Interview mit Leiter des Frauenfußballförderzentrums Hoffenheim

Nach Europameisterschaft der Frauen: "Ich hoffe, die Euphorie hält an!"

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Das Finale verloren, aber die Euphorie in Sachen Frauenfußball bleibt groß. Nur wie lange? Ein Gespräch über Hoffnungen mit dem Leiter der Hoffenheimer Frauenfußball-Abteilung Ralf Zwanziger.

Am Sonntag hat die Frauenfußball-Nationalmannschaft das Finale der Europameisterschaft gegen England verloren. Dennoch ist klar: Das ganze Turnier war eine blendende Werbung in Sachen Frauenfußball. Kommen jetzt mehr Mädchen zum Fußball und was können Vereine, Medien und Zuschauerinnen und Zuschauer dafür tun, den Sport populärer zu machen?

Ein Interview dazu mit Ralf Zwanziger, dem Leiter des Mädchen- und Frauenfußballförderzentrums der TSG 1899 Hoffenheim und der Frage: Hält die Euphorie jetzt tatsächlich an?

Ralf Zwanziger: Ja, also man hofft das zumindest und ich bin mir auch sicher, dass es gerade zu Beginn der neuen Saison wieder deutlich höhere Zuschauerzahlen geben wird in der Frauen-Bundesliga. Wie nachhaltig es dann allerdings ist – vor allem wenn es dann mal in den Herbst, noch schlimmer in den Winter geht, wo wir viele unserer Heimspiele bestreiten – das bleibt dann einfach abzuwarten. Aber wir werden zumindest alles Mögliche dafür tun, dass wir wieder mehr Zuschauer gewinnen.

SWR Aktuell: Was können Sie denn da tun? Bisher hat man immer noch so ein bisschen den Eindruck, das ist so eine Nische auch bei uns in der Region oder spüren Sie schon, dass mehr junge Frauen und Mädchen zum Fußball kommen?

Zwanziger: Nein, das leider nicht. Die Zahlen der Mädchen und jungen Frauen, die Fußball gespielt haben, sind bekanntlich seit 2011 und 2012 sehr rückläufig, sind mehr als halbiert worden. Das merken wir natürlich. Und trotz dieser Entwicklung schaffen wir es doch hin und wieder für tolle Kulissen und tollen Zuschauerzahlen bei uns zu sorgen. Ich hoffe nun, dass diese Euphorie, die jetzt um die Frauen-Nationalmannschaft entstanden ist – die mit Sicherheit viele Familien, Mädchen, auch Jungs an den Fernsehgeräten verfolgt haben – dafür sorgt, dass Menschen einfach sagen:

"Mensch, hier in der Region gibt es auch Frauen-Bundesliga, lass uns ein Spiel schauen gehen!"

SWR Aktuell: Aber sie müssten ja im Prinzip jetzt aktiv werden, um diese Euphorie aufrechterhalten zu können. Was können Sie denn da konkret tun? Gibt es da Ideen?

Zwanziger: Ja, da gibt es schon Ideen. Wir haben ein sehr interessantes erstes Heimspiel am 24. September gegen den amtierenden deutschen Meister und Pokalsieger VfL Wolfsburg mit sehr, sehr vielen deutschen Nationalspielerinnen, deren Gesichter man ja jetzt auch nicht nur im Fernsehen, sondern auch in vielen Zeitungen gesehen hat. Und daran wollen wir natürlich ein bisschen anknüpfen. Zum Beispiel mit eine Art Familienfest, aber natürlich auch in Sachen Werbung wollen wir mehr tun als das, was bisher üblich war bei uns. Und es wäre auch eine Idee, das Ganze beim SWR zu pushen.

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SWR Aktuell: Das heißt, die Medien sollten da eine wichtigere Rolle spielen, sagen Sie?

Zwanziger: Ja, natürlich. Aber auch die Verbände sollten das Ganze auch weiter unterstützen. Wir selbst haben keine Probleme mit unseren Zuwächsen. Wir haben bei den Spielerinnen ab der U9 bis zu den Frauen mehr Anfragen als wir bedienen können. Letztendlich liegt das Problem nicht in der Spitze, sondern an der Breite, was das Interesse anbelangt.

SWR Aktuell: Trotz der Emotionalität und über das, was im Stadion an Euphorie und Begeisterung zu spüren ist, wird auch über die Spitze diskutiert, teilweise mit politischen Forderungen. Stichwort "Angleichung der Gehälter". Eine große Diskussion. Wie ist da Ihre Position?

Zwanziger: Also, da wird immer ziemlich viel zusammengeworfen, wenn man Politiker-Aussagen hört wie, man müsste sie doch gleich bezahlen. Bei der jetzigen Diskussion geht es um die Prämien, dass diese deutlicher höher liegen, wenn die Männer den Titel holen. Aber auch die Einnahmen sind sehr, sehr viel höher. Und das sind Dinge, die man bei den Diskussionen oftmals vergisst. Und genauso ist es natürlich auch bei uns als Bundesligist. Die Einnahmenseite der Frauen unterscheidet sich doch signifikant im Vergleich zu der von den Männern.

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