Seit Neujahr dürfen keine männlichen Küken mehr getötet werden

Kein Kükentöten: Odenwälder Politikerin fordert europäische Lösung

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Seit 1. Januar dürfen in Deutschland keine männlichen Küken mehr aus wirtschaftlichen Gründen getötet werden. Eine Grünen-Politikerin aus dem Odenwald findet das gut - einerseits...

Rund 45 Millionen männliche Küken sind bisher in Deutschland Jahr für Jahr getötet worden, weil sie im Handel nicht mal als Masthähnchen verkauft werden. Seit dem 1. Januar ist das sogenannte "Schreddern" dieser männlichen Küken aber bundesweit verboten.

Das heißt: Die sogenannten Bruderhähne müssen aufgezogen werden - das allerdings bringt ganz neue Probleme mit sich und ist leichter gesagt als getan, sagt Amelie Pfeiffer (Grüne) in einem SWR-Interview, denn die Bruderhähne seien schwer zu vermarkten.

Amelie Pfeiffer: Betrieb in Buchen mit rund 4.000 Legehennen

Amelie Pfeiffer ist Diplom-Agrar-Biologin, Mitglied des Kreistags Neckar-Odenwald, und hat in Buchen-Bödigheim einen landwirtschaftlichen Betrieb - unter anderem mit 4.000 Legehennen.

Küken-Tötungs-Verbot "großer Schritt Richtung Tierschutz"

Das Verbot, so Pfeiffer, sei "echt richtig" und ein "großer Schritt Richtung Tierschutz". Das aber reiche noch nicht, denn nach dem bundesweiten Verbot müsse nun auch eine europäische Lösung gefunden werden.

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Pfeiffer für Kampagne für Bruderhahn-Fleisch

Ihr fehle, so Pfeiffer, eine große Kampagne, um die Qualität des Bruderhahn-Fleisches darzustellen. Das sei für den Verzehr "durchaus geeignet". Sie gab jedoch zu bedenken, dass es länger brauche, bis Hähne groß würden, die Mehrkosten für die Mast seien für einen Landwirt kaum zu kompensieren. Unter anderem deswegen stiegen derzeit die Preise für Eier.

Männliche Küken im Ausland: Fehlende Kontrolle

Und: Wer vier bis fünf Millionen männliche Küken groß ziehe, produziere damit viel Fleisch, das man entsprechend vermarkten müsse. Wenn dieses Fleisch nicht hierzulande verkauft werden könne, dann würden bereits die männlichen Küken ins Ausland verkauft - und dort fehle dann die Kontrolle, was mit den Küken passiere.

Folgen für Klimawandel und Flächenverbrauch

Laut Amelie Pfeiffer berührt das Tötungs-Verbot männlicher Küken auch größere Fragen - wie die des Klimawandels und des Flächenverbrauchs. Konkret: Für die Aufzucht vieler Millionen männlicher Küken brauche man viel Futter, also auch viel Platz für den Anbau von Futtermitteln. Dabei gehe es unter anderem auch im Neckar-Odenwald-Kreistag immer wieder um die Frage, wie sich der Flächenverbrauch reduzieren ließe. Und noch dazu brauche ja auch der Ausbau erneuerbarer Energien viel Platz, so Pfeiffer.

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