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Wie lassen sich Hochwasser-Katastrophen besser voraussagen? Der Heidelberger Geograf André Assmann bietet Städten und Gemeinden mit seiner Firma Lösungen an, in Form von Simulationen und Karten.

André Assmann ist Chef der Heidelberger Firma "Geomer". Er und sein Team bieten Kommunen Expertisen zu den Themen Naturgefahren, Risikovorsorge und Risikomanagement an. Die Firma habe Experten zu "Hochwasser, Starkregen, Hydrologie, Hangrutschung und Bodenerosion."

SWR Aktuell: Herr Assmann, Ihr Unternehmen analysiert mögliche Natur-Gefahren und erstellt Simulationen. Was wäre denn, wenn es rund um Heidelberg und Mannheim ein solches Starkregen-Ereignis gäbe, wie zuletzt unter anderem in Ahrweiler oder Trier?

André Assmann: Dann sähe das wahrscheinlich relativ ähnlich aus, weil das schon eine Größenordnung ist, die jenseits der normalen Modell-Verläufe liegt und wirklich extrem war. Bei solchen Ereignissen ist man hier sicher auch überfordert. Darum ist es umso wichtiger, dass wir solche Ereignisse schon "vordenken" und uns darauf vorbereiten können. Das gilt für Privat-Hausbesitzer, bis hin zu den Rettungskräften.

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Und damit die alle "vordenken" können, erstellen Sie Karten. Wie funktioniert das?

Die Karten entstehen letztendlich aus Modell-Rechnungen. Wir haben digitale Daten, die wir vom Land bekommen, aber auch viel Kartier-Arbeit vor Ort, wo wir uns Wasser-Durchlässe anschauen, verbunden mit diesen Fragen: Können die sich zusetzen oder verstopfen? Sind da schon entsprechende Maßnahmen getroffen worden? Wo sind Problem-Stellen, die man dann im Rechner durchrechnen kann, in unterschiedlichen Szenarien, damit man sich wirklich objektiv von einem Gebiet ein Bild machen kann. Und dann fängt die Arbeit mit den Kommunen an.

Aber die Kommunen wissen doch in der Regel, wo da ihre Schwachstellen sind, oder?

Sie kennen natürlich bestimmte Stellen. Dieses Wissen müssen wir natürlich in die Karten einarbeiten, beziehungsweise die Karten dahingehend überprüfen. Aber zum Beispiel gerade bei Starkregen gibt es viele Punkte, die nicht bekannt sind und die man halt noch nicht erlebt hat, weil man an vergangene Hochwasser-Ereignisse denkt und die in Erinnerung hat. Was aber sonst noch im Nachbar-Tal passiert, wenn der Regen ein bisschen woanders runterkommt, dass ist dann nicht auf dem Schirm. Insofern ist es wichtig, das in der Simulation so zu "beregnen", dass man sieht, was wirklich passieren kann.

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Und wenn Sie so eine Karte erstellt haben, was bringt die dann konkret?

Die ist Grundlage für alles Weitere. Erstmal haben wir dann Workshops mit den Kommunen, wo wir dann dieses "Was wäre, wenn?" mit dieser Grundlage durchspielen. Also: Würde dieser Kindergarten betroffen sein? Kommt die Feuerwehr noch an die Einsatz-Standorte? Und im dritten Schritt geht es dann darum, eine Prioritäten-Liste zu erarbeiten. Um dann Maßnahmen zu entwickeln, um mögliche Schäden zu minimieren.

Ein Schild mit der Aufschrift "Hochwassergefahr - Parkplatz wird überflutet" steht in der Innenstadt von Heidelberg an der Alten Brücke am Neckar (Archivbild von 2020). (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uwe Anspach | Archivbild)
picture alliance/dpa | Uwe Anspach | Archivbild

Können Sie ein Beispiel nennen, wo Sie hier in der Rhein-Neckar-Region schon tätig waren?

Für Heidelberg haben wir ein Konzept gemacht, aber auch für Bammental, Neckargemünd, Wiesenbach, Gaiberg (alle Rhein-Neckar-Kreis), die sich als Kommunen-Verbund zusammengetan haben.

Und was haben Sie dann mit der Analyse angestellt?

Die Erst-Analyse ist mit der Kommune zusammen erfolgt. Und da gibt es jetzt in jeder diese Kommunen eine Prioritäten-Liste, ein Papier, das auch von den Gemeinderäten abgesegnet wurde, wo dann für die kommenden Jahre Maßnahmen und Vorschläge da sind, die dann umgesetzt werden müssen. Das setzt teilweise noch Folge-Planungen voraus. Wenn man irgendwas baut. Dazu Informationen zu publizieren, dass auch jeder Bürger eine Grundlage hat, um Eigenvorsorge zu treffen.

Was können die Bürger tun, um sich bei Hochwasser nach Starkregen zu schützen?

Wenn wir an die ganz große Ereignisse denken, NICHT in den Keller gehen, NICHT das Auto aus der Tiefgarage wegfahren. Und dann: Bauvorsorge. Also: Kellerschächte eventuell höher legen, damit da das Wasser nicht reinfließen kann. Außerdem druckfeste Fenster und vielleicht auch die Elektro-Anlage und die Ölheizung aus der Gefahrenzone bringen.

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