Warten auf Flüchtlinge aus der Ukraine am Hauptbahnhof Stuttgart. Die Stuttgarter Hilfsorganisation Wolja wartete am Montagabend vergeblich auf Menschen aus dem Kriegsgebiet. (Foto: SWR)

Mannheimer Bahnhofs-Helferinnen und Helfer

Hilfsbereitschaft für Geflüchtete: Warum sie aktuell größer als 2015 ist

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Solidarität, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft: So werden Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Das finden viele wunderbar - und löst dennoch auch Verwunderung aus. Ein Besuch am Mannheimer Hauptbahnhof.

Neben Wut und Fassungslosigkeit über den Krieg, den Russland in der Ukraine führt, spüren die Geflüchteten eine Welle der Sympathie. Es gibt eine enorm hohe Spendenbereitschaft, und viele Leute erklären sich sogar bereit, Wohnraum zur Verfügung zu stellen oder gar Ukrainerinnen und Ukrainer bei sich in der Wohnung aufzunehmen.

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Unterschiede zwischen Geflüchteten und Geflüchteten?

Gleichzeitig löst die Dimension der Hilfsbereitschaft aber auch Verwunderung aus. Zum Beispiel bei den Mannheimer Bahnhofshelferinnen und -helfern. Die sind - wie in den Jahren 2015 und 2016 - damit beschäftigt, Spendenkartons zu sortieren und Menschen auf der Flucht weiterzuhelfen. Dabei nehmen sie allerdings wahr, dass Unterschiede gemacht werden zwischen Geflüchteten und Geflüchteten. Und das macht einige von ihnen nachdenklich. 

Bei der Flüchtlingskrise 2015/2016 habe es zwar auch eine riesengroße Hilfsbereitschaft gegeben. Die jetzt sei aber drei oder vier mal so groß, sagt Natice Orhan-Daibel, eine der Gründerinnen der Mannheimer Bahnhofshelfer: Stapelweise Sachspenden, Geldspenden, Wohnungsangebote.

Flüchtlinge aus der Ukraine stehen vor Bussen in Elchingen. (Foto: SWR, Timo Staudacher)
Flüchtlinge aus der Ukraine stehen vor Bussen in Elchingen. Timo Staudacher

Natürlich freuen sich hier alle darüber, dass die Menschen hierzulande nicht gleichgültig sind und in irgendeiner Weise mithelfen wollen, das Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer zu lindern. Aber:

"So müsste es bei allen Menschen sein, die vor Krieg fliehen. Also dass die Grenzen sofort geöffnet werden."

Ist es aber nicht, meint sie. In Syrien und Afghanistan etwa sei immer noch Krieg, in den Camps an den europäischen Außengrenzen lebten immer noch Menschen im Elend – was ist mit denen, fragt sie. Und die meisten der in Mannheim Engagierten sehen das ähnlich.

"Es gibt eine ganz große Solidarität. Aber der große Unterschied zu damals ist, dass an vielen Grenzen Menschen aus Europa durchgelassen werden und People of Colour, die aus anderen Konflikten fliehen, nicht durchgelassen werden. Es wird ein Unterschied gemacht."

Dabei geht es hier in der Sortierstation der Ukraine-Spenden niemandem darum, irgendjemanden zu verurteilen. Im Gegenteil: Alle versuchen, zu verstehen, was heute anders ist.

"Ich denke, dass der Eindruck besteht, dass man zur ukrainischen Bevölkerung vielleicht einen engeren Bezug hat. Einen kulturellen und der vermutete gemeinsame religiöse Background."

Die Ukrainer, die direkt vom Krieg betroffen seien, müsse man eben beschützen, und die anderen, das seien halt die Wirtschaftsflüchtlinge - so erklären sich die Helferinnen die Stimmung.

Ukrainische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Lambsheim (Foto: SWR)
Eine aus der Ukraine geflüchtete Familie wird in Lambsheim in Empfang genommen

Andere Menschen in Not nicht aus dem Blick verlieren

Dennoch ist den Mannheimer Bahnhofshelferinnen und Bahnhofshelfern, die schon seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, wichtig, dass die Frage, warum ein Unterschied gemacht wird, nicht aus dem Blick gerät.

"Ich helfe den geflüchteten Menschen aus der Ukraine nicht weniger gern. Aber ich finde es ganz wichtig, dass alle Menschen im Blick behalten werden. "

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