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Der Fall hatte im vergangenen Juli für Aufsehen gesorgt: Ein Raser hatte beinahe einen Feuerwehrmann umgefahren. Um ihn zu stoppen, schoss die Polizei auf den Mann. Er hat seine Tat gestanden.

Gleich zu Prozessbeginn gestand der Angeklagte. Über seine Anwältin ließ er verlesen, dass ihm das Ganze furchtbar leid tue. Er habe nie den Vorsatz gehabt, jemanden zu verletzen.

Gefährlicher Überholversuch in einer Baustelle

Dem Mann wird vorgeworfen, mehrere Einsatzkräfte gefährdet zu haben. In einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es, dass es im vergangenen Juli einen Feuerwehreinsatz auf der Konrad-Adenauer-Brücke in Mannheim gegeben hatte. Teile der Straße waren deshalb abgesperrt. Auf der gesperrten Spur waren Feuerwehrleute und Polizeikräfte, außerdem stand dort ein Feuerwehrauto.

Genau dort soll der angeklagte Mann versucht haben, ein anderes Auto mit Vollgas zu überholen. Er scherte auf die gesperrte Spur aus und kam erst knapp vor einem Feuerwehrmann zum Stehen, indem er eine Vollbremsung machte.

Bild aus dem Saal des Mannheimer Amtsgerichts (Foto: SWR)
Gerichtssaal des Amtsgerichts Mannheim

Einsatzkräfte müssen sich retten

Statt stehen zu bleiben, legte der 33-Jährige den Rückwärtsgang ein, gab erneut Vollgas und prallte gegen einen Schlauchwagen, der mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft mussten mehrere Einsatzkräfte dem Raserauto und dem herumfliegenden Schlauchwagen aus dem Weg springen, um nicht verletzt zu werden.

Polizei schießt mehrfach auf den Raser

Als der Mann davonfuhr, feuerte ein Polizist zwei Schüsse auf ihn ab. So wollte der Polizist den Mann stoppen. Er verletzte ihn dabei an der Schulter. Trotzdem raste der Angeklagte mit seinem Auto davon. Der Mann muss sich nun wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort verantworten.

Angeklagter in Sorge um den Bruder gerast?

Nach dem Geständnis erklärte der Angeklagte, er sei extrem in Sorge und verzweifelt gewesen: Sein Vater habe ihn angerufen in Sorge um den Bruder, der, wie sich später herausstellte, tatsächlich einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der 33-jährige Mann schilderte, er sei wie fremdgesteuert gewesen, er habe so schnell wie möglich zu Vater und Bruder gelangen wollen. Die Schusswunde durch die Polizei versorgte er selbst zu Hause und arbeitete nachts noch als Zeitungskurier. Am nächsten Tag musste er die Wunde im Krankenhaus versorgen lassen, dadurch fand ihn die Polizei.

Gefährdeter Feuerwehrmann sagt aus

Auch ein Feuerwehrmann sagte am Montag aus, der sich mehrfach vor dem rasenden Auto retten musste. Er schien vor Gericht betroffen und mitgenommen: Er sei immer noch schockiert und bekäme Gänsehaut, wenn er davon erzähle, so der Feuerwehrmann.

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