"Wer vertritt eigentlich die Jugend?"

23-jähriger Hockenheimer kandidiert parteilos bei Bundestagswahl 2021

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Ohne Partei, ohne Kontakte, ohne finanzielle Mittel kandidiert Jonas Fritsch für die Bundestagswahl. Er steht vor allem für die jüngere Generation, Klimaschutz und Digitalisierung.

Jonas Fritsch aus Hockenheim tritt als parteiloser Kandidat bei der Bundestagswahl 2021 an (Foto: SWR)
Jonas Fritsch wohnt in Hockenheim und studiert in Heidelberg International Management and Leadership im Master.

Jonas Fritsch ist Student, Hockenheimer (Rhein-Neckar-Kreis) und jetzt auch parteiloser Kandidat für den Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen. Seine Farbe bei der Bundestagswahl: Magenta. Sein Kennwort, dass er anstatt eines Parteinamens hat:

"Die Zukunft am Start."

Wer ist Jonas Fritsch?

Der 23-Jährige beschreibt sich selbst als "ganz normaler Typ" der gerne Basketball spielt. Politisch aktiv oder besonders engagiert sei er bisher noch nicht gewesen, sagt er. Durch die Klimapolitik der derzeitigen Regierung habe sich das geändert. Jonas Fritsch merkte, dass er dem nicht immer ganz zustimmen kann und fragte sich: Wer spricht im Parlament eigentlich für die jüngere und aber auch für die zukünftige Generation, die den Klimawandel am deutlichsten zu spüren bekommen? Seine Antwort: Niemand. Das will er ändern.

"Er ist ein ehrlicher Typ und sagt das, was er denkt."

#Wahlkreis – HÖP Hockenheim H-Town - meine Heimatstadt. Hier bin ich schon zur Schule gegangen und aufgewachsen....Posted by Jonas Fritsch - Die Zukunft am Start on Friday, July 23, 2021

Da Jonas Fritsch parteilos antritt, fehlen ihm die Kontakte, die Erfahrung und das Geld einer Partei. Also macht er alles selbst und bringt sich alles alleine bei. Um auf dem Wahlzettel stehen zu können, musste er 200 Unterschriften - handschriftlich - aus seinem Wahlkreis sammeln. Dadurch soll gezeigt werden, dass es Menschen gibt, die interessiert sind und ihn möglicherweise auch wählen würden. Außerdem entwickelte eine seine eigene Webseite.

Für was steht der 23-Jährige parteilose Kandidat für die Bundestagswahl?

Sein Ziel: Der Jugend eine Stimme geben. Genau diese möchte er auch ansprechen und das so einfach wie möglich, deshalb sei sein Wahlprogramm leicht verständlich geschrieben. Ab und an findet die Leserin oder der Leser auch Jugendwörter wie "nice" oder "busy". Dem Hockenheimer sind vor allem die Themen Klimaschutz und Digitalisierung wichtig - auch nachzulesen in Jonas Fritschs Wahlprogramm.

"Das große Problem sind nicht die fossilen Brennstoffe, sondern die fossilen Denkweisen."

So will er zum Beispiel das 1,5 Grad-Ziel erreichen und im Jahr 2035 klimaneutral leben. Dafür wolle er schnellstmöglichst die erneuerbaren Energien, wie Wind und Solar, ausbauen. Zudem sei es ihm wichtig, Tiere mit Respekt zu begegnen und nur mit einer Reduzierung der Tierhaltung, könne das Klimaziel erreicht werden.

Bei der Digitalisierung findet er, dass die noch weiter ausgebaut werden müsse. Zum Beispiel könne er sich einen digitalen Personalausweis fürs Smartphone ab September vorstellen.

Familie und Freunde unterstützen Jonas Fritsch

Jonas Fritschs Freunde seien anfangs überrascht gewesen, erzählt er. Sie fragten ihn, wieso er kandidiert und dass das doch ziemlich viel Aufwand sei im Vergleich zur Chance. Ja, sagt er, es sei viel Aufwand und die Chancen seien gering, dass er es überhaupt ins Parlament schaffe. Doch er wolle es zumindest versuchen. Seine Freunde und Familie unterstützen ihn so gut es geht - vor allem sein Vater Daniel Fritsch.

Wie groß sind die Chancen als parteiloser Kandidat?

Der 23-Jährige finde es gut, unabhängig und ohne Partei handeln zu können.

"Es gibt keine Vorgaben, sondern ich mache das auf meine Weise und mache alles selbst."

Jonas wisse, dass er - sollte er es ins Parlament schaffen - nicht die Macht habe, ein neues Gesetz einzuführen, sagt er. Er hoffe aber, dass er zumindest die Denkweise von manchen ändern kann. Doch um dorthin zu gelangen, muss er es schaffen, dass die Menschen ihn noch vor der Wahl am 26. September kennenlernen und ihm vertrauen. Parteilose üben eher seltener ein hohes politisches Amt aus und wenn doch, sind sie oftmals zumindest in engem Kontakt mit einer bestimmten Partei. Zuletzt konnten bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 formal parteilose Kandidaten ein Direktmandat gewinnen. Einer davon war Richard Freudenberg für den Landkreis Mannheim.

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