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Ein Fahrradweg zwischen Straßenbahnschienen sorgt im Mannheimer Stadtteil Seckenheim für Ärger - und das schon seit Jahren. Immer wieder kommt es an der Stelle zu Unfällen. Geändert wird aber nichts.

Gefährliche Fahrradwege gibt es im ganzen Land. Aber eine Stelle in Mannheim-Seckenheim ist ein besonderer Unfallschwerpunkt für Radfahrer: Ein paar hundert Meter fahren Fahrräder zwischen Bahnen, Bussen und Autos. Ganz nebenbei muss man als Radfahrer noch aufpassen, dass das Zweirad nicht in den Schienen hängen bleibt.

Dass diese Stelle ein Aufregerthema ist, merkt man auch an der interaktiven Karte von der SWR-Aktion #besserRadfahren. Dort können Radfahrende gefährliche Stellen in ihrer Region markieren.

Seckenheimer Hauptstraße lebensgefährlich?

Die Stelle in Seckenheim findet auch der zehnjährige Moritz lebensgefährlich, weil man sehr schnell in die Schienen kommt. Sein gleichaltriger Freund Luke fährt lieber auf dem Gehweg, obwohl es verboten sei. Vielen Seckenheimern geht es ähnlich. Sie umfahren den Radweg lieber. Fast jeder kennt irgendeinen, der an der Stelle schon mal böse gestürzt ist. Viele Radfahrer, die bei der Aktion des SWR kommentiert haben, schließen sich der Meinung an:

"Ich habe dort zwei Unfälle miterlebt. Beim ersten kam eine Frau mit ihrem Fahrrad zwischen die Schienen. Sie erlebte ein Schädeltrauma. Der zweite Unfall ging fast tödlich aus. Ein Fahrradfahrer kam wieder mit seinem Rad in die Schienen, stürzte und wurde von einer hinter ihm fahrenden Straßenbahn am Kopf erfasst. Er lag im Koma."

Situation seit Jahren unverändert

Der SWR hatte bereits vor fünf Jahren in der Landesschau über diesen Hotspot berichtet. Passiert ist seither nichts. Immerhin: Für Autofahrende gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde.

In der Statistik tauchen viele Unfälle übrigens nicht auf, weil die Radler selbst schuld sind, indem sie in die Schienen gekommen sind. Wenn kein anderer beteiligt ist, kommt auch keine Polizei.

Stadt: Kein Platz für extra Radweg

Laut Stadt wurde die Seckenheimer Hauptstraße in einem langen bürgerschaftlichen Prozess neu geplant. Große Herausforderung waren die beengten Platzverhältnisse - zum Teil seien es nur 14 Meter Abstand zwischen den Häusern.

Für einen extra Radweg gab es laut Stadt keine Fläche. Eine dafür notwendige Verlegung der Haltestelle und der Wegfall von Parkplätzens waren abgelehnt wurden. Daher müssten die Radfahrer in Richtung Osten im Mischverkehr fahren.

Der Stadt sei bewusst, dass Schienen dabei immer ein Risiko für Radfahrerinnen und Radfahrer darstellen. Dies müsse hingenommen werden, wo begrenzte Flächen Alternativen schwer möglich machen.

Fünf Unfälle in fünf Jahren registriert

Von 2016 bis Ende 2020 habe die Polizei im Haltestellenbereich der Seckenheimer Hauptstraße insgesamt fünf Radunfälle registriert, die in direktem Zusammenhang mit den Straßenbahnschienen zu sehen sind, so die Stellungnahme der Stadt. Die Situation müsse immer wieder aufs Neue geprüft werden - genauso wie technische Möglichkeiten, um die Gefahrensituation zu reduzieren.

Aufgemalte Symbole sollen helfen

Piktogramme zwischen den Schienen sollen dem Autoverkehr signalisieren, dass Radfahrende dort fahren dürfen. Dies helfe, die Unfallgefahr insbesondere im beengten Haltestellenbereich zu reduzieren.

Die Verwaltung prüft zudem die Möglichkeit, eine Fahrradstraße parallel zur Hauptstraße einzurichten und den Neckaruferweg aufzuwerten. Dies sei allerdings gesetzlich nur möglich, wenn Radfahrer die vorherrschende Verkehrsart sind. Der Autoverkehr überwiege aber nach Verkehrszählungen bisher deutlich.

Daher müsste entweder die Bundesregierung die Straßenverkehrsordnung anpassen oder der Radverkehr in der parallel verlaufenden Zähringer Straße deutlich zunehmen.

 Wie konnte so ein Radweg entstehen?

Der Radweg entspricht zwar allen Vorschriften, eine Gefahrenquelle ist er aber trotzdem - trotz jahrelanger Planung von der Stadt und der Rhein-Neckar-Verkehrs GmbH (RNV). Die Pläne wurden damals sogar mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) abgesprochen. Der Radweg ist während der Neugestaltung des Seckenheimer Ortskerns entstanden.

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