Querdenker Demo (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Studie aus Mannheim und Berlin

Mehr Covid-19-Infektionen nach "Querdenken"-Demos

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Die "Querdenken"-Demonstrationen im November 2020 haben dazu beigetragen, dass sich das Corona-Virus innerhalb Deutschlands stark verbreitet hat. Das zeigt jetzt eine aktuelle Studie des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW) und der Humboldt-Universität zu Berlin.

In der gemeinsamen Studie wurden die Auswirkungen zweier großer "Querdenken"-Kundgebungen, die im November 2020 stattfanden, auf die Sieben-Tage-Inzidenz bis Ende Dezember analysiert. Dabei haben die Forschenden das Infektionsgeschehen in den Landkreisen untersucht, aus denen zehntausende Demonstrierende zu den Kundgebungen am 7. November 2020 in Leipzig (Sachsen) und am 18. November 2020 in Berlin angereist waren.

"Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen."

Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 40

Die Autoren der Studie nutzen Informationen über das Angebot von Busreisen eines Netzwerks von Busunternehmen, das sich seit Sommer 2020 auf die Beförderung von Demonstrierenden zu den "Querdenken"-Kundgebungen spezialisiert hat. So stieg die Sieben-Tage-Inzidenz nach den Demonstrationen deutlich stärker in Landkreisen an, die Städte mit einer solchen Busverbindung beinhalten, als in Landkreisen ohne solche Busverbindungen. Dies hatte bis Weihnachten einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 40 in den betroffenen Landkreisen zur Folge.

"Die Studie zeigt, dass solche großen Demonstrationen, wo Leute sich teilweise nicht an den Infektionsschutz halten, als Superspreader-Event fungieren können."

Tausende Covid-19-Infektionen hätten verhindert werden können

Die Forschenden schätzen, dass bis Weihnachten zwischen 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen hätten verhindert werden können, wenn diese beiden großen "Querdenken"-Kundgebungen abgesagt worden wären. Durch die Analyse des ZEW und der Humboldt-Universität werden erstmals Konflikte zwischen der Einschränkung von Freiheitsrechten und gesundheitspolitischen Maßnahmen zum Infektionsschutz untersucht.

Das Mannheimer ZEW ist ein gemeinnütziges wirtschaftswissenschaftliches Forschungsinstitut. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wurde 1990 auf Initiative der baden-württembergischen Landesregierung, der Wirtschaft des Landes und der Universität Mannheim gegründet.

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