Interview mit Strafverteidiger Steffen Lindberg

"Die Sinsheimer Tat ist Wahnsinn"

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Der Mannheimer Strafverteidiger Steffen Lindberg hat schon viele Verbrechen juristisch aufgearbeitet, auch von Jugendlichen. Der mutmaßliche Mord eines 14-Jährigen in Sinsheim hat auch ihn schockiert.

"Das ist Wahnsinn", das war der erste Gedanke des Mannheimer Rechtsanwalts Steffen Lindberg, als er am Mittwoch von dem mutmaßlichen Mord in Sinsheim-Eschelbach hörte. Lindberg hat schon viele junge Straftäter verteidigt, aber dass ein 14-Jähriger einen 13-Jährigen gezielt tötet, sei "in der Tat außergewöhnlich" und "auf einem anderen Level", sagte er im Interview mit SWR-Moderator Wolfgang Kessel.

Emotionale Störung bzw. medizinischer Hintergrund möglich?

Er kenne die Hintergründe des Sinsheimer Falles nicht, wirft aber die Frage auf, ob eine emotionale Störung oder einen medizinischen Hintergrund vorliegen könnte. Anders lasse sich seiner Meinung nach eine solche Tat eines derart jungen Menschen kaum erklären.

Steffen Lindberg (Foto: SWR)
Strafverteidiger Steffen Lindberg

Jugendstrafrecht vom Erziehungsgedanken geprägt

Was die mögliche Strafe im Fall einer Verurteilung betrifft, verweist Lindberg auf den Erziehungsgedanken des Strafrechts. Die Höchststrafe für jugendliche Mörder liegt deshalb bei zehn Jahren Haft.

Was tun mit ganz jungen Intensivtätern?

Das Jugendstrafrecht an sich bietet laut Lindberg vielfältige Möglichkeiten, diesen Erziehungsgedanken zu verfolgen. Eine Verschärfung hält er deshalb nicht für nötig. Bei noch jüngeren, also strafunmündigen Intensivtätern unter 14 Jahren seien dem Staat allerdings die Hände gebunden. In Juristenkreisen wird deshalb darüber diskutiert, die Strafmündigkeit herunterzusetzen, so dass auch unter 14-Jährige Intensivtäter rechtlich belangt werden können.

Laut Polizei hatte der mutmaßliche Mörder des 13-Jährigen in Sinsheim-Eschelbach schon im vergangenen Jahr in Östringen (Kreis Karlsruhe) einen Jungen niedergestochen. Damals war er selbst noch nicht strafmündig.

Sinsheim

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