Kerzen am Gedenkort in Wiesloch nach der Messerattacke

Oberbürgermeister: Sicherheit der Bürger hat "oberste Priorität"

Nach Messerattacke in Wiesloch: Bessere Abstimmung zwischen PZN, Polizei und Stadt

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Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim
Sarah Hennings
Sarah Hennings, SWR-Regionalstudio Mannheim

Nach der tödlichen Messerattacke in Wiesloch im September zieht das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) mit Polizei und Stadt Konsequenzen. Was das konkret heißt, bleibt unklar.

Nach der tödlichen Messerattacke auf eine Frau in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) im September 2023 haben das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN), die Stadt und die Polizei verabredet, sich besser miteinander abzustimmen. Dazu veröffentlichte die Stadt Wiesloch am Freitag eine Pressemitteilung. Was unter einer "besseren Abstimmung" genau zu verstehen ist, bleibt aber ziemlich unklar. Eine Sprecherin des PZN teilte auf Anfrage mit, man habe "die Abläufe intern und mit der Polizei abgestimmt und weiter geschärft". Darüber hinaus könne sie keine weiteren Auskünfte geben, die Maßnahmen seien "Bestandteil des Sicherheitskonzeptes".

Tödliche Messerattacke in Wiesloch im Herbst 2023

Im September vergangenen Jahres soll ein psychisch kranker Mann eine 30-jährige Frau in einem Geschäft in der Wieslocher Innenstadt mit einem Küchenmesser erstochen haben. Der Prozess gegen den Mann beginnt am 27. Februar vor dem Heidelberger Landgericht.

Stadt Wiesloch: Intensive Gespräche über Sicherheit

Wie die Stadt Wiesloch am Freitag mitteilte, habe es "intensive" Gespräche über Verbesserungen im Sicherheitskonzept gegeben. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Polizei und PZN sei optimiert worden, um besser und schneller reagieren zu können, wenn zum Beispiel Patienten des PZN weglaufen sollten.

Polizei: "Keine großen Veränderungen"

Die Polizei teilte dem SWR auf Nachfrage mit, im Vergleich zur Zeit vor der tödlichen Messerattacke gebe es bei der Polizei in Bezug auf das PZN keine großen Veränderungen. Man sei, so ein Sprecher, bei Alarmierungen wie bisher auch schon auf die Einschätzungen der Experten des PZN angewiesen, was das Gefahrenpotenzial der Patienten angehe.

Psychiatrisches Zentrum Nordbaden
Die Eingangspforte des PZN in Wiesloch

PZN Wiesloch: Beschäftigte mit Notruftelefonen und Handys ausgestattet

Das PZN Wiesloch teilte dem SWR mit, sowohl vor dem Vorfall als auch danach seien die PZN-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Notruftelefonen ausgerüstet gewesen. Diese Geräte seien mit einer "Personennotruffunktion" ausgestattet. Das bedeutet: "Das Gerät löst auf Knopfdruck einen Signalton aus, der andere Kolleginnen und Kollegen im nahen Umfeld zur Unterstützung herbeiruft." Diese Telefone gebe es auch im Krankenhausbereich des PZN.

Zusätzlich, so die Sprecherin, trügen die Beschäftigten außerhalb von Stationen "ein Mobilfunkgerät bei sich, um die Reichweitenabdeckung zu erhöhen. Der Bestand wurde erhöht."

Notrufgeräte für PZN-Mitarbeiter: Hilfe bei Gefahr

Der Wieslocher Rathauschef Dirk Elkemann (parteilos) teilte dem SWR mit, es gehe vor allem darum, dass alle Mitarbeitenden der forensisch-psychiatrischen Klinik des PZN Notrufgeräte bei sich trügen. Gefahrensituationen sollen so im Idealfall noch auf dem Gelände des PZN entschärft werden, so Elkemann.

Die bestmögliche Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger hat für uns oberste Priorität und wir werden weiterhin alles tun, um solche tragischen Vorfälle künftig zu vermeiden.

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PZN Wiesloch: Ausreichend Personal je nach Bedarf

Außerdem arbeitet das PZN nach Angaben der Stadt daran, dass je nach Bedarf weiterhin ausreichend Personal verfügbar ist. Aktuell gebe es genügend Mitarbeitende. Diese müssten aber in der Klinik richtig auf die Stationen verteilt werden. Der Personalschlüssel müsse gerade in der forensisch-psychiatrischen Klinik eingehalten werden, so Elkemann. Das PZN ließ am Freitag die Frage unbeantwortet, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der forensisch-psychiatrischen Klinik aktuell im Einsatz sind.

Damit Bürgerinnen und Bürger auch künftig in einer Gefahrensituation gewarnt werden, soll es auch weiterhin einen SMS-Bürgerinformationsservice geben.

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