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Das Mannheimer Landgericht hat das Urteil im Prozess um den Hygieneskandal am Uniklinikum Mannheim verkündet. Der Ex-Geschäftsführer des Klinikums, Alfred Dänzer, wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe verurteilt.

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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro gefordert. Die Bewährungsstrafe wurde verhängt, die Geldstrafe auf 75.000 Euro erhöht. Drei Monate der Strafe habe Dänzer bereits verbüßt, aufgrund der langen Verfahrensdauer. Die Verteidigung hat Revision angekündigt.

Der 72 Jahre alte langjährige Geschäftsführer des Mannheimer Uniklinikums musste sich wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz verantworten. Das Urteil nahm er nach Angaben von Prozessbeobachtern sichtlich geschockt auf. Unter anderem droht ihm der Verlust seiner Pensionsansprüche.

Verteidigung plädierte auf Verjährung

Laut Staatsanwaltschaft hatte es Dänzer als hauptverantwortlicher Geschäftsführer des Uniklinikums versäumt, für ordentliche Sterilisation von OP-Besteck zu sorgen. Der Verteidiger hatte beantragt, das Verfahren einzustellen, da seinem Mandanten nur Fahrlässigkeit vorzuwerfen sei.

Die fahrlässige Tat sei aber schon verjährt. Der Angeklagte hatte sich damit gerechtfertigt, dass er von den ihm unterstellten Führungskräften nicht über Missstände informiert worden sei.

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Kontrollen wurden versäumt

Aus Sicht des Oberstaatsanwalts hätte Dänzer kontrollieren müssen, dass die Abteilungsleiter die Hygienemaßstäbe bei den Instrumenten einhalten. Durch seine Untätigkeit habe er sehr viele Menschen gefährdet. Immerhin würden an der Klinik jährlich 18.000 Eingriffe vorgenommen.

Es hätte laut Gericht eine "Vogel-Strauß-Politik" geherrscht - wohl auch um Kosten zu sparen. Das Verfahren habe aber nicht ergeben, dass durch das mangelhafte OP-Besteck Patienten zu Schaden gekommen wären.

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