt mit ihrem Verkehrsversuch mehr Einkaufs- und Wohnqualität in den Quadraten schaffen.

Die Zwischenbilanz nach einem Monat: Die Meinungen der Anwohner, Einzelhändler und City-Besucher gehen auseinander. 

Sperrung Fressgasse in Mannheim: Verursacht Verkehr jetzt woanders Ärger?

Besonders genervt sind jetzt beispielsweise die Anwohner der Erbprinzenstraße, vor deren Häusern jetzt der Verkehr durchrollt, der von der Fressgasse aus der Innenstadt herausgeleitet wird. Beispiel: Haakon Becker. Er wohnt seit 43 Jahren in den Mannheimer Quadraten. Vor seiner Haustür staut sich seit der Teilsperrung der Fressgasse der Verkehr.  

Schranke Fressgasse Mannheim (Foto: SWR)
Schranke in der Fressgasse in der Mannheimer Innenstadt

"Früher hat man nichts mitbekommen. Man hat gewusst, dass man in der Stadt war, und hat es hingenommen. Jetzt gibt’s einen Rückstau zu den Geschäftszeiten. Stundenlang."

Ladenbesitzer in Fressgasse: "Verkehrsversuch sorgt für große Unruhe"

Unmut herrscht auch bei manchen Ladenbesitzern in der Fressgasse. Juwelier Claudio Troncone sagte dem SWR: "Der Verkehrsversuch sorgt für große Unruhe. Kunden beschweren sich wegen des Rückstaus. Kunden aus Viernheim (Kreis Bergstraße) wollen deshalb nicht mehr kommen." Troncone, der seinen Laden jetzt in der neugeschaffenen verkehrsberuhigten Zone betreibt, hat auch beobachtet, dass sich viele Autos und Motorräder seitlich an der Schranke "vorbeiquetschen."  

"Ein alter Händlerspruch lautet: Geld fährt."

Laut Alexander Füßl, Miteigentümer des Spezialitätenhandels "Südlandhaus", sorgt die Sperrung der Fressgasse für neue Umsatzeinbußen, zusätzlich zu den Lieferengpässen und der Corona-Pandemie. Er sagte, er wünsche sich, dass der Verkehrsversuch der Stadt Mannheim auf 2024 verschoben wird und die Stadt mit den Einzelhändlern ein gemeinsames Konzept ausarbeitet.   

Werbegemeinschaft Mannheim: "Gibt noch viele Kinderkrankheiten"

Lutz Pauels, Erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim City e.V., will den Verkehrsversuch nicht komplett schlecht reden. Er sagte dem SWR: "Es gibt noch sehr viele Kinderkrankheiten, wie fehlende Schilder oder Kontrollen, bis man sagen kann, dass es funktioniert." 

Mannheim

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Verkehrsversuch in Mannheim: Durchgangsverkehr soll umgeleitet werden

Weiterer Bestandteil des Verkehrsversuchs ist laut Stadt die Einführung einer reinen Fahrradstraße am Marktplatz (in Betrieb seit 21. März). Zudem soll eine Schranke den Durchgangsverkehr auf Höhe des Paradeplatzes auch von der Kunststraße fernhalten. In etwa einem Jahr soll der Verkehrsversuch überprüft werden. Dann will die Stadt entscheiden, ob die Maßnahmen bestehen bleiben oder nicht, auch mit Blick auf die Bundesgartenschau (Buga 2023) in Mannheim.  

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