Verkehrsschild mit der Aufschrift "Willkommen in THE LÄND". (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa, Stefan Puchner)

Bürgermeister telefonierte mit Regierungssprecher

Ärger um "The Länd"-Schild in Neckargemünd

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Frank Volk, Bürgermeister von Neckargemünd, war genervt von einem Schild am Ortseingang ("The Länd"), mit dem die Landesregierung um Fachkräfte wirbt. Mittlerweile haben sich die Wogen etwas geglättet.

Am Donnerstag sagte Volk dem SWR, er habe mit dem Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung persönlich telefoniert. Es sei "eine gute Unterhaltung" gewesen, man habe sich über die Imagekampagne ausgetauscht. Es herrsche "Friede zwischen der Stadt Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis) und dem Land Baden-Württemberg", so Volk.

Erste Reaktion des Staatsministeriums Baden-Württemberg

Auf Kritik von kommunaler Seite an dem nicht abgesprochenen Anbringen von Plakaten hatte es zuvor aus dem Staatsministerium kurz und knapp geheißen: "Die Schilder können ja wieder abgehängt werden - wir sehen aber keine Gefahr."

Zuerst hatte Rathauschef Frank Volk (Freie Wähler) das "The Länd"-Schild am Ortseingang des Nachbarorts Neckarsteinach (Kreis Bergstraße) entdeckt und veröffentlichte dazu seinen Ärger auf Facebook:

The „Länd“ -
nichts gelernt.

Am Montag hing plötzlich am Ortseingangsschild von Neckarsteinach kommend dieses Plakat....Posted by Bürgermeister Frank Volk on Thursday, October 28, 2021

Nachdem das Land ein weiteres "The Länd"-Schild am Ortseingang des Neckargemünder Stadtteils Kleingemünd aufgehängt hatte, platzte Volk der Kragen. Er ließ das Schild abhängen und leitete ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren gegen das zuständige Staatsministerium Baden-Württemberg ein.

Frau aus Neckargemünd zu "The Länd"-Kampagne: "Also ich finds Quatsch!"

Mehrere Menschen in Neckargemünd, mit denen der SWR gesprochen hat, können mit der Landeskampagne "The Länd" - so wie ihr Bürgermeister - nicht allzu viel anfangen:

Dem SWR gab Frank Volk am Dienstag ein Interview:

SWR Aktuell: Sie haben sich sehr über dieses "The Länd"-Schild aufgeregt - warum?

Frank Volk, Bürgermeister von Neckargemünd: Zunächst einmal der Aspekt, dass wir vor Jahren festgestellt haben, dass bei uns unheimlich viel wild plakatiert wird, und wir hier dementsprechend gegen Wildplakatierung vorgehen. Das ist sehr erfolgreich. Das haben wir alles eingedämmt. Und jetzt hängt plötzlich ein Plakat am Ortseingang, wo es nicht hängen darf und natürlich noch dazu ohne Genehmigung. Die hätte es für dieses Plakat an dieser Stelle natürlich auch gar nicht gegeben. Daraufhin gab es natürlich auch direkt am Tag nach der Veröffentlichung eines Artikels dazu in der Regionalzeitung Nachfragen von Unternehmen, Vereinen und Organisationen, die gesagt haben: "Warum darf das Land ohne Genehmigung unter einem Straßenschild plakatieren, und wir dürfen das nicht?"

Neckargemünder Bürgermeister ließ "The Länd"-Schild abhängen

SWR Aktuell: Was haben Sie mit diesem Schild, beziehungsweise mit diesem Plakat gemacht?

Frank Volk: Wir haben dieses Plakat natürlich sofort abgehängt und es erst einmal sichergestellt. Jetzt werden wir mal schauen, wie wir weiter vorgehen.

Rathauschef Volk: Bußgeld- oder Ordnungswidrigkeits-Bescheid

SWR Aktuell: Sie haben auf Ihrer Facebook-Seite geschrieben, dass Sie über ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen das Land, konkret gegen das Staatsministerium, nachdenken. Was würde das bedeuten?

Frank Volk: Das bedeutet, dass zunächst einmal ein Bußgeld- oder Ordnungswidrigkeits-Bescheid an das Land Baden-Württemberg, an das Staatsministerium geht. Natürlich behandeln wir das Land auch bei den Kosten für das Abhängen des Schildes genau so, wie wir jeden anderen auch behandeln, der hier unrechtmäßig Plakate aufhängt.

SWR Aktuell: Ihr Ärger hat sich jetzt erst einmal gegen dieses Plakat gerichtet, das da plötzlich hing. Haben Sie denn auch etwas gegen die Landes-Kampagne an sich?

Frank Volk: Grundsätzlich finde ich eine Kampagne zum Anwerben von Fachkräften natürlich sehr sinnvoll. Wobei man sich auch fragen kann, ob man nicht erst mal die Potenziale entdeckt, die ja schon da sind. Zum Beispiel sind wir hier in Neckargemünd sehr erfolgreich mit der Integration von Flüchtlingen und konnten da viele schon in Arbeitsverhältnisse bringen. Also ich denke, vielleicht sollte man erst einmal schauen, wie weit man damit kommt. Aber grundsätzlich hat auch der Titel - "The Länd" - auch bei der Bevölkerung hier schon für etwas Stirnrunzeln gesorgt, um es mal vorsichtig zu sagen.

Werbung, die "teilweise eher abschreckt"

SWR Aktuell: Viele finden es furchtbar, andere finden es gut. Alle sprechen auf jeden Fall jetzt darüber. Da würden Werbeexperten wahrscheinlich sagen: "Wir haben alles richtig gemacht"...

Frank Volk: Natürlich, das ist im Grunde für die Werbekampagne ein Erfolg. Das ist klar. Man spricht darüber. Nur: "Darüber Sprechen" bedeutet natürlich auch nicht, dass man unbedingt die Botschaft, die dahinter steckt, eben auch positiv besetzt hält. Ich denke an so manche Werbung in den Medien, die teilweise eher abschreckt. Ähnlich, denke ich, wird es hier sein. "The Länd" ist zumindest für Teile Baden-Württembergs sicherlich schwer nachzuvollziehen, auch wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass natürlich der Bereich Schwaben vom "Ländle" nun zu "The Länd" ja immerhin mal keine Verniedlichung mehr hat.

"The Länd" laut Volk "Verballhornung der Sprache"

SWR Aktuell: Also hätten Sie es lieber "The Baden" genannt?

Frank Volk: Es müsste eine Botschaft sein, die auch zu Baden-Württemberg passt. Also, ich denke, "The Länd" ist schlicht und ergreifend ein Begriff, der vielleicht Baden-Württemberg nicht so charakteristisch darstellt - abgesehen davon, dass es eine Verballhornung der Sprache ist.

Auch in Wertheim ließ Stadtverwaltung Schild abhängen

Auch in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) hat die Stadtverwaltung ein "The Länd"-Schild am Ortseingang abmontiert. Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez (SPD) schrieb am Freitag auf Facebook, dass "so eine Werbung ohne Sondergenehmigung nicht zulässig" sei. Deswegen habe man das Schild abgehängt. Dass es sich um eine Aktion des Landes handelte, sei erst Tage später klar geworden, ergänzte Rathaussprecherin Angela Steffan gegenüber den Fränkischen Nachrichten.

Stuttgart

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SWR