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Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 13-Jährigen in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) bestreitet der 14-jährige Verdächtige die Tat. Weil er bereits zuvor eine schwere Gewalttat begangen hatte, prüfen die Behörden, ob sie alles richtig gemacht haben.

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 13-Jährigen in Sinsheim prüft der Rhein-Neckar-Kreis, ob es beim Jugendamt Versäumnisse beim Umgang mit dem 14-jährigen Tatverdächtigen gab.

Im vergangenen November hatte der Jugendliche bereits an einer Realschule in Östringen (Kreis Karlsruhe) einen Mitschüler mit einem Messer schwer verletzt. Laut Landratsamt Rhein-Neckar war der 14-Jährige danach mehrere Wochen stationär in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht. Dort habe er bereits ein Anti-Aggressionstraining begonnen, die Familie sei durch das Kreisjugendamt und die Jugendhilfe auch durchgängig betreut und unterstützt worden, zuletzt wenige Tage vor der Tat. Laut Jugendamt erhielt die Familie auch ambulante Leistungen der sozialpädagogischen Familienhilfe, die von einem freien Träger durchgeführt wurde. Diese Art der Hilfe werde bei Problemen in der Erziehung und der Alltagsbewältigung sowie bei schweren Konflikten in Anspruch genommen.

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Landrat Dallinger: "Wir können nicht in die Köpfe schauen"

Der für das Jugendamt zuständige Landrat im Rhein-Neckar-Kreis, Stefan Dallinger (CDU), erklärte, der Junge und seine Familie seien nach dem Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie intensiv betreut worden.

Dallinger zeigt sich nach der Bluttat erschüttert. "Wir können nicht in die Köpfe schauen", sagte er.

Eifersucht soll Tatmotiv gewesen sein

Laut Obduktionsergebnis starb der 13-Jährige an "Verbluten nach innen", teilte die Heidelberger Staatsanwaltschaft weiter mit. Hinter der Tat stehen vermutlich Eifersuchtsstreitigkeiten um ein noch minderjähriges Mädchen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten. Das 13-jährige Opfer ist am Freitag beerdigt worden. Wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet, beteiligten sich am Freitagnachmittag rund 150 Menschen an einem Trauerzug durch die Sinsheimer Fußgängerzone.

Blumen am Tatort in Sinsheim-Eschelbach (Foto: SWR)
Blumen am mutmaßlichen Tatort bei Sinsheim-Eschelbach

Der 14-Jährige soll am Mittwoch in Sinsheim-Eschelbach den 13-jährigen Jungen mit mehreren Messerstichen getötet haben. Der Tatverdächtige war mit einem Küchenmesser in der Hand neben der Leiche des Jungen und dem Mädchen im Stadtteil Eschelbach festgenommen worden. Der 14-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heidelberg bestreitet er die Tat.

Familiengericht zunächst nicht eingeschaltet

Das zuständige Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises hat nach dem Östringer Messerangriff das Familiengericht nicht eingeschaltet. Nach Angaben des Landgerichts Heidelberg wird das Familiengericht mit Fällen von Gefahr für das Kindeswohl befasst. In diesem Fall seien aber wahrscheinlich aus Sicht des Jugendamtes weder Sorgerechtsentzug für die verwitwete Mutter noch Zwangsunterbringung des Jungen nötig gewesen, sagte der Gerichtssprecher. Für solche schwerwiegende Schritte ist eine richterliche Genehmigung erforderlich.

Erst vor wenigen Tagen Anfrage an Jugendamt

Das Familiengericht sei etwa eine Woche nach Erhalt der Akte der Staatsanwaltschaft Mitte Januar auf das Jugendamt zugegangen, um sich über die ergriffenen Maßnahmen zu informieren. Wenige Tage vor der Tat sei eine weitere routinemäßige Anfrage an das Jugendamt ergangen. Das Schreiben habe die Behörde aber wahrscheinlich nicht mehr vor der Tat erreicht.

Bedrückende Atmosphäre in Sinsheim-Eschelbach

Seehofer: Verschärfung von Gesetzen derzeit kein Thema

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Freitag, er halte wenig von einer Verschärfung von Gesetzen. Seehofer nannte die Tat von Sinsheim einen "erschütternden Vorgang". Trotzdem wolle er nicht sofort in die Diskussion einsteigen, die Strafbarkeit von Minderjährigen im Alter von 12 oder 13 anzugehen. Stattdessen müsse man viel stärker als bisher die Jugendhilfe mit allen Möglichkeiten der Prävention nutzen.       

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte am Freitag , man könne nicht nach jedem Verbrechen die Gesetze ändern.

Sinsheim

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