EvoBus in Mannheim will Rohbau-Fertigung nach Tschechien verlagern (Foto: SWR)

Kommentar zu EvoBus in Mannheim

"Ziel ist das Überleben am Markt"

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Bei EvoBus in Mannheim könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätzen wegfallen. Die Produktion soll teilweise ins Ausland verlagert werden. Ein Kommentar von SWR-Redakteur Christian Scharff.

In Mannheim gehen in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze in der Industrie verloren. Daimler Trucks & Buses hat bestätigt, den Bus-Rohbau aus Mannheim nach Tschechien verlegen zu wollen. Das ist eine bittere Mitteilung für alle, die bei EvoBus im Rohbau beschäftigt sind. Und auch für die Stadt Mannheim und für die Region.

Arbeitsplätze sind zunächst weg

Der Arbeitsplatzabbau wird nicht ungeregelt verlaufen. Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden in den vorgezogenen Ruhestand gehen, Abfindungen bekommen oder möglicherweise andere Job-Angebote im Daimler-Konzern erhalten. Die IG Metall ist bei Daimler einflussreich. Die Geschäftsführung wird nichts an ihr vorbei durchsetzen können. Die Arbeitsplätze sind aber zunächst weg.

Vorbote für kommende Zeiten

Der Abbau von Arbeitsplätzen knüpft an eine jahrzehntelange Entwicklung an, bei der ganze Branchen in Mannheim vom Kahlschlag betroffen waren, wie das die IG Metall treffend formuliert. Einem Kahlschlag kommt der Arbeitsplatzabbau bei Daimler in Mannheim und Ulm noch nicht nahe, aber die Entwicklung ist ein Vorbote für kommenden Zeiten. Mit dem Verbrennerverbot hat die Europäische Union zwar bislang nur Pkw und leichte Nutzfahrzeuge im Visier, aber dennoch ist der kürzlich gefasste Beschluss eine Zeitenwende. Von 2035 an werden nur noch emissionslose Fahrzeuge in diesen Klassen neu auf den Markt kommen. Die Zukunft ohne Verbrenner taucht am Horizont auf. Mannheim bleibt bei Daimler zwar Standort für Elektrokompetenz, aber voraussichtlich mit weniger Arbeitsplätzen.

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Transformation kostet Milliarden

Für die Autokonzerne ist der Wandel eine gewaltige Herausforderung. Die Transformation kostet Milliarden Euro. Gleichzeitig treten neue Konkurrenten auf den Plan, die das ganze Know How rund um Verbrenner gar nicht brauchen. Tesla ist nur ein Beispiel. Also ist es für die Konzerne zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht folgerichtig, die Weichen in die andere Richtung zu stellen, Kosten zu drücken, Geld freizuschaufeln für die Transformation. Und Daimler setzt voll auf elektrisches Fahren, ob mit Batterien oder über Brennstoffzellen. Bei Stadtbussen soll das schon ab 2030 durchgängig so sein und bald auch bei Überlandbussen und Reisebussen.

Langfristige Perspektive ist notwendig

Es geht vielleicht generell um das Überleben am Markt. Es muss eine langfristige Perspektive für die Zukunft des Standorts Mannheim geben. Aus diesem Grund ist die Entscheidung von Daimler Trucks & Buses wahrscheinlich unvermeidlich, auch wenn sie zu enormen Härten für die Beschäftigten führt. Und vielleicht steckt darin sogar eine Chance für die Zukunft.

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