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Heidelberg gilt als eines der Top-Touristenziele in Deutschland: Vor Corona empfingen die Heidelberger Hoteliers mehr als anderthalb Millionen Gäste. Trotzdem könnte es für manche Hotels perspektivisch schwierig werden - auch ohne Pandemie.

Die geplante Erweiterung des Heidelberger Marriott-Hotels hat in den vergangenen Tagen für viel Gesprächsstoff gesorgt. Umweltschützer hatten das Projekt schon länger kritisiert – und jetzt stellt sich auch Oberbürgermeister Eckart Würzner dagegen und erklärte, man dürfe den Hotelmarkt in der Stadt nicht überstrapazieren.

Auslastung bis zu 90 Prozent

Eigentlich sind die Voraussetzungen für Hotels in Heidelberg sehr günstig: Die Stadt gehört laut Untersuchungen der Deutschen Zentrale für Tourismus zu den meistbesuchten Städten in Deutschland und verzeichnete vor der Pandemie stetig steigende Übernachtungszahlen. Im Jahr 2019 zählte man 1,6 Millionen Übernachtungsgäste. Die Auslastungsquoten der Hotels lagen zwischen 80 und 90 Prozent. Kein Wunder, dass Heidelberg bei Investoren als Premiumstandort gilt, wenn es um Hotelneubauten geht. Dort lassen sich nach wie vor hohe Renditen erzielen, und die Niedrigzinsphase bei Krediten trägt ebenfalls dazu bei.

 Teilweise hausgemachte Probleme

Trotz allem müssen auch in Heidelberg immer wieder Hotels schließen. Nach Angaben von Matthias Schiemer von Heidelberg Marketing liegt das manchmal an Management-Entscheidungen. Wenn nicht rechtzeitig modernisiert oder insgesamt schlecht gewirtschaftet werde, könne eine Krise wie jetzt fatale Folgen haben.

Immer mehr Billig-Hotels

Schiemer geht aber davon aus, dass vor allem kleinere und mittlere familiengeführte Pensionen oder Hotels langfristig Probleme bekommen werden. Grund dafür ist, dass vermehrt günstige Hotel-Ketten mit einfacher Ausstattung und ohne Bewirtung auf den Markt drängen. Für alteingesessene Unternehmen könne das trotz hoher Besucherzahlen kritisch werden – vor allem dann, wenn sie nicht direkt in der Altstadt liegen. Eine von der Stadt Heidelberg in Auftrag gegebene Studie hat allerdings herausgefunden, dass gerade die Mischung zwischen Traditions-Hotels und den großen Ketten für die Touristen besonders attraktiv ist.

Bislang verhältnismäßig gute Zahlen

Insgesamt kommen die Heidelberger Hotels  laut Matthias Schiemer vergleichsweise gut durch die Pandemie. Im vergangenen Jahr kamen trotz Corona immerhin noch 860.000 Übernachtungsgäste nach Heidelberg. Und weil die Stadt ein wichtiger Wissenschaftsstandort ist, kommen auch nach wie vor viele Geschäftsreisende in die Hotels – denn das ist auch in Pandemiezeiten möglich.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Für die Zeit nach Corona rechnet er mit einer guten Entwicklung. Es zeichne sich bereits jetzt ab, dass Heidelberg für Investoren ein interessanter Standort bleiben werde – zum Beispiel im Hinblick auf das neue Kongresszentrum. Ungezügelt dürfe die Entwicklung aber nicht laufen, sonst setze eine Übersättigung ein – und irgendwann würde auch die Akzeptanz in der Bevölkerung für Hotelbauten sinken.

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