Eine Ärztin spritzt eine Corona-Impfung (Foto: SWR)

Über Andrang vor Impfbus, Spritzen-Angst und Booster-Kandidaten

Impfen gegen Corona - Kuriose Erfahrungen einer Mannheimer Ärztin

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Wer wie die Mannheimer Ärztin Katja Fischer seit fast einem Jahr Menschen gegen Corona impft, hat viel zu erzählen. Zum Beispiel über Impflinge mit Spritzen-Angst und Langeweile im Sommer.

Zurzeit arbeitet die Neurologin Katja Fischer (35) für das kommunale Impfteam der Stadt Mannheim. Wenn der Mannheimer Impfbus gegen 11.30 Uhr an seiner täglichen Station ankommt, sind laut Fischer oft schon fast 50 Menschen da und warten.

Der Andrang sei zurzeit unglaublich. Sie verteilt dann Nummern an die Impfwilligen in der Schlange. "Das machen wir erst seit ein paar Tagen, damit die Leute nicht so lange in der Kälte stehen müssen, sondern einfach zwei Stunden später nochmal wiederkommen können", so Fischer.

Impfen gegen Corona: Mancher hat Angst vor der Spritze

Die Menschen, die jetzt zum Impfbus kommen, seien ganz andere, als die, die sich im Frühjahr und Sommer gegen Corona impfen lassen wollten, erzählt die Ärztin.

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Neben den älteren Menschen, die ihre Drittimpfung wollten, gebe es jetzt sehr viele, die lange mit der Erstimpfung gezögert hätten, weil sie tatsächlich Angst vor Spritzen haben - "Kaum zu glauben", so Fischer, aber das halte tatsächlich viele Menschen vom Impfen ab.

"Ein Mann hat mir erzählt, dass er sich schon zwölfmal angestellt und sich dann doch immer wieder nicht getraut hat."

Dazu kämen Menschen mit einer Angststörung, die fürchteten, nach dem Impfen wegen ihrer psychischen Erkrankung eine Panikattacke zu bekommen.

Ein Impf-Mobil von innen (Foto: SWR)
Mannheimer Impfbus von innen

Viele Migranten in Schlange vor Mannheimer Impfbus

Außerdem stünden jetzt auch viele Migranten in der Impfschlange. Menschen, die nicht gut deutsch sprechen, darunter viele Rumänen und Bulgaren, die oft schlecht bezahlte Aushilfsjobs haben, in denen Deutsch-Kenntnisse nicht so wichtig sind: Paketboten, Hilfsarbeiter, aber auch Prostituierte finden sich unter den Impfwilligen. Über diese Menschen ist Ärztin Katja Fischer besonders froh. Genau dafür sei der Impfbus ursprünglich gedacht gewesen.

Zwei Impfärztinnen vor Supermarkt in Mannheim (Foto: SWR)
Impfärztin seit gut einem Jahr in Mannheim: Katja Fischer (rechts im Bild, mit weißem Mundnasenschutz)

Im Sommer kaum Andrang im Impfzentrum Mannheim

Ganz anders sei das von Juli bis September gewesen. Da saß sie mit ihren Kollegen im Mannheimer Impfzentrum und hatte nichts zu tun. Das sei sehr frustrierend gewesen, so Katja Fischer: "Wir wussten ja, der Winter kommt und die Impf-Quote ist noch nicht gut." Deshalb versteht sie auch nicht, warum die Impfzentren in großem Stil geschlossen wurden.

"Man hätte wissen können, dass die vulnerablen Gruppen, die zuerst im Januar und Februar geimpft wurden, im Herbst auf jeden Fall eine Auffrischung brauchen."

"Gutes Gefühl", dabei zu sein im Kampf gegen Corona-Pandemie

20 Impfungen pro Stunde schafft sie mit ihrem Team im Impfbus, ungefähr 120 Impfungen täglich. Zwischendurch aufs Klo gehen oder kurz mal einen Kaffee trinken - das sei fast nicht möglich. Bis Ende des Jahres will Katja Fischer noch weitermachen im Impfteam. Es sei eine wichtige Erfahrung für sie, bei der Impfkampagne dabei zu sein. Der Teamgeist sei toll und dazu ihr Gefühl, etwas wirklich Wichtiges und Sinnvolles im Kampf gegen die Pandemie beitragen zu können.

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