Collini-Center in Mannheim (Foto: SWR)

Denkmal oder Abriss?

Mannheimer "Collini-Rebellen" kämpfen für 70er-Jahre-Gebäude

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AUTOR/IN
Susanne Bessler

Das Collini-Center in Mannheim prägt die Skyline der Stadt seit den 70er Jahren. Ein Wohnturm und ein Büroturm, verbunden durch eine Galerie. Doch nun soll der marode Büroturm und mit ihm die kultige Galerie abgerissen werden.

Bewohner wollen Galerie unter Denkmalschutz stellen lassen

Eine Gruppe von Bewohnern des Wohnhochhauses des Collini Centers will den Abriss der Galerie und auch den des Büroturmes in jedem Fall verhindern. Ihrer Meinung nach hat ihr 70er-Jahre-Ensemble nämlich Denkmalwert.

Foyer des Collini-Centers in Mannheim (Foto: SWR)
Seit seiner Eröffnung 1975 hat sich der Stil der Galerie praktisch nicht verändert.

Einen entsprechenden Antrag hatten sie schon länger beim Landesdenkmalamt gestellt. Doch ohne Erfolg. Deshalb haben sie nun eine Petition beim Landtag eingereicht.

"Dieser Stil, das ist für mich auch die Seele von Mannheim aus den Siebziger Jahren und das muss bleiben."

Nicht jeder findet den Stil der Siebziger erhaltenswert

Die Galerie des Collini-Centers heute zu betreten ist wie eine Zeitreise in die Siebziger Jahre. Eine riesengroße, blumenartige Lampe dominiert das Ambiente, alles ist irgendwie dreieckig, braun, orange, gelb. Als das Ensemble zur Bundesgartenschau 1975 eingeweiht wurde, war das Konzept revolutionär. Ein Wohnhaus, direkt neben der Innenstadt, das selbst die Infrastruktur einer Kleinstadt hat. Mit Läden und sogar einem Schwimmbad. Friedrich Meißer war einer der ersten Wohnungseigentümer im Collini Hochhaus. Und erinnert sich noch lebhaft an den Luxus.

"Man konnte also von der Wohnung mit dem Bademantel ins erste OG runterfahren, da war damals eine Tür gewesen, und da konnte man direkt ins Schwimmbad gehen."

Die Zeit drängt, der Abriss droht

Der benachbarte Büroturm – das ehemalige technische Rathaus der Stadt Mannheim – ist marode, die Fassade bröckelt. Die kultige Galerie verbindet jedoch Büroturm und Wohnturm. Wird der Büroturm abgerissen, muss auch die Galerie weg. Die Collini-Bewohner ärgert das. Sie werfen der Stadt Mannheim vor, ihr technisches Rathaus über die Jahre verfallen gelassen zu haben, so dass ein Abriss dieses "Schandflecks" alternativlos scheint.

Käufer will neu bauen

Die Collinis Mannheim Visualisierung (Foto: Deutsche Wohnwerte)
So könnte der Neubau der Deutschen Wohnwerte aussehen, gleich neben dem Wohnturm aus den Siebziger Jahren. Deutsche Wohnwerte

Nach dem Abriss will die Deutsche Wohnwerte Heidelberg, der Investor, der das Gelände von der Stadt gekauft hat, ein neues Hochhaus bauen. Doch das sei nicht nur aus denkmalpflegerischen Gründen, sondern auch aus ökologischer Sicht der falsche Weg, sagt einer, der es wissen muss: Hubert Baumstark, Architekt und Bauingenieur aus Karlsruhe, der schon die Stuttgarter Liederhalle sanierte, hält auch eine Sanierung des Büroturms für möglich.

"Zementherstellung ist eine der energieintensivsten Herstellungsarten, die wir kennen. Das heißt, da steckt eine ganze Menge graue Energie in so einem Gebäude. Und zunächst wird der ökologische Fußabdruck natürlich kleiner, wenn ich sowas nicht wegwerfe."

Hubert Baumstark restauriert nach diesem Prinzip gerade die Fassade des benachbarten Collini-Wohnturms. Sollte die Petition der "Collini-Rebellen" Erfolg haben und die Galerie unter Denkmalschutz gestellt werden, hätte die Stadt Mannheim nach Ansicht der "Collini-Rebellen" ein Problem: Sie dürfte dem Investor, dem sie selbst das Gelände zum Abriss verkauft hat, eben diese Abrissgenehmigung nicht mehr erteilen.

Preis für Architektur

Karl Schmucker, der Architekt des Collini-Centers, erhielt 2016 vom Mannheimer Architektur- und Bauarchiv die Auszeichnung "Mannheimer Stein". Der damalige Kulturdezernent der Stadt, Michael Grötsch, lobte damals in seiner Festrede das Collini-Center als "gebauten Zeitgeist", den Karl Schmucker hier nicht nur genutzt, sondern auch maßgeblich geprägt habe, weit über die Grenzen Mannheims hinaus. Jetzt muss der Petitionsausschuss des Landtags entscheiden, ob das für den Denkmalschutz ausreicht.

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Susanne Bessler