Rückepferd im Odenwald im Einsatz (Foto: SWR)

Kaltblut hilft Waldarbeitern in schwierigen Gelände bei Limbach

Rückepferd Mira zieht im Wald die schwersten Stämme

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Es ist eine alte Tradition, die wieder populär wird: Rückepferde, die bei Waldarbeiten helfen. Bei Limbach (Neckar-Odenwald-Kreis) war dieser Tage Stute Mira im Einsatz.

Knapp 900 Kilo ist die junge Dame schwer, die bei Limbach-Wagenschwend Forstarbeitern unter die Arme greift und ihnen Arbeit abnimmt. Es ist Mira, eine Noriker-Stute, ein Kaltblut-Pferd. Im Pferdetransporter wird Mira an das kleine Naturschutzgebiet mitten im Wald gefahren, dann geht es an die Arbeit. In dem etwas versteckt gelegenen Gelände haben die Forstarbeiter Kiefern gefällt, Mira soll die Stämme herausgeziehen.  

Waldarbeit ist Schwerarbeit, auch für ein Pferd.

Ein kurzer Ruck, Mira beugt sich vor, legt sich in die Ketten und zieht los, alle Muskeln des riesigen Körpers angespannt. Sie zieht einen mächtigen Kiefernstamm, es geht um Bäume herum, dann geradeaus über Wurzeln, über Stock und Stein zum Holzlagerplatz.

Die Ohren hat Mira leicht nach hinten gedreht, sie hört konzentriert auf das, was hinter ihr Dietmar Gieser tut und sagt. Pferdebesitzer Gieser aus Schefflenz hat Mira vor zwei Jahren gekauft und sie für die Arbeit im Wald ausgebildet.

"Mira ist besonders bei der Arbeit im Wald hervorragend."

Dietmar Gieser liebt die Arbeit mit dem Rückepferd und hat sofort zugesagt, als ein befreundeter Forstunternehmer ihn um Hilfe bat. In das kleine Naturschutzgebiet bei Wagenschwend können und sollen die schweren Forst-Maschinen nicht hinein, zu empfindlich sind die Böden, zu morastig der Untergrund. Die riesigen gefällten Kiefern also muss Mira aus dem Gelände herausziehen.

"Mira zieht bis zu 400 Kilo, aber diese Pferde sollten nicht ständig so gefordert sein."

Nach einer Weile fängt Mira an zu schwitzen, sichtbar wabert ihr heißer Atem vor der Schnauze. Wenn ein Stamm tatsächlich mal zu lang oder zu schwer ist, wird er kurzerhand halbiert, hinter dem Pferd kreischt dann die Motorsäge, Mira zuckt nicht mal mit der Wimper bei dem Höllenlärm. Ruhe bewahren, mitdenken, das kann sie als gutes Rückepferd, sagt Gieser: "Die müssen schon ein gewisses Nervenkostüm haben, das kann nicht jedes Pferd."

Rückepferd im Odenwald (Foto: SWR)

Rückepferde für den Naturschutz

In den vergangenen Jahrzehnten waren Rückepferde kaum noch im Einsatz, die Forstwirtschaft setzte seit den 60er Jahren überall auf schweres Gerät und große, moderne Maschinen. Im Zuge einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung allerdings werden die tierischen Helfer wieder populär, und selbst im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ist die Förderung des Einsatzes von Rückepferden festgeschrieben.

Limbach

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Auch der zuständige Limbacher Förster Wolfgang Kunzmann ist begeistert von der 900-Kilo-schweren Mitarbeiterin. Nicht nur, dass im Naturschutzgebiet bodenschonend gearbeitet wird, auch die Bäume im Bestand werden nicht beschädigt, wenn Mira die Stämme eng an ihnen vorbei zieht.

Ohne Teamwork geht nichts

"Alles, was wir hier machen, müssen wir zusammen machen!“, sagt Gieser,  Kommunikation und Zusammenarbeit seien das A und O bei der Arbeit mit dem Rückepferd. "Sie kann es nicht alleine machen, und ich schon zweimal nicht!".

Am Ende des Tages hat Mira ein Dutzend riesiger Stämme aus dem Gelände gezogen, außerdem noch ein paar raschelnde, knackende abgesägte Baumkronen ins Unterholz befördert, ein bisschen aufgeräumt im Naturschutzgebiet. Zur Belohnung gibt es ein paar Möhren, die hat Dietmar Gieser immer dabei.

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SWR