Erneute Randale in Mannheim und Heidelberg

Polizei: "Wir müssen diese Gewalt verhindern"

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Kein Wochenende ohne Randale: Die Bilder aus Heidelberg und Mannheim ähneln sich. Auf der Neckarwiese, in der Altstadt, am Mannheimer Wasserturm. Überall gab es am Samstag wieder größere Polizeieinsätze. Aggressive und gewaltbereite Gruppen bereiten der Polizei Probleme.

Polizisten seien provoziert und beleidigt worden. Es flogen Flaschen und auch Pyrotechnik sei eingesetzt worden, heißt es von Seiten der Polizei. Jetzt beschäftigt die Polizei Mannheim die Frage, wie man solche Situationen in den Griff bekommen kann.

Sind tatsächlich die Erfahrungen durch die Corona-Pandemie die Hintergründe für diese Gewalt? Denn noch scheint das neue Konzept der Polizei nicht ausreichend zu greifen. SWR Moderator Matthias Wiest hat darüber mit dem Mannheimer Polizeisprecher Christopher Weselek gesprochen.

SWR Aktuell: Wie bewerten Sie das Geschehen am Samstag in Heidelberg?

Christopher Weselek: Wir sagen ja schon die ganze Zeit, dass die aktuelle Situation sehr herausfordernd ist und dass das oft ein ganz, ganz schmaler Grad ist zwischen Friedlichkeit und Feiern und dann kippt die Stimmung. Und es ist der Beginn von Straftaten. Deshalb haben wir ja auch jetzt dieses Brennpunkt-Konzept über den Sommer aufgelegt, wo wir einfach versuchen mit mehr Kräften dort zu sein, wo etwas passiert, und dass wir auch einschreiten. Am Samstag war das in Heidelberg der Fall. Dabei war die Neckarwiese gut besucht.

"Da waren etwa 100 Personen, die sich zunehmend aggressiv gezeigt haben, dass einzelne dann Bengalos abgebrannt haben und auch angefangen haben, gegenüber der Polizei Schmährufe zu skandieren."

Das hat sich immer mehr potenziert, so dass man dann vorsorglich einfach die Neckarwiese geräumt hat, weil man eben diese Ausschreitung wie sie damals am Pfingstwochenende war, einfach verhindern wollte.

Extremes Verhalten aggressiver Gruppen

SWR Aktuell: Nach Mitternacht ging es am Bismarckplatz und auch in der Unteren Straße in Heidelberg weiter, auch dort musste die Polizei anrücken.

Christopher Weselek: Das ist immer wieder das Phänomen, dass sich irgendwo die Gruppen treffen, extrem aggressiv werden und dann auch versuchen, aus der Gruppe heraus Straftaten zu begehen. Wir hatten dann gegen 0.40 Uhr den Fall, da hat ein Mann einen Polizeibeamten massiv beleidigt, der sollte dann zur Personalienfeststellung mitgenommen werden und dann kam es zu Solidarisierungen und zu Art Befreiungsversuchen.

"So dass dann wirklich Polizeikette durchgeführt werden musste, um den Abtransport zu gewährleisten. Einzelne Personen sind dann gegen die Polizei gegangen und haben versucht dieses Abtransportieren zu verhindern, dass auch der Schlagstock eingesetzt wurde. Das ist dann einfach eine Qualität, die aus unserer Sicht schlimm ist."

Wir wollen ein friedliches Miteinander, aber wir merken eben auch, dass ab einem gewissen Punkt die Stimmung so aufgeheizt ist, dass uns dann nichts anderes übrig bleibt, als jetzt in diesem Fall sogar den Schlagstock einzusetzen.

Intervention nur als letztes Mittel

SWR Aktuell: Stimmt da Ihre Strategie noch? Denken Sie darüber nach? Also wenn diese Aggressivität und die Gewaltbereitschaft jetzt eine neue Entwicklung sind, dann brauchen Sie ja auch neue Strategie dagegen…

Christopher Weselek: Natürlich analysieren wir fortlaufend unsere Strategie. Uns ist ganz wichtig, die Kommunikation zu suchen. Wir wollen immer erst kommunizieren, die Regeln noch mal klären. Vielleicht findet man ja auch andere Wege. Die Intervention kann immer nur eines der letzten Mittel sein. Uns ist auch klar, dass ganz viele einfach nur friedlich feiern wollen und dass diese Gewalt von ein paar wenigen ausgeht. Von daher schauen wir uns das schon fortlaufend an.

SWR Aktuell: Die massive Polizeipräsenz ist ja auch damit begründet, dass man die Einhaltung der Corona-Regeln sichern will und muss. Jetzt gelten ja seit heute weitere Lockerungen: Es dürfen sich noch mehr Menschen draußen aufhalten und treffen. Entspannt das die Lage jetzt oder macht es das ganze vielleicht noch schlimmer?

Christopher Weselek: Uns geht es wirklich in erster Linie darum, diese Ausschreitungen, die Gewalt zu verhindern und natürlich ist es auch unsere Aufgabe die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen.

"Aber man muss auch ganz deutlich sagen, dass die aktuelle Vorschriften-Lage da unheimlich viel Spielraum bietet. Die Begründung mehr Polizeipräsenz zur Überwachung der Corona-Regeln -  würde ich jetzt mal sagen - das ist jetzt nicht der Fall. Wir brauchen es, um Gewalteskalationen zu verhindern."

Polizei will unbeteiligte schützen

SWR Aktuell: Das heißt, diese Gewalteskalationen würden sich dann gegen andere Mitmenschen richten, wenn nicht so viele Polizisten da wären, richtig?

Christopher Weselek: Genau. Es kann zu Körperverletzungen kommen. Es kann ein Gewaltexzess passieren. Das zu verhindern, meinen wir, ist leider momentan nur mit dieser erhöhten Polizeipräsenz zu unterbinden, wobei wir jetzt auch uns eher ein bisschen dezent zurückhalten wollen.

"Wir wollen auch nicht, dass auf der Neckarwiese jetzt Hundertschaften patrouillieren."

Das ist überhaupt nicht unsere Intention, sondern wir wollen erkennen, wo etwas ist und dann eher Polizei hinbringen. Es ist sicherlich nicht unser Ziel, da massiv Präsenz zu zeigen, aber wir brauchen ja Verfügbarkeit von Polizeikräften, dass wenn etwas ist, dass wir dort eingreifen können.

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