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Nachdem der Mannheimer Sänger Xavier Naidoo mit einem neuen Video für Aufsehen gesorgt hat, in dem unter anderem zur Bewaffnung und zur Auflehnung gegen die Corona-Maßnahmen aufgerufen wird, werden die Stimmen gegen ein geplantes Konzert in der SAP Arena lauter.

Die Stadt Mannheim will den Auftritt am 9. Oktober in der SAP Arena verhindern. Damit reagieren die Behörden auch auf das Video, das Naidoo zusammen mit einer Reihe von Rappern veröffentlicht hatte.

Im neuen Musikvideo von Xavier Naidoo und einer Reihe verschwörungsideologischer Rapper wird zum bewaffneten Kampf aufgerufen und ein Terroranschlag auf ein Bremer Impfzentrum inszeniert. Das Video zeigt eine gefährliche Radikalisierung der Szene. https://t.co/NtPQ3BVxax @RND_de https://t.co/CvjzS4muuT

"Ich mach da nicht mit" heißt der Titel des Songs, in dem Naidoo Schutzimpfungen kritisiert und den Impfstoff als "euer Gift" bezeichnet. Auf der Plattform Youtube ist das Video nicht mehr zu finden, Ausschnitte und Screenshots werden aber auf diversen Social-Media-Plattformen geteilt.

Stadt bittet Arena-Betreiber um Prüfung

Die Stadt Mannheim rät den Betreibern der SAP Arena zu einer Prüfung, ob sie Xavier Naidoo am 9. Oktober die Bühne für ein Livekonzert bieten wollen.

"Das geplante Konzert in der SAP Arena ist nicht im Sinne der Stadt."

Eine ordnungsrechtliche Handhabe gegen das für den 9. Oktober in der SAP Arena geplante Konzert mit Xavier Naidoo gebe es nicht. Die SAP Arena solle aber prüfen, "ob sie einem Künstler, der immer weiter ins Abseits driftet und nun mit Antisemiten und Rechtsextremisten Musik macht, eine Bühne bieten will, die er erwartbar nicht nur musikalisch nutzen wird.“

Über 33.000 Unterschriften gesammelt Protest gegen Naidoo-Konzert in Mannheim

Protest gegen das geplante Konzert des umstrittenen Mannheimer Popsängers Xavier Naidoo in der SAP-Arena: Mehr als 33.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die eine Absage fordert.  mehr...

Absage durch Veranstalter möglich?

Der Betreiber der SAP Arena, Daniel Hopp, erklärte auf Anfrage des SWR, dass man nicht Konzert-Veranstalter, sondern lediglich Vermieter der Halle sei. Eine Absage könne nur durch den Veranstalter "DeMi Promotion" aus Hirschberg (Rhein-Neckar-Kreis) erfolgen.

Daniel Hopp (Foto: SWR)
Daniel Hopp, Betreiber der SAP Arena

Recht der freien Meinungsäußerung?

Laut des Geschäftsführers von "DeMi Promotion" Dennis Gissel sei es für ihn als Veranstalter eine schwierige Situation. Man könne sich nicht damit identifizieren und er habe keine Ahnung, was Xavier Naidoo dazu bewege.

"Trotz allem besteht das Recht der freien Meinungsäußerung nach wie vor in Deutschland. Ob uns das allen passt oder nicht."

Er und seine Mitarbeiter würden oft gefragt, warum man das Konzert nicht einfach absage, so der Veranstalter. So einfach sei es aber nicht. Momentan gebe es noch vertragliche Verpflichtungen aus dem Jahr 2020. Laut Gissel bedürfte es eines politischen Beschlusses der Stadt Mannheim und das hielte er für sehr sehr schwierig.

5.000 Karten bereits verkauft

Grob geschätzt sind laut Veranstalter bislang etwa 5.000 Eintrittskarten für das Konzert am 9. Oktober verkauft worden. Es war im vergangenen Jahr von der Ladenburger Neckarwiese in die SAP Arena verlegt worden. In Ladenburg hatte sich Widerstand gegen den Auftritt von Xavier Naidoo geregt.

Auch die Grünen im Mannheimer Gemeinderat äußerten sich kritisch zu dem möglichen Naidoo-Konzert. Der fraktionspolitische Sprecher gegen Rechtsextremismus, Gerhard Fontagnier, sagte, es gehe nicht mehr um Kunstfreiheit, es gehe auch nicht mehr um Meinungsfreiheit.

"Wer die Demokratie derart frontal und grundsätzlich angreift (...), dem muss klar sein, dass er mit Einrichtungen und Strukturen der Demokratie nichts mehr zu schaffen hat. Die Demokratie muss sich wehrhaft zeigen."

Kunstfreiheit vs. Sicherheit

Die Betriebsgesellschaft der SAP Arena hat eine vertragliche Verpflichtung, die Arena diskriminierungsfrei anzubieten. Es gilt die Kunstfreiheit.

Wenn das Konzert am 9. Oktober aber wie geplant stattfindet, stellt sich auch die Frage, wer für Sicherheitsmaßnahmen garantiert. Denn der Veranstalter ist nur für den Innenraum der Halle zuständig. Für den Außenbereich müsste das noch geklärt werden.

Widerstand gegen Naidoo-Konzert auch an anderen Orten

Auch an anderen Orten sind Konzerte mit Xavier Naidoo umstritten. Die bayerische Stadt Hof hatte im vergangenen Jahr ein Konzert von Naidoo aus politischen Gründen abgesagt. Der Konzertveranstalter akzeptierte damals diese Entscheidung.

Der Oberbürgermeister von Mönchengladbach hatte sich ebenfalls gegen einen Naidoo-Auftritt ausgesprochen. Das Konzert ist vom 4. Juni auf nächstes Jahr verschoben worden.

In Rostock hat eine Ratsmehrheit ein für August geplantes Konzert mit Xavier Naidoo abgesagt. Die Stadtverwaltung hat aber rechtliche Bedenken gegen diese Entscheidung. Denn für den Veranstaltungsort, die Stadthalle Rostock, gilt der Gleichheitsgrundsatz. Künstler dürfen nicht ausgeschlossen werden, weil dessen deren religiöse oder politische Ansichten nicht geteilt werden.

Stellungnahme der "Söhne Mannheims"

Die "Söhne Mannheims", Naidoos ehemalige Band, haben am 28. Mai ihre neue Single "Eine Million Lieder" veröffentlicht. In einer Stellungnahme schreiben sie:

"Die Söhne Mannheims werden oft gefragt, wie sie heute zu Xavier Naidoo stehen. Dieser hat sich bereits 2017 bewusst dazu entschieden, sich ausschließlich auf seine Solo-Projekte zu fokussieren. Seitdem singt und spricht Xavier Naidoo in seinem eigenen Namen."

"Söhne"-Leadsänger Karim Amun kam erst in die Band, als Naidoo schon nicht mehr Mitglied war. Man wolle nach vorne sehen und nicht in die Vergangenheit, sagt er.

Anmerkung der Redaktion:

In einer früheren Version des Artikels hieß es, die "Söhne Mannheims distanzieren sich von Xavier Naidoo". Dieser Formulierung im Zusammenhang mit dem neuen Video Naidoos hat die Band widersprochen. Wir haben die Formulierung gestrichen.

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