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Die Maskenaffäre um dem Mannheimer Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel (CDU) trifft in seiner eigenen Partei auf scharfe Kritik - auch beim Heidelberger Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Präsidenten der Parlamentarischen Versammlung der NATO, Karl A. Lamers.

SWR-Aktuell: Wie schätzen Sie das Verhalten von Nikolas Löbel ein?

Karl A. Lamers: Um es mal klar zu sagen: Es versteht sich von selbst, dass wenn man im Rahmen eines Mandats eine Leistung erbringt, diese niemals mit einer Gegenleistung verknüpft werden darf. Die Annahme finanzieller Vorteile für einen Abgeordneten ist ein absolutes No-Go. Das ergibt sich allein schon aus dem Selbstverständnis eines Abgeordneten. Er muss stets das Wohl seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger im Auge haben und darf niemals zum eigenen Vorteil handeln. Hier geht es um Verantwortung. Verantwortung den Menschen gegenüber zum Wohl des Landes zu handeln, aber natürlich auch zum Wohl der Partei. Und wenn dann sowas passiert wie hier, dann kann es nur eine Konsequenz geben: Nämlich den Rückzug aus allen Ämtern und Mandaten. Das ist völlig klar.

SWR-Aktuell: Wie groß ist der Image-Schaden für die CDU?

Karl A. Lamers: Der Image-Schaden ist immens, aber dieser Schritt (der Rückzug von Löbel, Anm. d. Red.) ist absolut notwendig, um hier wieder Klarheit zu schaffen und deutlich zu machen: Das ist das Problem eines Einzelnen, der jetzt für sich die Konsequenzen ziehen muss und zwar voll und ganz, damit man wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren kann.

SWR-Aktuell: Wie ist denn jetzt die Stimmung an der Basis?

Karl A. Lamers: Die Stimmung an der Basis ist katastrophal. Das berichten auch alle Wahlkämpfer. Ich bedauere alle, die jetzt noch Landtagswahlkampf machen müssen. Die haben das alle nicht verdient, in diesen Strudel mit einbezogen zu werden.

SWR-Aktuell: Nikolas Löbel ist nicht der einzige CDU-Politiker, der in der Maskenaffäre im Fokus steht. Gibt es in der Union andere Moralvorstellungen?

Karl A. Lamers: Nein, die gibt es nicht. Die sind genauso, wie ich es geschildert habe: Dass man den Menschen helfen muss, dass man an ihrer Seite stehen muss. Aber Leistung mit einer Gegenleistung zu verknüpfen ist völlig außerhalb. Diese klare Moralvorstellung muss eingehalten werden. Und wenn dagegen verstoßen wird, sind Konsequenzen erforderlich, so wie sie jetzt gezogen werden.

SWR-Aktuell: Löbel hat angekündigt, bis August bleiben zu wollen. Wie schätzen Sie das ein?

Karl A. Lamers: Das kann ich jetzt nicht ganz nachvollziehen. Wenn ich von Konsequenzen spreche, dann heißt das, dass Konsequenzen jetzt und nicht irgendwann erfolgen müssen. Das ist aber eine Sache der CDU Mannheim. Mir leuchtet die Ankündigung (von Löbel, Anm. d. Red.) nicht ein. Wenn man sagt, man zieht sich aus der CDU/CSU Fraktion zurück, und bleib noch bis August - was soll das? Das verstehe ich nicht.

SWR-Aktuell: Fordern Sie ein Austritt aus der CDU?

Karl A. Lamers: Es liegt nicht an mir, so etwas zu fordern. Das ist Sache der CDU Mannheim. Heute wurde ein ganz wichtiger Schritt getan - und dann muss man weiter sehen.

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