Fahrraddemo wegen angeblichem "Greenwashing"

Klimagruppen haben die MVV Energie in Mannheim im Visier

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Mannheimer Klimagruppen protestieren mit einer Fahrraddemo gegen den Energieversorger MVV, der sich ihrer Ansicht nach nur vordergründig umweltfreundlich verhält.

Die Mannheimer Gruppen von Fridays for Future, Mannheim Kohlefrei, Mannheim Zero, Extinction Rebellion, Scientist for Future und People and Parents for Future Mannheim fahren durch die Stadt zum MVV Hochhaus. Sie fordern den tatsächlichen Ausstieg aus fossilen Energien, mehr Transparenz und ehrliche Kommunikation ohne aus ihrer Sicht vordergründig grüne Versprechungen, das sogenannte "Greenwashing".

Zwei Gasheizkessel im Bau

Sie wenden sich besonders gegen den aktuellen Neubau von zwei Gasheizkesseln auf der Friesenheimer Insel und in Neckarau. Erdgas sei so klimaschädlich wie Kohle, mit der unter anderem das Großkraftwerk Mannheim Strom und Fernwärme erzeugt.

MVV Energie AG in Mannheim (Foto: SWR)

"Gaskessel nur Notreserve"

Die MVV erklärt, die Gasheizkessel seien nur Notreserve und nicht zur dauerhaften Energieerzeugung gedacht. Die Emissionen seien deshalb vernachlässigbar. Zudem sollten sie bis 2030 mit Biomethan klimaneutral betrieben werden. Es gebe derzeit technisch keine geeignete Alternative für Gas.

BUND gegen Heizwerk in Rheinau

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert zudem die Pläne der MVV für ein Heizwerk in Mannheim-Rheinau, das mit leichtem Heizöl betrieben werden soll. Die Umweltschützer bemängeln auch, dass die MVV die Müllverbrennung im Biomasseheizkraftwerk als klimaneutral bezeichne und dass die MVV plane die Altholzverbrennung auszubauen.

Klimaaktivisten demonstrieren vor der MVV in Mannheim gegen Greenwashing (Foto: SWR)

Position der MVV

Zum Biomasseheizkraftwerk argumentiert die MVV, das bereits bestehende Kraftwerk solle bis 2024 zur zusätzlichen Abwärmenutzung umgerüstet werden. Außerdem werde kein normales Holz verwertet, sondern giftige Holzabfälle. Weil mit der langfristig geplanten Abschaltung des Kohleblocks 9 im GKM die Fernwärmeproduktion für über 120.000 Haushalte in Mannheim und Umgebung ersetzt werden muss, ist die MVV dabei, Fernwärme aus anderen Quellen auszubauen.

Angebot zum Gespräch

Die MVV hat den Umweltschützern angeboten, bei ihrer Demo vor dem MVV-Hochhaus mit den Kritikern Argumente auszutauschen und zu informieren.

Im September 2015 ging Block 9 offiziell in Betrieb. (Foto: dpa Bildfunk, Uwe Anspach)
Mit der Inbetriebnahme von Block 9 ist das Großkraftwerk Mannheim das größte Steinkohlekraftwerk in Deutschland. Hier werden brutto mehr als 2.000 Megawatt Strom erzeugt.

Hintergrund

Die MVV ist noch ein klassischer Energieversorger, der Unternehmen und Haushalte mit Gas und Strom versorgt, übrigens auch die Bahn. Das Mannheimer Unternehmen unternimmt aber große Anstrengungen, erneuerbare Energien auszubauen. Die Tochterunternehmen Juwi und Windwärts betreiben Windkraftanlagen an Land.

GKM als Relikt aus der Kohlzeit

Das Großkraftwerk (GKM) in Mannheim-Neckarau, die MVV ist Anteilseigener zu knapp einem Drittel, ist ein Relikt aus der Kohlezeit.

Dass 2015 für 1,7 Milliarden Euro noch ein neuer Block 9 ans Netz ging, war schon bei der Einweihung als eine Entscheidung gewertet worden, die heute nicht mehr fallen würde. Das Großkraftwerk indes versorgt weiter Teile der Region mit Fernwärme, die wegen der relativ effizienten Kraft-Wärme-Kopplung noch als umweltfreundlich betrachtet wird. Fernwärme ist im Vergleich zum direkten Heizen mit Gas oder Öl sparsamer.

Müllverbrennung ersetzt Kohleverbrennung

Das Müllheizkraftwerk auf der Friesenheimer Insel ist vor zwei Jahren ans Fernwärmenetz angeschlossen worden und übernimmt jetzt einen Teil der Aufgabe. Der Block 9 wird langfristig vom Netz gehen - ein Teil der Dekarbonisierung im Land. Die MVV betreibt übrigens außer in Mannheim weitere sieben Müllverbrennungsanlagen, im Konzernjargon „thermische Abfallbehandlungsanlagen“ in Deutschland, Großbritannien und Tschechien.

MVV strebt in Erneuerbare

Regenerative Energiequellen wie Biomasse und Biomethan spielen mittlerweile eine gewisse Rolle bei der MVV, Geothermie ist zumindest ein Zukunftsprojekt. Hinzu kommt ab 2023 das neue Flusskaftwerk, das wie eine Wärmepumpe aus dem Rhein Wärme gewinnt. 2024 soll ein Biomassekraftwerk zur Wärmerzeugung hinzukommen.

Werbewirksam verkauft die MVV die Strategie ab 2040 klimapositiv zu werden, also mehr des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entnehmen als freizugeben.

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SWR