Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Migräne - verstärkt durch die Corona-Pandemie (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Thomas Eisenhuth)

Durch Corona-Pandemie

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Migräne

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Rund zwei Drittel aller Schüler leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen - viele versäumen deshalb oft den Unterricht. Beim Mannheimer Schmerzkongress ist daher genau das ein Thema.

"Migräne unter Jugendlichen" ist das zentrale Thema bei der Veranstaltung, die am Dienstag in Mannheim begonnen hat. Grund genug gibt es dazu.

Mehr Kopfschmerzen durch Corona-Pandemie

Rund ein Fünftel aller Schüler in Deutschland haben manchmal so starke Kopfschmerzen, dass sie nicht am Unterricht teilnehmen können - und während des Corona-Lockdowns hat sich dieser Tendenz nach Angaben von Experten sogar noch einmal verschärft. Grund dafür sei, dass die Pandemie den Alltag der Schüler stark verändert hat, sagte Gudrun Goßrau, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Wenig Bewegung, eine starke Mediennutzung und viel Passivität bleiben nicht ohne Folgen.

"Insbesondere in der Pubertät ist es so, dass die Kopfschmerzen sich verstärken - von der Häufigkeit und Intensität."

Über das Thema wird zu selten gesprochen

Allein dafür verantwortlich sei Corona aber nicht, sagte die Präsidentin des Deutschen Schmerzkongresses Gudrun Goßrau. Die Pandemie habe nur so eine Art Brennglaseffekt gehabt und besonders prekäre Situationen nochmal verschärft, so Goßrau. Das sei auch keine Sache, die von selbst wieder verschwindet.

"Es war auch vor der Pandemie natürlich ein Thema, aber vor allem immer eines, das ein bisschen hinten runter gefallen ist und nicht so wahrgenommen wurde."

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Kinder und Jugendliche ziehen sich dann oft zurück

Das Problem: Viele der Betroffenen reden nicht über ihre Schmerzen. Oftmals ist dadurch überhaupt nicht klar, dass die Kinder ein Problem haben. Auch das, sagte Gudrun Goßrau, hat mit dem Alter zu tun. Gerade die Jüngeren sprechen nicht darüber. Doch es gibt migränetypische Verhaltensänderungen, an denen man feststellen kann, ob das Kind darunter leidet. Zum Beispiel wenn es sich zurückzieht, ins Bett legt und seine Ruhe haben möchte.

Es gibt Therapiemöglichkeiten

Wichtig ist laut Gudrun Goßrau, dass Eltern auf diese Anzeichen achten und gegebenenfalls genau beobachten, wie oft die Schmerzen bei ihren Kindern auftreten und wie stark sie das Leben der Jugendlichen beeinträchtigen. Je nach Ausprägung müsse man dann über eine Therapie nachdenken, so die Expertin. Spannungskopfschmerz, sagte Gudrun Goßrau, sei bei jungen Menschen relativ gut behandelbar.

Schwieriger wird es dann, wenn der Kopfschmerz chronisch ist. Denn die Betroffenen können ja nicht ständig Medikamente einnehmen, sondern dann müssen andere Mechanismen mitwirken. In so einem Fall sei ein ganz sinnvolles Werkzeug das Einsetzen von interdisziplinären Therapiegruppen. Aber die gebe es deutschlandweit nicht flächendeckend, so Goßrau, sondern nur punktuell an einzelnen Spezialeinrichtungen.

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