Interview mit dem Leiter Markus Rothfuß

Flüchtlingspolitik: Lage im Ankunftszentrum im PHV in Heidelberg noch entspannt

Stand
Autor/in
Stephanie Ley

In Berlin beraten am Donnerstag die Spitzenvertreter von Bund, Ländern und Kommunen über die Flüchtlingspolitik. Im Ankunftszentrum PHV in Heidelberg ist die Lage noch entspannt.

Viele Kommunen und Landkreise können den Zustrom von Geflüchteten und von Menschen, die Asyl beantragen, kaum noch bewältigen. Wie ist die Situation im Ankunftszentrum im künftigen Heidelberger Stadtteil Patrick-Henry-Village (PHV)? SWR Aktuell hat mit Markus Rothfuß gesprochen, dem Leiter der Einrichtung.

SWR Aktuell: Wie ist die Lage im Ankunftszentrum zurzeit?

Markus Rothfuß: Das Ankunftszentrum ist ja die zentrale Einrichtung des Landes für die Erstaufnahme von Asylsuchenden in Baden-Württemberg. Bei uns ist die Situation derzeit etwas entspannter als in vielen Stadt- und Landkreisen. Wir haben aktuell Zugänge von etwa 100 bis 120 Flüchtlingen pro Tag. Das ist deutlich weniger als noch im Herbst 2022. Aber zugleich deutlich mehr als zu Beginn des vergangenen Jahres. Für uns ein Signal, dass wir sehr aufmerksam sein müssen.

Ankunftszentrum PHV
Ankunftszentrum PHV

SWR Aktuell: Aus welchen Ländern kommen denn aktuell die meisten Asylsuchenden?

Markus Rothfuß: Die meisten stammen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, teils aus Maghreb-Staaten und vor allen Dingen auch aus der Türkei. Das ist schon lange so. Nur mit dem Unterschied, dass wir auch einige wenige Ukrainer unterbringen.

SWR Aktuell: Wie kommt das? Acht von zehn Flüchtlingen in Deutschland sind doch aus der Ukraine. Spielen die im Ankunftszentrum keine Rolle?

Markus Rothfuß: Die Erstaufnahme ist nicht der primäre Anlaufpunkt für Flüchtlinge aus der Ukraine. Das sind die Stadt- und Landkreise direkt. Hin und wieder nehmen wir zwar ukrainische Flüchtlinge für einen kurzen Zeitraum in der Erstaufnahme auf. Wir versuchen, sie dann aber möglichst rasch weiterzuleiten, da dieser Personenkreis ja kein Asylverfahren durchlaufen muss.

SWR Aktuell: In Ihrer Auflistung der Herkunftsländer kommen auch Syrien und die Türkei vor. Was denken Sie angesichts der schweren Schäden in den Erdbebengebieten? Gehen sie von einem wachsenden Zustrom aus?

Markus Rothfuß: Wir haben im Moment die Situation, dass in den Erdbebengebieten Millionen von Menschen ihr Obdach verloren haben. Und natürlich muss man schauen, wie sich das auf die Migrationsbewegungen auswirkt. Wir gehen zwar nicht davon aus, dass jetzt die erleichterte Visumserteilung des Bundes zu deutlich mehr Zugängen in der Erstaufnahme führen wird. Höchstwahrscheinlich gehen diese Personen direkt zu ihren Angehörigen in die Stadt- und Landkreise. Aber wie sich das letztendlich auf die übrigen Fluchtbewegungen auswirkt, das ist im Moment wie ein Blick in die Glaskugel. Wir müssen damit rechnen, dass das die Zugangszahlen nochmal deutlich steigen lässt.  

Ankunftszentrum im Heidelberger Patrick-Henry-Village
Ankunftszentrum im Heidelberger Patrick-Henry-Village

SWR Aktuell: Sie sprechen von einer "etwas entspannteren Situation" im Ankunftszentrum. Dabei sind im Januar dieses Jahres bundesweit rund 29.000 Erstanträge auf Asyl gestellt worden. Doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Da waren es im Januar nur 14.000 Erstanträge. Kommen die Flüchtlinge weniger nach Baden-Württemberg? Gibt es Länder, die stärker belastet sind? 

Markus Rothfuß: Na ja, wir haben im Moment die Situation, dass die Zugänge rückläufig sind. Was wir ja auch ganz gut gebrauchen können in der Erstaufnahme. Diese Situation spiegelt sich natürlich nicht in den Stadt- und Landkreisen wieder, wo wir die Menschen ja weiter hin vermitteln. Also da besteht allerhöchste Not und deswegen auch der Flüchtlings-Gipfel.

Die Anträge im Januar spiegeln übrigens nicht eins zu eins die Zugangslage (BAMF) im Ankunftszentrum wider. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hinkt da in aller Regel immer etwas hinterher, da es die Zahlen ja erst nach der Registrierung erfasst. Insofern sind die Zahlen etwas verzerrt. Und das BAMF hat personell auch "aufgerüstet". Da kann man die Zahlen vom Januar, die teils ja noch aus den Vormonaten resultieren, nicht auf den Zugang der Erstaufnahme herunter brechen. 

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