Ameisenplage in Ketsch (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa | Patrick Pleul)

"Tapinoma Magnum" breitet sich aus

Heißschaum gegen Ameisenplage in Ketsch: Gemeinde stellt Plan vor

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Ausgerechnet auf dem Friedhof: Die Gemeinde Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis) hat mit einer Ameisenplage zu kämpfen. Mit einem neuen Plan will man die Plagegeister loswerden.

Wirklich gefährlich ist die "Tapinoma Magnum" für den Menschen nicht, dafür rottet sie laut dem Ketscher Umweltamt heimische Ameisen-Arten aus und unterhöhlt Pflastersteine auf Gehwegen oder eben Gräber auf dem Friedhof. Schäden, die der Gemeinde Kosten verursachen.

Vor ungefähr drei Jahren ist die Art aus dem Mittelmeerraum offenbar eingeschleppt worden. Die Ameisen sind klein, schwarz und haben ein gräuliches Hinterteil.

Erste Aktionen zur Ameisen-Bekämpfung im Juni

Die erste Bekämpfungsmaßnahme soll es Mitte Juni geben. Zum Einsatz kommt laut der Schädlingsbekämpfungsfirma aus Darmstadt (Hessen) ein sogenanntes Heißwasserschaum-Verfahren, mit dem die schwarzen Plagegeister gezielt eliminiert werden sollen. Das heiße Wasser und der Schaumteppich dringen laut der zuständigen Fachfirma tief in Ritzen und Fugen ein. Genau dort sitzen die Insekten. Am Friedhof sind auf den ersten Blick kleine Erdlöcher aus Sand zu erkennen. Durch das Verfahren soll die Ausbreitung der Ameisen eingedämmt werden.

"Der Schaum bewirkt, dass die Hitze länger gehalten wird und das Mittel tiefer eindringt."

Verfahren wird auch bei Eichenprozessionsspinner eingesetzt

Dieses Verfahren mit beigemischten natürlichen Tensiden habe sich bereits im Kampf gegen Eichenprozessionsspinner bewährt und werde auch in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt, hieß es am Dienstag. Es kämen weder Insektizide noch andere Giftstoffe zum Einsatz. Die Kosten für diese Bekämpfung liegen laut Gemeinde bei rund 30.000 Euro.

Die "Tapinoma Magnum" bildet laut Gemeinde eine Gefahr für heimische Ameisenarten und kann durch ihr massenhaftes Auftreten unter anderem Schäden an Gehwegen und an Häusern verursachen.

Ameisen fühlen sich auch in Schottergärten wohl

Das Verbreitungsgebiet der eingeschleppten Ameisenart umfasst laut Gemeinde eine Fläche von etwa acht Hektar in und um den Friedhof herum.

"Die Maßnahme ist äußerst wichtig. Die Verbreitung kann sehr schnell erfolgen. Die Anwohner müssen das nicht alleine tragen."

Denn auch Menschen sind betroffen, vor allem Bürger, die einen Schottergarten und kaum Vegetation rund ums Haus haben. Unterhalb von unbepflanzten Flächen halten sich diese Ameisen besonders gerne auf. Damit soll jetzt Schluss sein, hofft man in der Gemeinde.

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