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Angesichts der Corona-Beschränkungen hält der Walldorfer Softwarekonzern SAP seine Hauptversammlung für Aktionäre erstmals digital ab. In einer Videobotschaft hat Aufsichtsratschef Plattner die Abberufung Jennifer Morgans aus dem Vorstand verteidigt.

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Der Walldorfer Konzern hatte nicht wie üblich seine Aktionäre in die Mannheimer SAP-Arena eingeladen: Stattdessen wird die Hauptversammlung weltweit in Büros an Computer-Bildschirmen abgehalten. Wegen der Coronakrise und der damit verbundenen Unsicherheit hielt die Konzernleitung das für die beste Lösung. Die Veranstaltung wird live im Internet übertragen.

Abstimmung via Internet

Aktionäre können auch übers Internet über ein Vollmachts- und Weisungssystem abstimmen. Zudem können sie elektronisch ihre Fragen einreichen. Der Konzern schlägt eine Dividende von € 1,58 pro Aktie vor.

SAP virtuelle Hauptversammlung (Foto: Pressestelle, SAP SE / Norbert Steinhauser)
SAP-Gründer Hasso Plattner bei seiner Videoansprache. Pressestelle SAP SE / Norbert Steinhauser

Schwierige Zeiten für den Konzern

Bei der Hauptversammlung war das Ende der Vorstandsdoppelspitze aus Christian Klein und Jennifer Morgan Thema. Nach nur sechs Monaten wurde Jennifer Morgan im April verabschiedet. Klein führt seitdem den Konzern allein.

SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat das Ausscheiden Morgans nach nur wenigen Monaten verteidigt. "Wir haben sie nicht wegen ihres Geschlechts in die Rolle befördert", sagte Plattner in einer Videogrußbotschaft zur Hauptversammlung des Walldorfer Konzerns.

"Da ihr Geschlecht keine Rolle bei der Auswahl spielte, durfte es auch keine Rolle bei ihrem Austritt spielen."

Hasso Plattner, SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef

Das ideale Führungsmodell?

Die Berufung von Morgan an die Vorstandsspitze hatte Schlagzeilen gemacht. Bei der Ernennung nach dem überraschenden Abgang von Ex-Chef Bill McDermott habe er noch gedacht, die Doppelspitze von Morgan mit dem nun allein amtierenden Christian Klein sei das ideale Führungsmodell, sagte der 76-jährige Plattner. "Doch die Diskussionen um die Strategie der SAP sind seit Jahresbeginn langsamer vorangekommen als gedacht", sagte er.

Genug Baustellen vorhanden

Baustellen gab es auch vor Ausbruch der Corona-Krise schon genug: Vor allem muss Christian Klein es schaffen, aus den vielen Zukäufen aus der Ära seines Vorgängers Bill McDermott ein großes Ganzes zu formen und zugleich dessen Profitabilitäts-Versprechen einzulösen.

Hasso Plattner: Rückzug vom Rückzug?

Inzwischen wurde bekannt, dass SAP-Aufsichtsratschef und Mitgründer Hasso Plattner darüber nachdenkt, sein Mandat beim Walldorfer Softwarekonzern zu verlängern. Dem Handelsblatt sagte er, er sei darauf angesprochen worden und sehe eine gewisse Logik darin, in unruhigen Coronazeiten Kontinuität ins Unternehmen zu bringen. Auf ein paar Jahre mehr käme es ihm nicht an. Im vergangenen Jahr hatte sich der 76-Jährige auf der Hauptversammlung zur Wiederwahl gestellt, allerdings nur für drei statt sonst fünf Jahre.

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