Branche am Abgrund

Heidelberger Souvenirläden in der Krise

STAND

Eigentlich ist Heidelberg eine Touristen-Hochburg, aber seit Corona sind die Besucherzahlen massiv gesunken. Die Souvenirläden bringt das an den Rand des Ruins.

Video herunterladen (12,8 MB | MP4)

Kühlschrank-Magnete, kitschige Postkarten und das Heidelberger Schloss als Plastik-Nachbildung: In Souvenir-Shops gibt es lauter Dinge, die man eigentlich nicht braucht, aber Touristen werden magisch davon angezogen – in der Hoffnung, die schönen Erinnerungen an den Urlaub irgendwie konservieren zu können. Aber seit Corona ist alles anders.

Besucherrückgang um 80 Prozent

Wo sich früher internationale Touristen drängelten, herrscht jetzt gähnende Leere. Nach Schätzungen von Heidelberg Marketing kamen zwischen Januar und Oktober vergangenen Jahres rund 80 Prozent Besucher weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019. Für Selia Esen, die im Souvenirgeschäft ihres Vaters direkt an der Alten Brücke arbeitet, ist das ein riesengroßes Problem.  

"Es ist weniger geworden, die asiatischen Touristen sind weg. Normalerweise wäre jetzt die Altstadt voller Reisegruppen, aber jetzt ist kaum jemand da."

Umsatzeinbußen von bis zu 95 Prozent

Auch Anna-Lena Becker hat die Pandemie hart getroffen. In ihrem Andenkenladen an der Heiliggeistkirche hat sie in den vergangenen zwei Jahren nach eigenen Angaben Umsatzeinbußen von bis zu 95 Prozent verzeichnet. Anfangs hat sie sich noch mit selbst genähten Masken über die Runden gebracht. Mittlerweile bietet sie Bierkrüge und Schneekugeln über einen Online-Shop an.

Untere Straße ohne Besucher (Foto: SWR)
In der Heidelberger Altsadt fehlen seit Pandemiebeginn die Besucher

Rücklagen aufgebraucht

Ihren Mitarbeiter musste die 38-Jährige in Kurzarbeit schicken. Durchboxen kann sie sich nur mit Hilfe ihrer Familie – und mit staatlicher Unterstützung – aber die, sagt sie, ist viel zu gering.

"Ich will niemandem an den Karren fahren, aber Hotellerie und Gastro bekommen viele Hilfsleistungen. Wir dagegen müssen um jeden Euro kämpfen, weil wir als Einzelhandel gelten. Uns fehlen aber die Kunden, Einheimische kaufen nicht bei uns ein."

Ihre privaten Rücklagen, erzählt sie, sind nach zwei Jahren Pandemie aufgebraucht. Wie es weiter gehen soll, weiß sie nicht.

Mehr zum Thema

Ludwigshafen

Tourismus 2.0 Mehr Touristen nach Ludwigshafen - Traum und Realität

Ludwigshafen hat informiert, wie sie mit Fördergeldern des Landes den Tourismus nach vorne bringen will. Wie könnte so etwas aussehen? Eine (nicht ganz ernst gemeinte) Analyse:  mehr...

Bad Dürkheim

Lockdown durch die Hintertür? Wegen 2G-Plus? Hotels klagen über Stornierungswelle in der Pfalz

Viele Hotels in der Vorder-und Südpfalz klagen, dass viele Touristen ihre Reisen über Weihnachten und Silvester wegen Corona stornieren. Die 2G-Plus-Regel sei ein "Lockdown durch die Hintertür", sagt eine Hotelchefin aus Bad Dürkheim.  mehr...

Jetzt die SWR Aktuell App runterladen Nachrichten aus Mannheim, Heidelberg oder dem Odenwald aufs Handy

Die SWR Aktuell App bringt Ihnen kurz und knapp alles Wichtige auf Ihr Smartphone. Sie bekommen jetzt auch gezielt Nachrichten aus Mannheim, Heidelberg und dem gesamten Umkreis. So funktioniert's:  mehr...

STAND
AUTOR/IN