Schranke Fressgasse Mannheim (Foto: SWR)

Schranke soll Verkehr in Fressgasse unterbrechen

Autos raus aus Innenstadt: Stadt Mannheim startet Versuch am 11. März

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Die Stadt Mannheim will die Innenstadt von Auto-Abgasen befreien und mehr Platz für Fußgänger schaffen. Dazu will sie versuchsweise den Verkehr dort unterbrechen.

Verkehrsberuhigte Innenstadt

Ab dem 11. März wird laut Stadt die Fressgasse in Höhe der Fußgängerzone Breite Straße mit einer bereits vorhandenen Schranke für Autos und Lastwagen gesperrt. In einem ersten Abschnitt entsteht dort, wo bis dahin Autos fuhren, eine neue, 140 Meter lange Fußgängerzone.

Markstraße soll zur Fahrradstraße werden

Anfang April wird dann die Marktstraße zur Fahrradstraße umgebaut. Danach soll der Durchgangsverkehr auch in der Kunststraße in Richtung Wasserturm unterbrochen werden. Der Verkehr soll dann in Richtung Schloss umgeleitet werden. Bis zum 6. Mai soll die Umgestaltung fertiggestellt werden.

Sitzgelegenheiten und Blumenkübel in Innenstadt in Mannheim

Seit Mitte 2021 hat die Stadt Mannheim sich zum Ziel gesetzt, die Mannheimer Innenstadt schöner zu gestalten: Mehr Platz zum Flanieren, zum Verweilen und für Begegnungen. Zahlreiche neue Sitzgelegenheiten seien bereits entstanden, umgeben von insgesamt 100 Blumenkübeln, so die Stadt. Sie dienten nicht nur der Verschönerung, sondern zusätzlich auch der Verkehrslenkung.

Stadt Mannheim will auch Falschparker vertreiben

Außerdem will die Stadt falsches Parken auf den Gehwegen verhindern. Da es sich um einen Verkehrsversuch handelt, stehen diese Blumenkübel auf Holzpaletten, damit man sie bei Bedarf wieder umstellen kann.

"Nachdem wir bedingt durch die Schließung des Fahrlach-Tunnels zunächst nur einen Teil des Projektes umsetzen konnten, freuen wir uns nun darauf, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich zu verbessern. Durchfahrende Autos schaden Anliegern und Handel gleichermaßen und produzieren unnötigen Lärm und Abgase."

Verkehrsversuch steht unter genauester Beobachtung

Die Stadt spricht von einem Jahr Probezeit. Währenddessen sollen Gutachter die Maßnahmen ständig beobachten und auswerten. Mit den Zählungen von Fuß-, Rad- und Auto-Verkehr wurde bereits im Juli vergangenen Jahres der Ist-Zustand dokumentiert, so die Stadt. Zusammen mit Vertretern aus Handel und Gewerbe sollen die Entwicklungen und Erkenntnisse immer wieder neu bewertet werden.

IHK und Verbände: Verkehrsversuch Mannheim kein Selbstläufer

Politik, Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, Handelsverband Nordbaden und die Werbegemeinschaft Mannheim hätten natürlich das gemeinsame Ziel, die Mannheimer Innenstadt attraktiver zu gestalten, heißt es in einem Schreiben der IHK. Fest stehe aber auch, dass die Geschäfte und Unternehmen in der Innenstadt bereits durch Corona wirtschaftlich geschädigt seien. Deshalb müsse die Stadt den Verkehrsversuch mit größter Vorsicht durchführen. Denn viele Unternehmen würden durch diese neue Verkehrsführung und Umgestaltung weitere finanzielle Einbußen und Belastungen befürchten, so die IHK Rhein-Neckar.

IHK fordert: Abbruch bei weiteren negativen wirtschaftlichen Folgen

Sollten wirtschaftliche Schäden erkennbar sein, sei der Versuch sofort abzubrechen, heißt es von der IHK. Für den Verkehrsversuch gelte wie für alle Versuche: Sie sollen ergebnisoffen sein und auf Erkenntnisgewinne zielen. Ob die Umgestaltungsmaßnahmen die erhofften Ergebnisse bringen, bleibe erst noch abzuwarten. Sollten negative Folgen überwiegen, müsse über ein neues Konzept nachgedacht werden, so die IHK.

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