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Auf Live-Musik, Ausstellungen oder Lesungen verzichten? Nicht nötig. Die Kulturanbieter in der Rhein-Neckar-Region lassen sich einiges einfallen, um die nächsten Wochen zu überbrücken.

Konzerte, Theaterbesuche, Kino – fast alles, was mit Kultur zu tun hat, ist dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Aber: Künstler und Kulturschaffende sitzen natürlich nicht tatenlos herum und drehen Däumchen. Im Zeitalter des Internets, der sozialen Netzwerke und der Streaming-Dienste nutzen viele Kultureinrichtungen der Rhein-Neckar-Region die digitalen Möglichkeiten, um wenigstens ein bisschen Kultur unters Volk zu bringen.

Mannheimer Capitol: Live-Konzerte immer samstags

Jetzt erst recht, das ist in etwa die Haltung des Mannheimer Capitol. Am vergangenen Wochenende hat der Veranstaltungstempel damit begonnen, Konzerte live zu streamen und natürlich den Mitschnitt hinterher auf allen Kanälen zur Verfügung zu stellen. Zwei Konzerte sind schon gelaufen, und weitere sind geplant, immer samstags.

Die Stammbesetzung der Band mit Sascha Krebs, Sascha Kleinophorst, Frank Schäffer und Christof Brill wird mit unterschiedlichen Künstlern aus der Region ergänzt. Das Ergebnis: Über zwei Stunden Live-Musik und alles andere als ein "Geisterkonzert".

Capitol-Chef Riehle sehr zufrieden mit Zugriffszahlen

Mit den Zugriffszahlen der ersten beiden Konzerte ist Capitol-Geschäftsführer Thorsten Riehle sehr zufrieden, es waren insgesamt rund 80.000, von denen natürlich viele einfach mal kurz reingeschaut haben. Das Ganze ist kostenlos, aber mit einem Spendenaufruf für die Künstler verbunden.

Heidelberger Frühling: #DigitalUnterwegs

Das abgesagte Klassik-Festival "Heidelberger Frühling" wäre in diesem Jahr unter dem Motto "Unterwegs" gelaufen. Jetzt starten die Macher das Programm #DigitalUnterwegs, zunächst mit zwei Live-Abenden, die der Pianist Igor Levit bestreitet. Er ist Künstlerischer Leiter der festivaleigenen Kammermusik Akademie.

Festival-Chef Thorsten Schmitt: "Nicht einfach aufgeben"

Dauer

Das erste Livestream-Konzert, gemeinsam mit der Cellistin Julia Hagen, wird am Donnerstag, den 26. März, um 19.30 Uhr aus Berlin übertragen. Die 24-jährige Salzburgerin war im vergangenen Jahr Stipendiatin der Kammermusik Akademie des Heidelberger Frühling und wäre in der diesjährigen Festivalausgabe Kammermusikpartnerin von Igor Levit gewesen, teilte die Festivalleitung mit. Die beiden Künstler führen zu Beginn der Liveübertragung kurz in die Werke des Abends von Brahms und Beethoven ein. Das zweite Konzert folgt am Freitagabend.

Laut Intendant Thorsten Schmidt sind die Zuschauer "dazu eingeladen, ihre Wertschätzung für Kunst im digitalen Raum in Form von Spenden zu zeigen". Dafür hat die Stiftung Heidelberger Frühling ein Spendenkonto eingerichtet. Das Programm "DigitalUnterwegs" soll in den kommenden Wochen fortgesetzt werden.

Der Medienpartner des "Heidelberger Frühlings", das Programm SWR2, sendet in den kommenden Wochen Konzertaufzeichnungen des Festivals aus den Jahren 2016, 2018 und 2019.

 Theater in Mannheim und Heidelberg:  

Der Spielbetrieb und auch die Proben in den Theatern ist zwar eingestellt. Die Macher versuchen aber, ihr Publikum online bei Laune zu halten. In Heidelberg zum Beispiel stellt das Theater der Stadt immer wieder kleine neu produzierte und teils sehr witzige Videos auf die Homepage. In einem davon dirigiert etwa der Vize-Generalmusikdirektor im Homeoffice seine Küchengeräte.

Außerdem gibt es online-Angebote zu den Themen des Deutsch-Abiturs. Und auch wenn der Heidelberger Stückemarkt ausfällt, wird es doch einige Lesungen geben, die dann gestreamt werden sollen. Allein beim Heidelberger Stadttheater sind übrigens mehr als 300 Menschen fest angestellt, Kurzarbeit ist aber laut  Intendant Holger Schulze bislang kein Thema.

In Mannheim ist das Nationaltheater mit einem digitalen Angebot an den Start gegangen. Es bietet täglich ein neues Programm auf der Homepage und in den sozialen Netzwerken, mit Videoclips, die die Schauspieler und Sänger zuhause produzieren. Sie wollen zum Beispiel unter dem Etikett "Meisterklasse" ihre verborgenen Talente zeigen, vom Kochen bis zum Heimwerken.

An den Wochenenden soll es Mitschnitte vergangener Aufführungen aus dem Nationaltheater geben - und Hörspielfassungen ausgewählter Stücke. Das Junge Theater plant ein eigenes kleinteiliges Programm für Kinder.

Man will sich also auch hier mit kreativen Formaten im Gedächtnis halten, die Krise überbrücken. Und so machen das auch viele kleinere Häuser. Das Unterwegstheater in Heidelberg zum Beispiel plant ein Corona-Live-Streaming-Programm, mit "Nützlichem aus der Welt des Tanzes".

Und auch Solo Künstler lassen sich etwas einfallen, wie etwa Arnim Töpel, der bei facebook jeden Tag ein Kapitel aus einem seiner Bücher liest.

Von Ausstellung bis Zoo - Digitale Angebote fast überall

Auch viele andere derzeit geschlossene Freizeiteinrichtungen sind angesichts der Corona-Krise digital unterwegs. Der Heidelberger Zoo etwa hat ein eigenes Videoprogramm namens "Dein Zoo für Zuhause" gestartet. Auf der Homepage sind die kurzen Videos zu sehen, die laufend ergänzt werden sollen.

Geschichten zur Geschichte: Marchivum bloggt

Das Stadtarchiv Marchivum in Mannheim will auch in Corona-Zeiten Geschichte erlebbar machen, und deshalb gibt es dort jetzt einen Bog, in dem Geschichten zur Geschichte erzählt werden, den Anfang macht die berühmte historische Figur des Blumepeter.

Und das Interkulturelle Zentrum in Heidelberg, das sich vor allem die Integration auf die Fahnen geschrieben hat, veranstaltet "Corona Readings" und "Corona Concerts" aus dem "digitalen Kulturzentrum", meist abends um 21 Uhr live bei Twitter. Damit will man gewissermaßen die soziale Distanzierung durch gemeinsame Erlebnisse virtuell wieder auflösen.

Um 21 Uhr geht’s los mit @hatice_akyun und ihrer Lesung @IZ_heidelberg #CoronaReadings https://t.co/wC9oCgKkN9

Metropolregion Rhein-Neckar bietet Überblick

Die Metropolregion Rhein-Neckar hat auf ihrer Homepage einen Überblick über alle möglichen kulturellen online-Angebote in Zeiten der Corona-Krise zusammengestellt. Auch er soll ständig ergänzt werden.

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