Kommentar zur Mosbacher OB-Wahl

Erdrutschsieg mit Ansage

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Nach zwei Amtszeiten muss der Mosbacher Oberbürgermeister Jann (CDU) seinen Hut nehmen. Damit war zu rechnen, meint SWR-Reporterin Friederike Kroitzsch in ihrem Kommentar.

Das war wohl das, was man als einen Erdrutschsieg bezeichnen könnte: Ein junger Kandidat, Julian Stipp, mit 80 Prozent der Stimmen, der amtierende OB Michael Jann mit nicht mal 20 Prozent. "Es ist, wie es ist“, hat der unterlegene und sichtlich enttäuschte Michael Jann nach der Wahl zu einem Zeitungsreporter gesagt, und vielleicht hat er damit viel mehr gesagt als eigentlich geplant. 16 Jahre lang hat Michael Jann als Oberbürgermeister die Geschicke Mosbachs geführt – und nun das.

Ist die Begeisterung fürs Amt abhanden gekommen?

Es ist, wie es ist. Es gibt da jede Menge junge Kommunalpolitiker, die in die erste Reihe drängen, mit Macht. Die für die Kommunalpolitik brennen, was bewegen wollen, jugendlichen Elan und Begeisterung mitbringen. Eine Begeisterung, die manch einem Bürgermeister nach vielen Dienstjahren nachvollziehbarerweise abhanden kommt, fast möchte man sagen: abhanden kommen muss, bei all den bürokratischen Irrungen und Wirrungen, die das Amt mitunter so anstrengend macht.

Die Konkurrenz schläft also nicht, ganz im Gegenteil - aber haben die altgedienten Amtsinhaber das wirklich auf dem Schirm? Oder haben sie sich in ihren Rathäusern so gemütlich eingerichtet, nach den (auch)  unzweifelhaften Erfolgen ihrer bisherigen Amtszeit, dass sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass ein Neuer, eine Neue ihnen das Feld abnehmen könnten? Dass neue Herausforderungen auch neues Handeln erfordern?

Volksnähe in der Kommunalpolitik besonders wichtig

Es ist, wie es ist. Es zählen eben nicht nur die sichtbaren und die oft unsichtbaren Erfolge eines Amtsinhabers , es zählen auch seine Volks-Nähe, sein An-den-Menschen-dran-sein, sein Ohr für die Leute und ihre Nöte. In der Kommunalpolitik gilt das ganz besonders. Das kann einem gefallen oder nicht, aber es ist so. Rathaus-Chefs sollten das wissen.

Mosbach

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Zeitpunkt zum Aufhören verpasst

Michael Jann ist nicht der Erste, der sich am Wahlabend verwundert und enttäuscht die Augen gerieben haben wird, vor ihm haben in den vergangenen Jahren schon etliche Bürgermeister in der Region dasselbe erlebt. Wieder angetreten zu einem Zeitpunkt, an dem es besser gewesen wäre, aufzuhören. Wieder angetreten, obwohl viele schon gewarnt hatten, dass es Zeit zum ehrenvollen Abschied wäre. Weil Wähler schon an anderer Stelle, zum Beispiel bei den Kreistagswahlen im Neckar-Odenwald-Kreis, deutlich gemacht hatten, dass sie nicht zufrieden sind. Nochmal den Hut in den Ring geworfen, Michael Jann mit 62 Jahren, obwohl doch jeder wissen sollte, dass die junge Konkurrenz mit den Hufen scharrt. Es ist, wie es ist.

Geringe Wahlbeteligung

Es ist, wie es ist, das gilt auch für die Wahlbeteiligung, leider. Aber 41 Prozent in der Großen Kreisstadt Mosbach, das ist nicht wirklich überzeugend und besonders für ländliche baden-württembergische Verhältnisse tatsächlich eher schlecht. Wer über alte oder neue Oberbürgermeister schimpfen möchte, sollte das nur tun, wenn er auch tatsächlich wählen war. Alle anderen schweigen vielleicht besser und denken mal in aller Ruhe über ihr Demokratieverständnis nach.

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