Demokratie in Grundschule (Foto: SWR)

Mannheimer Schule Teil eines landesweiten Projekts

Politik verstehen ab der Grundschule: Demokratie kindgerecht erklärt

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Melanie Holstein

Was ist Demokratie? Und warum ist Wählen wichtig? Darum geht es bei einem landesweiten Projekt. Auch eine Mannheimer Grundschule beteiligt sich.

Mit der Bedeutung des Wählens und der Demokratie insgesamt beschäftigen sich Drittklässler der Uhlandgrundschule in Mannheim. Dahinter steckt das landesweite Bildungsprojekt mit dem Namen "Nicht ohne uns! - Weil wir die Zukunft sind", das unter anderem von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, demokratische Werte zu schätzen und Zusammenhänge besser zu verstehen.

Idee: Politik für Drittklässler verständlich zu machen

Bei dem Projekt machen 15 Grundschulen aus ganz Baden-Württemberg mit. Dabei werden politische Begriffe, wie Demokratie oder Wahlen, so begreifbar gemacht, dass Kinder sie verstehen können, erklärt Jeremy Heiß von der Landeszentrale für politische Bildung. Dazu gehören folgende Fragen: Wie können Konflikte in der Schulklasse geregelt werden? Wie geht man mit unterschiedlichen Meinungen um? Auch gehe es darum, den Kindern deutlich zu machen, dass Politik nicht nur im Bundestag stattfindet, sondern auch in ihrer unmittelbaren Nähe - direkt vor der Haustür und in der Schule, so Heiß weiter.

Demokratie-Projekt geht über fünf Tage

An der Mannheimer Uhlandschule ging es in den ersten Projekttagen um die Themenbereiche "Grundrechte und demokratische Werte". Anschließend setzten die Grundschulkinder das Gelernte in die Praxis um: sie gründeten eigene "Parteien" und organisierten einen Wahlkampf, um zu entscheiden, wie sie ihren letzten Projekttag im März gestalten wollen. Zur Wahl standen unterschiedliche Aktivitäten - wie etwa sportliche Spiele oder ein Picknick mit der Schulklasse.

Demokratie in Grundschule (Foto: Uhlandschule Mannheim)
Zu einer richtigen Wahl gehört schließlich auch eine Wahlbenachrichtigung.

Demokratie ist Mitbestimmung, dass jeder gleich viele Rechte hat und wenn einer sagt: 'Ich will hier einen Baum pflanzen', dass alle mitbestimmen dürfen, ob der auch wirklich gepflanzt wird.

Die Schülerinnen und Schüler haben in der sogenannten "Meckerwolke" aufgeschrieben, was sie in ihrem Schulalltag und in der Stadt Mannheim insgesamt stört. (Foto: SWR)
Die Schülerinnen und Schüler haben in der sogenannten "Meckerwolke" aufgeschrieben, was sie in ihrem Schulalltag und in der Stadt Mannheim insgesamt stört.

Kinder präsentieren ihre Zukunftsvisionen im Rathaus

Im Rahmen des Projekts konnten die Kinder mithilfe von sogenannten "Meckerwolken" Themen sammeln, die sie in Mannheim oder im Schulalltag stören. Insgesamt wurden sechs Problemfelder herausgearbeitet, zu denen die Schülerinnen und Schüler jeweils Verbesserungsvorschläge für die Zukunft erarbeitet haben. Diese sollen dann Mitte März dem Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) präsentiert werden - in Form eines Kurzpodcasts.

Projekt funktioniert ohne Noten und Druck

Sasha Kittel arbeitet für die Landeszentrale für politische Bildung und macht bei dem Projekt mit. Er sagt, dass Demokratie alle betrifft - vor allem Kinder. Mit dem Projekt wolle man den Grundschülern verdeutlichen, dass auch sie Rechte haben und sich dagegen wehren dürfen, wenn sie ihnen genommen werden. Die Kinder könnten bei dem Projekt einfach zuhören und sich darauf einlassen - ohne Druck und Noten. Noch bis Ende des Schuljahres findet das Demokratie-Projekt an Grundschulen im Land statt.

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Demokratie gegen das Auseinanderdriften
„Wenn Demokratie in der Schule nicht gefördert werde, droht ein weiteres Auseinanderdriften in der Gesellschaft”, meint Zierer. Es drohe zudem „ein weiterer Rückgang im Ehrenamt, der Wahlbeteiligung und womöglich auch eine Zuspitzung hinsichtlich des Vertrauens in das politische System“. Das könne man bereits heute in anderen Kontexten beobachten.
Wir müssen uns kümmern!
„Das Vertrauen in die demokratischen Institutionen ist seit Jahren rückläufig“, so Zierer. Sein Buch „Demokratie in die Köpfe. Warum sich unsere Zukunft in den Schulen entscheidet“, sei ein Plädoyer dafür, dass wir uns darum kümmern müssen. Es ist im Hirzel Verlag erschienen und kostet 26 Euro.

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Melanie Holstein