Ukrainische Soldaten bewachen einen Kontrollpunkt an einer Hauptstraße in Kiew.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AP | Vadim Ghirda)

Vertrag bis zum Kriegsende abgelehnt

Ex-Bundeswehr-Offizier aus Mannheim: Als Freiwilliger in die Ukraine?

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Sabrina Mann

Die Ukraine ruft auch Ausländer zum Kampf gegen Russland auf. Ein ehemaliger Bundeswehr-Offizier aus Mannheim fühlte sich angesprochen. Warum er sich am Ende doch zurückzog?

Siegfried Baltzer (57) wollte unbedingt helfen, kennt die Ukraine seit Jahren, auch die Menschen dort und ihre Gastfreundschaft. Er hat schon öfter dort gearbeitet. Baltzer ist ehemaliger Bundeswehr-Offizier und Personenschützer und lebt in Mannheim.

Er hat an der Bundeswehr-Hochschule in München Psychologie studiert und ist seit einigen Jahren als Berater und in der Ausbildung tätig, vor allem für zivile Sicherheitskräfte.

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Plan: Crashkurs für Häuserkampf in Ukraine

Er hatte vor, eine eigene Truppe im Kampf in der Ukraine anzuführen, freiwillige Unterstützer aus dem Ausland und Ukrainer in einem Crashkurs einsatzbereit zu machen und Einsatzpläne für den Häuserkampf zu erstellen. Siegfried Baltzer ist einer von Tausenden, die sich freiwillig gemeldet haben oder melden wollen, um in der Ukraine gegen die russischen Truppen zu kämpfen.

Mannheimer lehnte unbefristeten Vertrag in Ukraine ab

Inzwischen ist klar: Baltzers Plan ist gescheitert. Immerhin ist er bis in ein Militärlager bei Lwiw in der Westukraine gekommen, wo er freiwillige Kämpfer unter anderem aus den USA, Dänemark und Frankreich getroffen hat.

In Lwiw hätte er einen Berater-Vertrag auf unbestimmte Zeit unterschreiben sollen, bis der Krieg zu Ende ist. Aber das wollte Siegfried Baltzer nicht. Ursprünglich wollte er mit seinen militärischen Kenntnissen helfen, hätte dafür einige Wochen, vielleicht ein paar Monate sein normales Leben und seine Frau zurückgelassen. Ein Vertrag ohne klares zeitliches Limit kam für ihn aber nicht infrage.

Rekrutierungsbüro für Freiwillige in Lwiw

In Lwiw befindet sich ein Rekrutierungsbüro für die Freiwilligen. Ein Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass deren Kampffähigkeit auf einem Militärstützpunkt außerhalb der Stadt geprüft werde. Das hat auch Siegfried Baltzer dem SWR so bestätigt. Als er dort ankam, wurde jeder nach seiner Kampferfahrung gefragt und entsprechend eingeteilt. Ein Großteil der Männer, mit denen er dort war, habe weder Kriegseinsätze noch eine militärische Ausbildung gehabt. Es gebe dort aber wohl auch Veteranen, vor allem von US-amerikanischen und britischen Elite-Einheiten, die Spezialkenntnisse mitbrächten.

Mannheimer will nun in Polen Flüchtlingen helfen

Nur einen Tag bevor das Militärlager an der polnischen Grenze am vergangenen Sonntag bombardiert wurde, kehrte Baltzer auf polnisches Staatsgebiet zurück. 35 Menschen, darunter vermutlich auch freiwillige Kämpfer aus anderen Nationen, kamen bei dem Angriff ums Leben. Siegfried Baltzer war nur wenige Kilometer entfernt, sicher auf der anderen Seite der Grenze in Polen. Dort, so Baltzer, bleibe er jetzt erst mal, um wenigstens den Flüchtlingen zu helfen, vor allem Frauen und Kindern.

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