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Das Amtsgericht Mannheim hat einen Klimaaktivisten wegen Hausfriedensbruchs und versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er war an einer Aktion im August 2020 auf dem Gelände des Großkraftwerks Mannheim beteiligt. Vor dem Gericht gab es eine Solidaritäts-Kundgebung.

Das Amtsgericht Mannheim hat den Aktivisten zu einer Geldstrafe von 325 Euro verurteilt - wegen Hausfriedensbruchs, Verstoßes gegen das Vermummungsverbot und versuchter Körperverletzung. Die Strafe setzt sich aus 65 Tagessätzen zu je 5 Euro zusammen. Außerdem muss der 22-Jährige die Kosten des Verfahrens tragen.

Protest vor dem Gericht

Klimaaktivisten protestieren vor Amtsgericht Mannheim (Foto: SWR)
Klimaaktivisten protestieren vor Amtsgericht Mannheim

Einige Demonstranten hatten sich am Montag vor dem Amtsgericht versammelt.

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Hausfriedensbruch und versuchte Körperverletzung

Der 22-Jährige war gemeinsam mit vier weiteren Klimaaktivisten maskiert in das umzäunte Gelände des Großkraftwerks eingedrungen. Dort war er auf die Überdachung des Kohleförderbandes in etwa 20 Metern Höhe geklettert.

Großkraftwerk Mannheim (Foto: SWR)
Großkraftwerk Mannheim

Der 22-Jährige habe außerdem eine Nähnadel absichtlich mit der Spitze nach außen in seinen Hosenbund gesteckt. So habe er einen Beamten verletzen wollen, der ihn durchsuchte.

GKM musste Betrieb unterbrechen

Zum Schutz der Aktivisten hatte das GKM bei der Aktion im vergangenen August das Förderband abgeschaltet. Dadurch soll sich die vom Kraftwerk erzeugte Strommenge reduziert haben.

Einem Strafbefehl von 485 Euro hatte der junge Mann laut der Initiative "GKM Abschaffen“ widersprochen.

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Angeklagter: "Ziviler Ungehorsam" für den Klimaschutz

Der Angeklagte gab vor Gericht eine persönliche Erklärung ab, die fast eine Stunde dauerte. Er berief sich immer wieder auf den "Notstandsartikel" § 34 im Strafgesetzbuch.

Der angeklagte Klimaaktivist im Saal des Amtsgerichts Mannheim (Foto: SWR)
Der angeklagte Klimaaktivist im Saal des Amtsgerichts Mannheim

Aus der Sicht des 22-Jährigen bestehe wegen des hohen CO2-Ausstoßes des GKM Mannheim "Gefahr für Leib und Leben". Dies rechtfertige aus seiner Sicht eine rechtswidrige Aktion wie die vom August vergangenen Jahres.

Es gebe es nur den Weg des zivilen Ungehorsams, um das Klima zu schützen - also den bewussten Weg, das Gesetz zu übertreten, so der Angeklagte vor Gericht.

Sein Anwalt hatte auf Freispruch plädiert. Die Staatsanwältin forderte 500 Euro Geldstrafe und die Übernahme der Gerichtskosten.

Demonstranten halten ein Banner, auf dem sie Solidarität mit einem angeklagten Klimaaktivisten zeigen. (Foto: SWR)
Demonstranten bekunden Solidarität mit angeklagtem Klimaaktivisten
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