Eine Lehrerin mit ukrainischen Schülern in einer Vorbereitungsklasse des Elisabeth-Gymnasiums in Mannheim (Foto: SWR)

Wie vor dem Ukraine-Krieg geflüchtete Kinder und Jugendliche zurechtkommen

Zurück in ein Stück Normalität: Ukrainische Schüler in Mannheim

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Das Mannheimer Elisabeth-Gymnasium hat 59 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine aufgenommen, die in zwei Vorbereitungsklassen intensiv Deutsch lernen, um dann am Unterricht teilnehmen zu können.

Einfach nur ein Stück Normalität zurückbekommen. Das wünschen sich über 12.000 schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die wegen des Krieges die Ukraine verlassen mussten und mittlerweile in Baden-Württemberg angekommen sind.

Ukrainische Schülerinnen udn Schüler lernen in einer Vorbereitungsklasse im Elisabeth-Gymnasium in Mannheim (Foto: SWR)
Gemischte Klassen am Elisabeth-Gymasium

Zwei Vorbereitungsklassen gegründet

Das Elisabeth-Gymnasium in Mannheim versucht wieder etwas Unbeschwertheit in ihr Leben zu bringen. Zwei Vorbereitungsklassen für ukrainische Schüler wurden dafür extra gegründet – dort sollen die Kinder intensiv deutsch lernen und schnell Kontakte knüpfen. Wenn sie dann ein gutes Sprachniveau erreicht haben, können sie in die normale Schulklasse wechseln.

Ukrainische Schüler lernen in einer Vorbereitungsklasse des Elisabeth-Gymnasiums in Mannheim (Foto: SWR)

Es ist ein gemischter Klassenverband von Mädchen, Jungen und jungen Erwachsenen zwischen 10 und 18 Jahren.

"Wir merken, dass wir Schüler und Schülerinnen haben, deren Tagesform sehr unterschiedlich sind, die an manchen Tagen sehr gut lernen können, an anderen Tagen einfach sehr depressiv sind. Wenn man dann hört, dass ein Kind gerade erfahren hat, dass der Vater erschossen wurde, das ist einfach nur grausam."

Um die Kriegstraumata zu überwinden, sollen die Vorbereitungsklassen auch Halt geben - durch eine feste Tagesstruktur und den Kontakt zu anderen Kindern. Vier Stunden pro Tag dauert der intensive Deutschunterricht.

Zerstörter Raum in einer ukrainischen Schule. In der Ukraine haben mehrere Regionen in der Nacht zum 03.06.2022 und am frühen Morgen Luft- und Raketenangriffe gemeldet. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ein zerstörter Klassenraum an einer ukrainischen Schule Picture Alliance

"Die schönsten Momente sind die, wenn die ukrainischen Schüler mit unseren Schülern, die hier im Haus sind, völlig zwanglos zusammenkommen, sich auf dem Pausenhof treffen, sich im Haus begrüßen, Gesten austauschen. Das ist, glaube ich, das Wichtigste: Einfach hier mit anderen jungen Menschen zusammen zu sein. Diese Momente haben wir zum Glück auch reichlich."

Für das Elisabeth-Gymnasium in Mannheim war es nicht leicht, die zwei Vorbereitungsklassen auf die Beine zu stellen. Es fanden sich kaum Lehrer. Mit der Hilfe von drei reaktivierten Rentnerinnen startete der Unterricht dann doch Ende April. Eine von ihnen ist Rita Streicher.

"Ich habe einfach gedacht, dass Geld spenden nicht genügend ist, sondern dass ich auch über andere Fähigkeiten verfüge, mit denen ich durchaus noch mehr geben kann, als es jetzt vielleicht durch Geld möglich ist. Auch als Pensionärin ist es einfach so, dass man noch etwas zu geben hat und das ist in dem Zusammenhang möglich."

Einer der ukrainischen Schüler ist der 17-jährige Alik. Er kommt aus der zerbombten Stadt Charkiw. Sein Schulgebäude gibt es nicht mehr. Aber er verfolgt den ukrainischen Unterricht seiner Schule online.

Komische Situation, aber doch cool

"Ich bin jetzt hier in Deutschland, es ist eine komische Situation: Ich kann die Sprache nicht, ich kenne die Stadt nicht, ich kenne niemanden. Ich bin allein hier, ohne meine Eltern. Deshalb ist dieser Vorbereitungskurs auch eine großartige Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen. Ich bin sehr dankbar hier zu sein – das ist echt cool."

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