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Manche Berufsgruppen trifft die Corona-Pandemie besonders hart. Dazu gehören auch die Taxifahrer. Seit Beginn der Krise nehmen immer weniger Leute ein Taxi. Das macht den vielen Mannheimer Taxifahrern zu schaffen.

Seit fünf Stunden steht Sabit am Mannheimer Hauptbahnhof und wartet zusammen mit seinen Kollegen auf Kundschaft. Seit 20 Jahren arbeitet der 52-Jährige als Fahrer für ein Taxiunternehmen. Aber so eine Situation wie in der Corona-Krise hat er in all den Jahren noch nie erlebt.

Warten auf lukrative Fahrten

"Normalerweise fahren wir im Durchschnitt ein bis zwei Touren pro Stunde", erzählt Sabit, "aber im Moment haben wir alle vier oder fünf Stunden eine Tour. Das bedeutet für uns, dass wir im Moment weniger verdienen als bei einem Ein-Euro-Job. Im Moment rentiert es sich eigentlich gar nicht, dass wir am Bahnhof stehen, aber wir hoffen auf lukrative Fahrten."

Bis zum späten Abend warten Taxifahrer vor dem Mannheimer Hauptbahnhof auf Kundschaft (Foto: SWR)
Bis zum späten Abend warten Taxifahrer vor dem Mannheimer Hauptbahnhof auf Kundschaft

Taxi wird desinfiziert

Die Fahrten sollen sich aber nicht nur lohnen, sie sollen natürlich auch Corona-frei sein. Aber genau das ist das Problem, sagt Sabit, denn in einem Auto kann man weder sich noch die Kunden wirklich vor dem Virus schützen. Zwar reinige er den Innenraum mit Desinfektionstüchern und versuche, das Gepäck nicht anzufassen. In einem Taxi auf Abstand zu gehen sei aber praktisch unmöglich.

Taxis gehören zum ÖPNV

Da Taxis Bestandteil des Öffentlichen Nahverkehrs sind, müssen sie den Betrieb für die so genannte "öffentliche Daseins-Vorsorge" aufrechterhalten. Deswegen hat die Taxizentrale Heidelberg jetzt Maßnahmen ergriffen. "Wir haben bei der Stadt beantragt, dass eine bestimmte Zahl von Taxen täglich aus dem Betrieb rausgenommen wird", erklärt Geschäftsführer Michael Käfflein. Außerdem habe sich die Taxizentrale inzwischen dazu durchgerungen, die monatliche Umlage, die die Taxibetriebe zahlen müssen, für die nächsten drei Monate zu stunden.

Existenz steht auf dem Spiel

Besonders hart trifft die Corona-Krise diejenigen Taxifahrer, die ihr eigenes Fahrzeug fahren. So wie Reza Ramezanis. Seine Existenz steht im Moment auf dem Spiel. "Diesen Monat", sagt er, "können wir das Geschäft vielleicht noch retten. Aber im nächsten Monat werden wir es nicht mehr aufrecht erhalten können. Finanziell sind wir dann leider ruiniert." Mittlerweile steht Rezas Taxi übrigens still - zum ersten Mal seit 25 Jahren. Nach einer Tour gestand ihm ein Fahrgast, dass er möglicherweise mit dem Corona-Virus infiziert sei. "Für mich war das die letzte Fahrt", sagt er, "das Risiko ist mir einfach zu groß."

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