Landgericht Heidelberg (Foto: SWR)

Urteil am Donnerstag erwartet

Normannia-Prozess in Heidelberg: Bewährungsstrafen oder Freispruch?

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Vier Männer sollen bei einer Burschenschaftsfeier in Heidelberg einen Studenten verletzt und beleidigt haben - auch antisemitisch. Die Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafen.

Auf einer Feier der Burschenschaft Normannia 2020 in Heidelberg sollen vier Mitglieder der Burschenschaft einen 25-jährigen Gast mit einem Gürtel geschlagen und antisemitisch beleidigt haben. Hintergrund sollen dessen jüdische Vorfahren gewesen sein. Im Prozess am Heidelberger Amtsgericht hat die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen zwischen zehn und zwölf Monaten gefordert. Am Donnerstag (8.12.2022) wird das Urteil erwartet. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch.

Antisemitische Beleidigungen

Das 25-jährige mutmaßliche Opfer war bei einer Burschenschaftsfeier Ende August 2020 im Haus der Heidelberger Normannia zu Gast. Dabei sei er unvermittelt auf seine jüdischen Vorfahren angesprochen worden, so berichtete es ein Freund des Mannes, der als Zeuge im Prozess ausgesagt hat.

Mehrere Burschenschaftler hätten daraufhin auf den Gast eingeschlagen und Münzen auf ihn geworfen. Außerdem sei er antisemitisch beleidigt worden. Die Angeklagten machten zu den Vorwürfen vor Gericht keine Angaben.

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Staatsanwalt fordert Strafen für alle Angeklagten

Der Staatsanwalt sagte, er sei von der Schuld der vier Angeklagten überzeugt und forderte neben den Bewährungsstrafen auch Geldstrafen - für zwei der Angeklagten außerdem gemeinnnützige Arbeit. Da die Männer gemeinschaftlich vorgegangen seien, sollten sie auch alle bestraft werden.

Verteidiger wollen Freispruch

Die Verteidiger der Angeklagten forderten Freisprüche. Es gehe zwar um eine "nicht zu entschuldigende Tat" und eine "toxische Mischung aus Weltanschauung und Suff" - aber durch den Alkoholkonsum könne man nicht mit letzter Sicherheit sagen, wer wann was gemacht habe. Die Angeklagten selbst wiesen die Vorwürfe auch am vorletzten Prozesstag weit von sich.

Das Interesse am Verfahren war groß, der Saal des Heidelberger Amtsgerichts voll besetzt. Am Donnerstag (8.12.22) wird das Urteil erwartet.

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