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Im Prozess gegen den früheren Geschäftsführer des Uniklinikums Mannheim hat vor Gericht ein Hygienefachmann ein schlechtes Urteil ausgestellt. Die Hälfte des von ihm untersuchten OP-Bestecks war demnach mangelhaft.

Der Prozess um den Hygieneskandal geht langsam auf die Zielgerade. Am Dienstag haben zwei Zeugen ausgesagt - einer von ihnen ist Facharzt für Hygienemedizin.

Rost und Gewebereste: Mängel waren offensichtlich

Die Einschätzung des Experten war eindeutig. Von rund 40 OP-Instrumenten, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft untersucht wurden, war mehr als die Hälfte mangelhaft. Der 55-Jährige zeigte auch Fotos, auf denen Verfärbungen und Beschädigungen an den sterilisierten Instrumenten leicht zu erkennen waren.

Darunter waren eine angebrochene Schere, eine verrostete Knochenstanze und beschädigte Schrauben, so der Gutachter. Blut oder Gewebereste seien aber nicht festzustellen gewesen. Solches Besteck habe niemals eine Freigabe bekommen dürfen.

Hygieneskandal im Mannheimer Uniklinikum (Foto: SWR)
Hygieneskandal im Mannheimer Uniklinikum

Wurde über Jahre weggeschaut?

Über viele Jahre wurde nach Expertenmeinung OP-Besteck am Mannheimer Uniklinikum unsachgemäß behandelt, bis über die Verschleißgrenze benutzt und bei der Ausgangskontrolle zur nächsten OP nicht zurückgehalten. Ärzte haben immer weiter damit operiert. Dass es dadurch Infektionen gab, ist allerdings nicht erwiesen.

Plädoyers am Donnerstag

Laut Gericht wurde am Uniklinikum immer nur der "Schwarze Peter" hin- und hergeschoben. Am Donnerstag werden die Plädoyers im Prozess gegen den ehemalige Geschäftsführer Alfred Dänzer erwartet. Er ist wegen möglicher Verstöße gegen das Medizinproduktegesetz angeklagt. Die Anklage bezieht sich auf die Jahre 2007 bis 2014.

Ehemaliger Geschäftsführer verantwortlich?

Der heute 72-Jährige soll dafür verantwortlich sein, dass die Operations-Bestecke am Uniklinikum nicht richtig sterilisiert wurden. Nicht ausreichend geschultes Personal, veraltete Geräte für die Sterilisation, Verzicht auf regelmäßige Abnahme der Geräte - so lauten die Vorwürfe.

Mannheim

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Der Hygieneskandal am Uniklinikum Mannheim begann für die Öffentlichkeit im Jahr 2014 mit dem Verdacht, es könne Hygienemängel beim Operationsbesteck geben. Nun beginnt der Prozes. Eine Chronik.  mehr...

Anonyme Anzeige führte zu Durchsuchung

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte im Jahr 2007 bei einer Begehung des Krankenhauses bereits Missstände festgestellt. 2014 gab es dann eine anonyme Anzeige. Das Regierungspräsidium ordnete eine erneute Begehung an. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft Durchsuchungen im Klinikum vor.

Anklage: Menschen durch Untätigkeit gefährdet

Beim Prozessauftakt sagte Oberstaatsanwalt Peter Lintz, dass der Angeklagte durch seine Untätigkeit jahrelang sehr viele Menschen gefährdet habe. Jährlich würden rund 18.000 Eingriffe am Mannheimer Universitätsklinikum vorgenommen. Es handele sich deshalb um einen besonders schweren Fall. Dafür sei ein Strafrahmen von ein bis fünf Jahren vorgesehen, so der Oberstaatsanwalt.

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