Ein Storch baut an einem Nest, ein Vogel trägt einen Zweig dazu bei. Gemeinsam geht's schneller - ein Storch und eine Taube scheinen in Riedlingen (Kreis Biberach) gemeinsam an einem Nest zu bauen.

Gummibänder statt Würmer

Mannheimer Störche bringen immer mehr Plastik in die Nester

Stand
Autor/in
Janine Putzek

In den Storchennestern in Mannheim ist immer mehr Plastikmüll zu finden. Teilweise verhungern Jungtiere sogar mit Mägen voller Plastikkleinteile.

Viele Störche in Mannheim verwechseln bei ihrer Nahrungssuche immer häufiger Plastik mit Futter, sagt die Biologin Ursula Jünger, die im Mannheimer Luisenpark in der Grünen Schule arbeitet. Die Vögel wissen nicht, dass es so etwas wie Gummibänder oder Silikonteile gibt. Solcher Müll liegt zum Beispiel auf den Feldern. Das Problem verschärft sich immer mehr, da Plastik nicht verrottet, mit jedem Jahr wächst der Berg an Müll. Die problematischen Folgen spielen sich direkt vor unseren Augen ab: Tiere, wie der markante Weißstorch, leiden und sterben. 

"Dann haben wir zum Beispiel das Silikonteil, wenn der Storch da mit seinem Schnabel dranpickt, zappelt das genauso wie ein Wurm."

Jungstörche verhungern mit vollem Magen

Für die Jungtiere sind diese ganzen Plastik- und Silikonteile lebensbedrohlich. Denn alles, was die Eltern für Nahrung halten, würgen sie dem Nachwuchs ins Nest. Die Jungtiere fressen, was sie im Nest finden. So kommen die vielen Plastikkleinteile in ihren Magen. Jungstörche sind allerdings noch nicht in der Lage Gewölle zu bilden und ihren Mageninhalt wieder hochzuwürgen. Die Folge ist der Tod.

"Da geht nichts mehr rein, da geht nichts mehr raus. Und die Jungtiere verhungern dann praktisch bei vollem Magen.

Gewölle unterhalb der Storchennester voller Plastik und Gummi

Störche schlucken ihre Nahrung im Ganzen herunter. Sie fressen Insekten, Kleinnager und Reptilien. Was nicht verdaulich ist, wie Fell und Knochen, können die erwachsenen Tiere in Form von Gewöllen wieder auswürgen. Biologin Ursula Jünger hat im Mannheimer Luisenpark in der Nähe der Grünen Schule zahlreiche Gewölle unterhalb der Storchennester am Boden gefunden und analysiert. Die erschreckende Erkenntnis: Statt Haar und Knochen bestehen die Gewölle aus Unmengen von Gummi, Silikon und Plastik. Sie entdeckte Dichtungsringe, Haargummis, Silikonbänder und sogar größere Teile von einer Waschmaschinenabdichtung. Allein bei nur einer Storchenkolonie fand sie vier Kilogramm an Müll.

Plastik und Störche
Unter den Storchennestern befindet sich statt natürlichen Gewöllen dieser Abfall.

Massenhaft auffällige Silikonteile entdeckt

Unterhalb der Storchennester entdeckte Biologin Ursula Jünger auch massenhaft spezielle Silikonteile, die eine ganz spezifische Form haben. Woher die Störche sie haben, ist ein Rätsel. Denn Störche suchen ihr Futter in einem Radius von zehn bis 20 Kilometern, sagt Ursula Jünger. Trotz mehrfacher Aufrufe in den Medien und bildabgleichender Suchen bleibt unklar, woher die Silikonteile stammen und wofür sie verwendet werden. Hinweise, worum es sich bei diesen Silikonteilen handelt, nehmen die Grüne Schule oder die Surfrider Baden-Pfalz entgegen.

Storchennachwuchs kann erfrieren oder sich strangulieren

Ein weiteres Problem: Zum Nestbau nutzen die Störche alles, was sie für bequem halten. Nicht selten landen Kordeln, Planen und Folien im Nest. Regnet es, sammelt sich wegen des undurchlässigen Plastiks Wasser im Nest. Die Jungtiere kühlen aus, was schlimmstenfalls ein Todesurteil sein kann. In den Kordeln können sich die Jungvögel verheddern und im Zweifel selbst strangulieren.

Aktion soll Mannheimer für Müll in Natur sensibilisieren

Die Surfrider Baden-Pfalz hatten deshalb in Mannheim eine Aktion gestartet, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie haben 17 Störche aus Holz gebastelt. Diese wurden in den 17 Mannheimer Stadtteilen an prominenten Plätzen aufgestellt. Statt eines Babys trugen diese Störche eine Tüte mit Plastikmüll im Schnabel.

17 Störche aus Holz mit Plastiktüten
17 Aktionsstörche aus Holz mit Plastiktüte im Schnabel

"Mittlerweile ist fast jedes freilebende Tier von dem Plastikmüll betroffen und kommt zu Schaden. Die Leute sind teilweise sehr rücksichtslos, was den Umgang mit der Natur angeht und das muss auf jeden Fall geändert werden."

Uwe Franken verrät, dass bereits weitere Aktionen mit den selbstkreierten Störchen geplant sind.

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