Antirassismus-Aktivisten haben in Heidelberg vor der Gaststätte "Mohr!" protestiert (Foto: SWR)

"Wortursprung rassistisch"

Protestaktion gegen Kneipenname "Mohr" in Heidelberg

STAND

Der Name einer Gaststätte sorgt schon lange für Streit: Bis vor Kurzem hieß sie "Gasthaus zum Mohren", jetzt wurde sie in "Mohr" umbenannt. Geht nicht, finden Aktivisten.

Einige wenige waren es, die am Donnerstagabend in der Heidelberger Innenstadt im Regen standen. Auf ihren Schildern steht "Das Wort ist rassistisch" oder "Sprache ist Macht". Schon in der Vergangenheit hatte der Name des Gasthauses für Streit gesorgt. Die einen sagten, der Name solle bleiben. Die anderen sehen in dem Wort reproduzierten Rassismus.

Protest vor dem Gasthaus "Mohr"

Nun wurde der Name des Gasthauses zwar geändert - das fragliche Wort aber ist geblieben. Früher hieß die Kneipe "Gasthaus zum Mohren", jetzt heißt sie "Mohr". Aktivistinnen und Aktivisten haben deswegen am Donnerstagabend vor dem Lokal protestiert.

In einer Pressemitteilung erklärten sie, der Wortursprung und das Wort selbst seien rassistisch. Die Kneipe weiterhin so zu nennen, sei damit "eine klare Entscheidung für die Reproduktion von Rassismus". Das wolle man nicht akzeptieren und fordert ein deutliches Zeichen von der Stadt Heidelberg.

Betreiber vom "Mohr" reicht es

Der Inhaber des Restaurants hat keine Lust mehr, über dieses Thema zu sprechen, sagte er dem SWR. Er pachte das Restaurant mitsamt dem Namen, der von der Hausbesitzerin festgelegt sei. Und sie wolle ihn aus Tradition gerne behalten. Der Betreiber erzählt, dass der neue Name ein Kompromiss war. Ihm seien die Hände gebunden, erklärte er.

Vor allem ärgere er sich aber über rechte Aktivisten, die anrufen, um ihm zu gratulieren. "Völliger Blödsinn", erklärte er am Telefon. Mit Rechten wolle er nichts zu tun haben, so der Inhaber gegenüber dem SWR.

SWR2 Wissen: Aula Deutsche Kolonialgeschichte – Endlich wird sie aufgearbeitet

Langsam findet die deutsche Kolonialzeit in Afrika Beachtung in der deutschen Öffentlichkeit. Straßennamen wie "Mohrenstraße" oder die Rückgabe enteigneter Kulturgüter sind nur ein paar Streitpunkte. Gespräch mit Andreas Eckert.  mehr...

SWR2 Wissen: Aula SWR2

Neckarsulm

Diskussionen auch im Netz "Kolonial 'Mohr'": Kaufland nimmt rassistische Dekofigur von Online-Plattform

Der rassistische Dekoartikel war auf einer Online-Plattform von Kaufland angeboten worden. Nach einem Hinweis reagierte das Unternehmen mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) sofort.  mehr...

STAND
AUTOR/IN