Bluttest im Labor (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Möglicher Einsatz bei der Krebstherapie

Neue Studie zum umstrittenen Heidelberger Brustkrebs-Bluttest

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Ein in Heidelberg entwickelter Brustkrebs-Bluttest wurde 2019 als Weltsensation angekündigt, erwies sich dann aber als wenig wirksam. Jetzt kommt er erneut auf den Prüfstand.

Nach Angaben des Heidelberger Uniklinikums führen Fachleute der Universität in Zusammenarbeit mit externen Experten eine Studie durch, die zeigen soll, ob der damals umstrittene Bluttest zur Erkennung von Brustkrebs eventuell zur Kontrolle von Therapieerfolgen bei der Krebsbehandlung eingesetzt werden kann.

Möglicher Nachweis von Krebszellen

Das Klinikum erklärte auf SWR-Anfrage, dass bei einer Brustkrebserkrankung bereits in einem frühen Krankheitsstadium kontinuierlich Tumorzellen sowie DNA- und RNA -Fragmente in den Blutkreislauf der Patientinnen geschwemmt würden. Diese Zellen und Fragmente können durch moderne Verfahren nachgewiesen werden und wichtige Informationen darüber liefern, ob eine Therapie anschlägt oder nicht. Die Studie soll zeigen, ob der umstrittene Heidelberger Bluttest perspektivisch für diesen Zweck eingesetzt werden könnte. Die Frage, ob die Bio-Marker im Blut auch zur Früherkennung von Brustkrebs genutzt werden können, werde in der Studie allerdings nicht untersucht, so das Klinikum.

Studie mit 40 Probandinnen

An der Studie sollen laut Klinikum 40 Frauen teilnehmen. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher Anfang 2023. Dann könnte sich klären, ob der umstrittene Heidelberger Bluttest zumindest im Rahmen von Krebstherapien eingesetzt werden könnte. Brustkrebs ist nach Angaben des Heidelberger Uniklinikums der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Allein im Jahr 2018 erkrankten demnach weltweit rund zwei Millionen Frauen daran.

Chronik eines Skandals

Im Februar 2019 hatte das Heidelberger Uniklinikum den Bluttest medienwirksam vorgestellt. Das Klinikum sprach damals zunächst von einem Meilenstein, ruderte aber schon wenige Tage später zurück und entschuldigte sich. Der Bluttest, entwickelt und vermarktet von einer eigens gegründeten Firma "Heiscreen", sei in Wirklichkeit noch lange nicht marktreif, man habe falsche Hoffnungen geweckt und wissenschaftliche Standards verletzt.

Kommission zur Aufklärung eingesetzt

Die Staatsanwaltschaft nahm damals Ermittlungen auf und das Klinikum setzte eine externe Kommission ein, die den Skandal aufklären sollte. Sie machte den damaligen Chef der Heidelberger Frauenklinik und "Heiscreen"-Mitgründer für die Situation verantwortlich. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. In der Folge traten drei Vorstände des Uniklinikums zurück und dem Justitiar wurde gekündigt.

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