Städte und Gemeinden fürchten hohe Kosten und hohen Aufwand

Die Katzenschutzverordnung des Landes wird kaum angewendet

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In Baden-Württemberg gibt es seit 2013 die "Katzenschutzverordnung". Sie soll helfen, die Zahl der Katzen zu verringern. Doch mit der Umsetzung in den Kommunen hapert es.

Rund 2 Millionen wild lebende Katzen gibt es in Deutschland, schätzt der Deutsche Tierschutzbund. In Baden-Württemberg hätten aber erst 15 Städte und Gemeinden die Verordnung umgesetzt, kritisiert der Landestierschutzverband.

500 Streuner allein in Mannheim

Schätzungsweise 500 streunende Katzen leben allein in Mannheim. Viele sind blind, abgemagert und krank. Rund 30 Ehrenamtliche kümmern sich um die Tiere, pflegen täglich die Futterstellen, legen sich nachts auf die Lauer, um Katzen einzufangen. Sie sollen beim Tierarzt kastriert werden. Eine der Helferinnen ist Andrea Schulz aus Oftersheim. Die Katzenliebhaberin sieht in der unkontrollierten Vermehrung das größte Problem. Bei jedem neuen Wurf bekomme eine Katze mehr Junge.

"Beim ersten Wurf bekommt eine Katze vielleicht eins, zwei, vielleicht auch drei Kätzchen. Aber jedes Mal, wenn sie schwanger wird, kriegt sie auch mehr Katzen. Und wenn die nicht kastriert werden, das ist Wahnsinn, das artet eben aus."

Die "Katzenschutzverordnung" schreibt vor, dass die Tiere registriert, gechippt und auch kastriert werden. Die Gesamtkosten dafür betragen pro Katze bis zu 200 Euro. Das Land gibt nur den rechtlichen Rahmen vor, die Kommunen müssen selbst aktiv werden. Was die meisten aber nicht tun, kritisiert die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord aus Heidelberg. Die Kommunen befürchteten, dass es zu viel koste oder dass zu viel Arbeit auf sie zukomme. Dabei sei es sinnvoll, die Zahl der Katzen zu reduzieren, dann gebe es weniger Katzen, die von der Gemeinde versorgt und verwahrt werden müssten. 

Katze (Foto: SWR)
Eine Katze in Mannheim, vermutlich ein Streuner, versteckt sich im Gebüsch

Wie viele Katzen sind es wirklich?

Sebastian Ritter vom Städtetag Baden-Württemberg sieht in Kosten und Aufwand nicht das Kernproblem. Für die Kommunen sei es vielmehr schwierig, die vorgeschriebenen Daten zu liefern. Es müsse objektiv festgestellt werden, dass es eine hohe Katzenpopulation gebe und dass Tierschutzbelange betroffen seien, also dass Katzen krank seien. Das sei nicht immer einfach. 

Tierschutzvereine und Privatleute wie Andrea Schulz fühlen sich mit dem Problem allein gelassen. Sie wollen, dass die Kommunen für mehr Tierschutz sorgen.   

In Mannheim wird sich vorerst nichts ändern. Man habe das Thema zwar auf der Agenda, so die Stadt, konkrete Maßnahmen seien aber nicht geplant.

Tübingen

Tübingen Kastration von Katzen wird bezuschusst

Die Stadt Tübingen und der Tierschutzverein bieten einen Zuschuss für die Kastration von Katzen an. Tierhalter können ihre Tiere beim Tierarzt kastrieren lassen und dafür einen Zuschuss in Höhe von 40 Euro für jede Katze oder 20 Euro für jeden Kater erhalten.  mehr...

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