Prozess vor dem Landgericht Heidelberg - Angeklagter geständig

Neun Jahre Haft für 14-Jährigen wegen Mordes in Sinsheim-Eschelbach

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Das Urteil im Mordprozess gegen einen 14-Jährigen ist gefallen. Das Landgericht Heidelberg verhängte eine Haftstrafe von neun Jahren.

Der 14-Jährige hat nach Überzeugung des Gerichts am 24. Februar dieses Jahres einen 13-Jährigen in Sinsheim-Eschelbach mit sieben Stichen in Rücken, Brust und Hals getötet.

Heimtückischer Mord

Der 14-Jährige war ganz in der Nähe des Tatorts mit einem Küchenmesser in der Hand angetroffen worden. Der Angeklagte hat die Tat im Verlauf des Prozesses gestanden, so das Gericht. Den genauen Tatablauf und die Wertung als heimtückischen Mord hat die Große Jugendkammer des Landgerichts auf die Spurenlage am Tatort und auf die Gesamtschau der Indizien gestützt.

Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre gefordert

Die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenklage hatten zehn Jahre Haft beantragt. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung zu siebeneinhalb Jahren wegen Totschlags gefordert. Der Strafrahmen einer Jugendstrafe reicht bei vorsätzlichen Tötungen wie Totschlag und Mord von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

"Keine Erkenntnisse über Motiv"

Der Vertreter der Nebenklage, Idris Toptik, sagte gegenüber dem SWR, dass es in der Gerichtsverhandlung keine Erkenntnisse über das Motiv des Täters gegeben habe. Das mache es für die Familie noch schwieriger, den Verlust ihres Kindes zu verarbeiten.

Die Anklage lautet Mord (Foto: SWR)
Das 13-jährige Opfer wurde in Sinsheim-Eschelbach in einem Waldstück erstochen

Viele Angehörige mit Fotos bei Urteilsverkündung

Der Prozess fand komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zur Urteilsverkündung kamen viele Angehörige. Manche trugen eingerahmte Kinderfotos des getöteten 13-Jährigen bei sich.

Angehörige halten vor dem Landgericht Heidelberg Fotos des getöteten Jungen  (Foto: SWR)
Angehörige des getöteten Jungen vor dem Heidelberger Landgericht

Die Tat hatte für viel Aufsehen gesorgt. Ein zwölfjähriges Mädchen war indirekt involviert. Sie hatte sich mit dem 13-jährigen späteren Opfer in dem Waldstück getroffen.  

Revision vor Bundesgericht möglich

Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenklage können gegen dieses Urteil innerhalb einer Woche Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

Blumen und Kerzen liegen am Tatort in Eschelbach, einem Ortsteil von Sinsheim (Foto: SWR)
Blumen und Kerzen liegen am Tatort in Eschelbach, einem Stadtteil von Sinsheim

Der Angeklagte war bereits zuvor durch eine Gewalttat aufgefallen. Im November 2020 hatte er einen 13-jährigen Mitschüler an der Östringer Thomas-Morus-Realschule (Landkreis Karlsruhe) schwer verletzt. Nach dem Angriff war der Jugendliche für einige Wochen in einer Jugendpsychiatrie betreut worden. Kurz danach ereignete sich die Tat in dem Waldstück.

Jugendamt sieht keine Fehler

Das Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises sieht bei sich keine Fehler. Es habe nach der ersten Tat keine Hinweise auf eine Fremd- oder Eigengefährdung gegeben. Der Jugendliche und seine Familie seien engmaschig betreut worden.

Sinsheim

Anklage nach Tat in Eschelbach Heidelberg: Mordprozess gegen Jugendlichen wird fortgesetzt

Vor einer Woche hat der Prozess gegen einen zur Tatzeit 14-Jährigen begonnen: Er soll im Februar einen 13-Jährigen in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) ermordet haben. Am Donnerstag geht die Verhandlung weiter.

Sinsheim

Mit mehreren Messerstichen getötet Heidelberg: Mordprozess gegen Jugendlichen hat begonnen

Der Fall hat ganz Deutschland schockiert: Ein 14-Jähriger soll im Februar einen 13-Jährigen in Sinsheim ermordet haben. Am Mittwoch war in Heidelberg der erste Prozesstag.

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SWR